Wanda – Ciao!

Mit „Ciao!“ hat die österreichische Pop/Rock-Band Wanda ihr viertes Album veröffentlicht. Bereits 2014 war das zwei Jahre nach der Bandgründung  veröffentlichte Debüt „Amore“ ein echter Hinhörer in der Deutschpop-Landschaft: Sänger Marco Michael Wanda bot lakonische, schwermütige Texte, die kleine Geschichten erzählten, mit lyrisch interessanten Kniffen. Musikalisch wurden unverbrauchte Melodien geboten.

Der Opener „Ciao Baby“ eröffnet das Album gefällig: gewohnte Akkordfolgen, gefolgt von interessanten Harmoniewechseln, die in ihrem Moll-Anklang unverkennbar nach Wanda klingen. „Nach Hause gehen“ greift New-Wave-Stilmittel auf, welche die Band ebenfalls öfter verarbeitet hat, mit Stakkato-Gitarren und Synth-Licks, dazu Congas unter dem Drum-Rhythmus. Das klingt grundsätzlich eingängig, nur der hektisch gerappte Gesang zieht den Hörer aus dem Fluss der Musik heraus.

„Ein komischer Traum“ bietet in seiner beschwingten Stimmung den typischen Stilmix zwischen Melancholie und Freude, mit eingängigem Refrain. „S.O.S.“ klingt dann auch wie ein typischer, energetischer Rock-Song der Band – ein Höhepunkt. „Ein schneller Tod“ verknüpft Latin-Stilistik mit geshuffelter New-Wave-Rhythmik à la Talking Heads‘ „Road to Nowhere“ – im Text kommt hier der Nihilismus des ersten Albums deutlich durch. Ähnlich verhält es sich auch bei „Swing Shit Slide Show“: Das getragene, melancholische Midtempo-Stück spielt mit Dystopien im Kleinen.

Ansonsten setzen die Texte auf austauschbarere Allgemeinplätze statt auf Geschichten mit lyrischem Feinschliff. „Domian“, das den Talkmaster als „Lebensplaner“ stilisiert, bietet wiederum einen melodisch aufgehenden Refrain mit herrlich verzerrten Synth-Sounds und Effekten. Hier findet eine stilistische Weiterentwicklung statt – ebenfalls ein Anspieltipp.

Die 14 Songs erscheinen allesamt solide, büßen dabei jedoch den ‚Zündfunken‘ gerade der ersten beiden Alben etwas ein. Das Zusammenspiel aus verwobenen Basslinien und Schlagzeug-Rhythmen wird dafür deutlicher herausgestellt als in den Vorgänger-Alben. Der Klang bleibt ‚zwischen den Stühlen‘: Das Stereobild erweist sich als seltsam verzerrt – so, als würde man mit Unterdruck in den Ohren hören. Beim Schlagzeug ‚matscht‘ die Hi-Hat wie ein stark datenreduziertes mp3, Akustikgitarren klingen scharf. Streicher – etwa bei „Ein komischer Traum“ und „Domian“ – sind rechts im Stereobild verortet, was nicht richtig mit dem Kontext harmonieren will. Marco Michael Wandas Gesang ist dünn aufgenommen, ohne plastische Nähe oder Fundament. Die Stimme ist mit einem Chorus-Effekt versehen, der das Ergebnis gefälliger wirken lässt.

Wandas bisherige Alben hatten ihre Stärke ohnehin in der Musik, nicht im Klang – gerade beim Erstling „Amore“ wurde dafür das rauere ‚Garagen-Feeling‘ als Stilmittel in den Vordergrund gerückt. Die scheinbar polierte Produktion des aktuellen Albums lässt einen beim Hören etwas unentschlossen zurück – für eine Pop-Produktion erscheint die Politur klanglich nicht konsequent genug. Das musikalisch verlässliche Songwriting dürfte Fans hingegen nach wie vor erfreuen.

WANDA – CIAO!

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 6
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