Vendredi Sur Mer – Premiers Émois

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Die 22-jährige Schweizerin Charline Mignot wagt mit ihrem sexy durchgestylten Retro-Pop-Projekt Vendredi sur Mer eine ironisch frivole Zeitreise in die Ära der frühen 80er-Jahre. Filme wie „La Boum – Die Fete“ prägten damals mit ihrem französischen Charme nicht nur den Zeitgeist einer ganzen Generation; die schwülstigen Balladen von Pierre Cosso und Konsorten begleiteten viele von uns damals auch durch die Pubertät und waren präsent, als man erstmals die eigene Sexualität entdeckte.

Mignot knüpft an dieser doch recht aufgeladenen Atmosphäre aus frühem Begehren, koketter Zurückweisung und raffinerten Katz- und Maus-Spielchen an und bedient sich dafür bei allem, was das heute wieder sehr hippe Vintage-Genre zu bieten hat. So kommt ohne falsche Scham ein buntes Potpourri aus typischem Retro-Synthie, E-Piano-Romantik, Orient-Flöte, Disco-Geigen und Ballsaal-Orgel zusammen, das den Hörer ohne Umschweife auf eine Reise zurück ins Paris und an die Côte d’Azur der 80er entführt. Erinnerungen an Francis Lais „Bilitis“-Soundtrack zu „Zärtliche Cousinen“ und Airs Alben der frühen 2000er werden wach.

Produziert von Lewis OfMan bietet „Premiers Émois“ ein Füllhorn an nostalgischen Reminiszenzen und setzt nebenbei auch noch Mignots erotisch modulierten Sprechgesang, der eher an ein Voice-Over im Film erinnert, gekonnt und perfekt abgemischt in Szene. Dance-Kracher wie „Écoute chérie“ und „Chewing-Gum“ schaffen spielend den Spagat zwischen modernem Dance-Track und charmantem Retro-Pop. Ruhigere Stücke wie „Laisse-moi“ laden hingegen zum Chillen vor einem prasselnden Kamin und einem Glas Champagner ein. Dass nahezu jeder Track auf diesem Album von der Liebe und ihren vielfältigen Ausprägungen handelt, versteht sich da fast von selbst.

Doch Vendredi sur Mer hat auch optisch einiges zu bieten: Unter der Regie von Alice Kong zeigen die Begleitvideos stimmungsvolle Szenarien à la David Hamilton meets Éric Rohmer. Rubensdame Charline Mignot präsentiert sich dazu wahlweise verführerisch und selbstbewusst mit Botticelli-Haaren im Seiden-Negligé wie auf dem Albumcover, oder wie im Video zu „Chewing -Gum“ in stilsicherem Safari-80s-Chic à la Yves Saint Laurent mit silbernen Schuhen und zwei weiß gekleideten Backgroundtänzern, die sie mit einer gewagten Freestyle-Choreografie unterstützen.

Nach ihrem Studium arbeitete Mignot zunächst als Modefotografin, bis eine Begegnung in Lyon mit ihrem zukünftigen Manager und Gründer des Labels Profil de Face sie zu einem Richtungswechsel inspirierte. Es entstand die Debütsingle “La Femme à la peau bleue” und schließlich folgte die Debüt-EP “Marée Basse”, welche von den Kritikern hoch gelobt wurde. Nach ersten Live-Auftritten mit einem begeisterten Publikum beschloss das Erfolgsduo dann ein Album zu produzieren: „Premiers Émois“ folgte und markiert unüberhörbar Mignots Abschied vom Jugendalter.

Klanglich brilliert die Produktion mit unmittelbaren, präsenten Signalen, atmosphärischem Stereobild und authentischer Retro-Tiefenstaffelung. Klangliche Schärfen werden auch in lauteren Gesangspassagen deutlich vermieden, Artefakte einer „modernen“ Produktion klingen nur sparsam durch.  Gesang und Schlagzeug bleiben immer klar ortbar, die Arrangements fließen smooth und mühelos zu einer Unit zusammen. Mignots Gesang ist durchgängig geschmeidig „geerdet“ in das Setting eingebettet und dennoch in seiner Brillanz bis in die Spitzen durchnuanciert.

BEWERTUNG VENDREDI SUR MER – PREMIERS ÉMOIS

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 8
So testet und bewertet mobilefidelity magazin.

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