TWS-Kopfhörer Technics EAH-AZ60

Erst im vergangenen Jahr debütierte die japanische Traditionsmarke Technics im Segment TWS-Kopfhörer und feierte mit den EAH-AZ70 eine überaus gelungene Premiere. Nun kommen zwei neue drahtlose In-Ears in den Handel: EAH-AZ40 und EAH-AZ60. Während der Online-Produktpräsentation werde ich hellhörig, als eine neue Technologie namens JustMyVoice zur Sprache kommt, die in beiden neuen Kopfhörern implementiert ist. Wenn diese halten kann, was sie verspricht, wird sie ein Gewinn für alle sein, die – ob beruflich oder privat – häufig telefonieren oder Videokonferenzen führen.

Mithilfe der JustMyVoice-Technologie sollen die Umgebungs- und Windgeräusche auf Seiten des Sprechenden unterdrückt und so dessen Stimme in bestmöglicher Klarheit und Verständlichkeit an Gesprächspartner*innen übermittelt werden. Meine Neugierde, herauszufinden, ob bzw. wie gut das funktioniert, ist geweckt und daher bitte ich Technics nach der Präsentation um ein Testgerät des Premium-Modells AZ60 und warte gespannt auf die Lieferung, die drei Tage später eintrifft.

Verpackung und Lieferumfang

Die schwarze, mittig von einem breiten weißen Streifen durchzogene Kartonbox ähnelt optisch der der AZ70 aus dem letzten Jahr, fällt aber deutlich flacher aus. Positiv fällt auf, dass sie nicht in Folie eingeschweißt ist und auch im Innern wird auf die Verwendung von Plastik verzichtet, wie sich nach dem Herausziehen der Verschlusslasche und dem Aufklappen des Deckels zeigt. In der Box befinden sich Ohrpassstücke aus Silikon in gleich sieben verschiedenen Größen, so sollte es für jeden möglich sein, die passenden Aufsätze für einen angenehmen und sicheren Sitz im Ohr zu finden. Weiterhin beinhaltet die Schachtel ein USB-C-Ladekabel, einen Pappschuber mit Gebrauchsanweisungen in mehreren Sprachen und natürlich das Ladecase samt der In-Ear-Kopfhörer, die in Dolomit Silber und Graphit Schwarz erhältlich sind. In die Oberseite des Case ist „Technics“ eingraviert. Das wirkt edler als ein Aufdruck und bietet zudem den Vorteil, dass der Schriftzug nicht durch intensive Nutzung, die Reibung beim Transport in Hosen- und Jackentaschen, rasch in Mitleidenschaft gezogen wird oder ganz abblättert. Die runden Außenseiten der Ohrhörer zieren ebenfalls Firmenschriftzüge. Aufgedruckt, was kein Problem darstellt, da sich das Problem der Reibung nicht stellt. Die Ohrstöpsel werden zuverlässig von Magneten im Case gehalten, auch wenn man es geöffnet kopfüber hält. Jeweils drei Kontaktpunkte sorgen für die Aufladung der Earbuds im Ladecase, welches mit 45 Gramm rund 20 Gramm leichter ist als das der AZ70. Die zur Konfiguration nötige Technics Connect App kann kostenlos aus Apples App- und Googles Playstore heruntergeladen werden.

Bauweise, Bluetooth und Akku

Im Innern der EAH-AZ60 regen 8-mm-Treiber die steifen und resonanzarmen Membranen aus Biozellulose zum Schwingen an. Luftströme werden in einer akustischen Kontrollkammer überwacht, um störende Strömungsgeräusche zu eliminieren. Ein neu angepasster Harmonizer komplettiert das akustische Design.

Die Verbindung zu Abspielgeräten wird via Bluetooth in der Version 5.2 aufgebaut. Technics‘ AZ60 unterstützen die Profile A2DP, AVRCP, HSP, HFP sowie die Audio-Codecs SBC, AAC und LDAC. Letzter ist HiRes-zertifiziert und bietet Übertragung in 24 bit und 96 kHz, bleibt allerdings Nutzer*innen von Android-Devices vorbehalten. Energiehungriger ist er auch. Die Spielzeit der vollgeladenen Ohrhörer bei Verwendung dieses Codecs in Verbindung mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung wird mit ca. 4,5 Stunden angegeben. Mit dem  AAC-Codec, den ich als iPhone-User während des Tests nutzte, werden ca. 7 Stunden erreicht. Mit einem vollen Ladecase erhöht sich die Dauer der energieintensivsten Nutzung codecabhängig auf bis zu 16 bzw. 24 Stunden. 15-minütige Schnellladung der leergespielten Earbuds ermöglicht weitere 45 Minuten mit LDAC, 70 Minuten mit AAC. Die AZ60 sind zudem Multipoint-fähig, können mit bis zu zehn Geräten gekoppelt und mit zweien parallel verbunden werden. Man ist zum Bespiel für eine Videokonferenz mit dem Laptop verbunden und wechselt danach wieder zum Smartphone, weil dies eventuell die bessere Wiedergabe ob LDAC-Fähigkeit bietet.

Die Reichweite der Verbindung wird mit zehn Metern angegeben. Die Kopfhörer, nicht aber das Ladecase, sind nach IPX-4-Norm spritzwassergeschützt.

ANC und JustMyVoice

Für TWS-Kopfhörer der gehobenen Klasse wenig verwunderlich bieten die EAH-AZ60 aktive Geräuschunterdrückung – bei Technics heißt sie Dual Hybrid Noise Cancelling Technologie. Zusätzlich sind sie mit der eingangs des Artikels erwähnten JustMyVoice Technologie ausgestattet. Dafür sind je Ohreinsatz vier Mikrofone verbaut. Im Falle der ANC-Nutzung kommt eine Kombination aus Feedforward-/Feedback-Technologie sowie aktiver und passiver Signalverarbeitung zum Einsatz. Über das Feedforward-Mikrofon werden Geräusche außerhalb des Hörers analysiert und ein gegenphasiges Rauschen beigemischt, um die Geräusche auszulöschen. Die Feedback-Technologie kontrolliert und eliminiert unerwünschte Geräusche in den Kopfhörern. JustMyVoice kann als ANC in die andere Richtung verstanden werden, sie dient nicht dem besseren eigenen Hören, sondern dem des Gegenübers. Auf die Mundpartie gerichtete spezielle Mikrofone in den AZ60 erkennen die Stimme beim Sprechen, zwei MEMS-Mikros erfassen sie aktiv und reduzieren Umgebungs- und Windgeräusche mittels der Beamforming-Technologie.

Die AZ60 in der Praxis

Von Beginn an macht es Freude die EAH-AZ60 praktisch zu erfahren. Dank der großen Auswahl an Ohrpassstücken ist schnell ein sehr guter, sicherer, aber dennoch bequemer Sitz im Ohr gefunden. Mit jeweils sieben Gramm sind die AZ60 nicht die leichtesten Vertreter ihrer Gattung, tragen sich aber exzellent. Wohl auch, weil Technics gegenüber dem Modell AZ70 vom letzten Jahr die Ergonomie der Earbuds verändert hat. Sie sind nun tropfenförmiger und das Gewicht wurde mehr in Richtung des Innenohrs verlagert. Verrutschen oder Herausfallen wird so nahezu unmöglich.

Der Verbindungsaufbau mit Geräten ist ein Kinderspiel. Das meiste regelt man intuitiv, die ohnehin sehr übersichtlich gestaltete App erklärt sich bei erstem Öffnen auch noch selbständig. Über die berührungsempfindlichen Außenseiten der Kopfhörer lassen sich das verbundene Abspielgerät bedienen, die Sprachsteuerung aktvieren und die ANC-Modi auswählen. Amazons Alexa ist implementiert. Konfigurationen, z.B. die Änderung von Touch-Befehlen und der Sensitivität der Bedienfelder oder die Optimierung und Stärke der Geräuschunterdrückung, erfolgen ausschließlich via App. Das ist alles so weit top, bei einem Gerät dieser Preis- und Güteklasse aber auch ein Stück weit vorauszusetzen.

Die Dual Hybrid Noise Cancelling Technologie arbeitet äußerst effektiv, wie sich im Praxistest zeigte. Diesen habe ich hauptsächlich an Bahnhöfen und während Zugfahrten durchgeführt. ANC bei voller Intensität koppelt einen fast vollständig von der Außenwelt ab. Der „Ambient-Mode“ ist in zweifacher Ausführung vorhanden. Entweder werden in der „Transparent“-Einstellung Geräusche und vor allem Stimmen während Durchsagen unverändert durchgelassen oder man wählt die Variante „Aufmerksamkeit“, dann wird zusätzlich die Musik gestoppt, wenn eine Stimme erkannt wird. Beides funktioniert zuverlässig, „Transparent“ war für mich völlig ausreichend, um meine Haltestellen nicht zu verpassen. Im Straßenverkehr sollte man aus Sicherheitsgründen nicht die volle Unterdrückung nutzen, um andere Verkehrsteilnehmer ausreichend wahrnehmen zu können.

Die neue JustMyVoice Technologie ist salopp ausgedrückt ein absoluter Knaller. Ich wohne nahe einer Bahnstrecke, arbeite regelmäßig von zu Hause aus und telefonieren oder per Videoschalte konferieren gehört zum Arbeitsalltag. Die an meiner Wohnung regelmäßig vorbeifahrenden Züge sind für Gesprächspartner*innen für gewöhnlich deutlich und durchaus störend hörbar. Die JustMyVoice Technologie der AZ60 führt hier zu einer deutlichen Verbesserung der Gesprächsqualität. Wenn ich nicht spreche, wird rein gar nichts ans andere Ende der Leitung übermittelt. Sobald die Mikros meine Stimme erkennen, werden Umgebungsgeräusche sehr effektiv minimiert, teils eliminiert. Das bestätigten – nicht ohne gewisse Verwunderung – alle, mit denen ich fernmündlich auf diese Weise kommunizierte. Eine Gesprächspartnerin vernahm während eines Testanrufs tatsächlich nichts vom Plätschern der laufenden Springbrunnen, in deren Nähe ich vor dem Hauptbahnhof Hannover stand. Was an Geräuschen durch die Leitung geht, ist so leise, dass das Ausblenden quasi von selbst geschieht und man ohne Anstrengung telefoniert, Informationen müheloser erfasst. Telefonieren mit den AZ60 wird so zu einer netten, potenziell stressreduzierenden Geste gegenüber den Mitmenschen.

Ausnahmslos wurden die Gespräche mit der Funktion als sehr viel angenehmer bewertet als Telefonate, die ich zum Vergleich ohne die aktivierte JustMyVoice-Funktion führte. Ein Unterschied „wie Tag und Nacht“, so mitunter die verblüfften Rückmeldungen. Zur Funktionalität von JustMyVoice in Verbindung mit Messenger-Diensten kann ich keine allgemeingültige Aussage treffen. Beim Telefonieren und Aufzeichnen von Sprachnachrichten mit WhatsApp werden Umgebungsgeräusche minimiert. Bei Verwendung der Messenger-App Signal ist der positive Effekt nicht festzustellen. Vielleicht wird ein Firmware-Update zukünftig auch Alternativen zu WhatsApp unterstützen. Technics hat die JustMyVoice Technologie betreffend nicht zu viel versprochen und liefert so ein gewichtiges Argument für den Kauf der AZ60.

Klang

Sämtliche bisher gesammelten positiven Eindrücke bestätigen sich auch im Hörtest der EAH-AZ60, den ich mit Grönemeyers Album „Bleibt alles anders“  (Remastered 2016) beginne. Augenblicklich spüre ich aufkommende Begeisterung, denn was die AZ60 an Klangleistung erbringen, ist richtig stark.

Dank der wie erwähnt äußerst effektiven Geräuschunterdrückung kann ich, obwohl im Zug hörend, voll und ganz in der Musik versinken und mich vom beeindruckenden Sound vereinnahmen lassen. Die AZ60 präsentieren sich als absolut ausgewogen abgestimmte Kopfhörer, gut zu hören im Stück „Fanatisch“. Der sehr tiefe, leicht angezerrte Bass legt ein stabiles, zum mitgrooven animierendes Fundament, in den unteren Mitten klingt das E-Piano warm und weich. Die später einsetzende Mundharmonika und die Akustikgitarre fügen sich in den höheren Mitten brillant ein, ebenso wie die nur ganz leicht anstatt einer Hi-Hat rhythmisch geschlagenen Becken ohne jede Schärfe. Die AZ60 transportieren die ambivalente Atmosphäre des Stücks hervorragend: Der Sound umhüllt wie eine kuschelige Decke, Behaglichkeit möchte sich aber nicht vollends einstellen, da der aus der Perspektive eines Stalkers verfasste Text doch etwas Unheimliches hat. Der Detailreichtum der Wiedergabe fesselt über die gesamte Länge des Albums, in Stücken wie „Ich dreh mich um dich“ oder „Schmetterlinge im Eis“ beeindruckt die Darstellung der künstlichen Hallräume.

Der sehr gute räumliche Eindruck wird von Paul McCartneys Live-Platte „Good Evening New York City“ bekräftigt. Man bekommt einen realistischen Eindruck des Geschehens auf der großen Bühne in diesem riesigen Baseball-Stadion, mit Leichtigkeit kann man seine Aufmerksamkeit auf einzelne, ausgezeichnet zu lokalisierende Instrumente der Band legen.

Auch schnelle Impulse wie die rapide gespielten Töne der Bläser in „Uptown Funk“ meistern die EAH-AZ60 souverän. Die ganze Dynamik eines Orchesters (Tchaikovskys „Romeo + Julia“, Einspielung der Wiener Philharmoniker) wird mühelos und authentisch dargeboten.

Zu keiner Zeit sah ich mich veranlasst Gebrauch vom in der App enthaltenen EQ zu machen. Der Klang der neuen Technics TWS-Kopfhörer überzeugt in Grundeinstellung vollauf.

Fazit

Technics liefert mit den EAH-AZ60 ein rundum gelungenes, ausgezeichnetes Produkt. Die In-Ear Kopfhörer sehen klasse aus, bieten hohen Tragekomfort, eine äußerst effektive Geräuschunterdrückung und sehr gute Bedienbarkeit. Der Klang ist von beeindruckender Qualität, sowohl die Musikwiedergabe als auch die Sprachübermittlung betreffend. Die JustMyVoice Technologie funktioniert verblüffend gut und ermöglicht durch die zuverlässige Unterdrückung, teils Eliminierung der Umgebungsgeräusche ein deutlich entspannteres Telefonieren. Dazu sind die AZ60 auch noch 50 Euro günstiger zu haben als das letztjährige Premieren-Modell. Ein solch attraktives Gesamtpaket dürfte nur schwer zu übertreffen sein.

STECKBRIEF TECHNICS EAH-AZ60

Weitere Informationen

Gewicht jeweils 7 g (beide Hörer: 14 g) ; Ladestation: 45 g; Gesamt: 59 g
Preis 229 €

BAUWEISE/AUSSTATTUNG
Wandlerprinzip dynamischer 8 mm Treiber mit Biozellulose Membran
Bauweise geschlossen, In-Ear, True Wireless
Frequenzgang k. A.
Stecker/Kabel nein
Adapter USB-Ladekabel (Tyb C, 20 cm)
Impedanz k. A.
Bluetooth 5.2 – unterstützte Profile: A2DP / AVRCP / HSP / HFP
Reichweite bis zu 10 Meter
Audio Codec AAC / SBC / LDAC
Akkulaufzeit bis zu 7 Stunden mit ANC (bis zu 24 Stunden durch Aufladung im Ladegehäuse)
Akkuladezeit Hörer: ca. 2 Stunden; Ladecase: ca. 2,5 Stunden; Hörer mit Ladecase: ca. 3,5 Stunden (Quick-Charge-Funktion: 15 Minuten Aufladen = 70 Minuten Musikwiedergabe)
Zubehör Ladestation; USB-C-Ladekabel; Silikon-Ohrpassstücke in sieben verschiedenen Größen; Kurzanleitungen
Besonderheiten JustMyVoice Technologie Touchsensor-Steuerung; Dual-Hybrid-Noise-Cancelling-Technologie; Ambient Sound Mode; Headset-Funktion; MEMS-Mikrofone; Beamforming-Technologie; IPX4-Spritzwasserschutz (nur Ear-Buds); Quick-Charge-Funktion; kompatibel mit verschiedenen Sprachassistenten (Amazon Alexa, Google Assistant, Apple Siri); steuerbar via kostenloser „Technics Audio Connect“ App

BEWERTUNG TECHNICS EAH-AZ60

KLANG Punkte
Neutralität (2x) 85
Feinzeichnung (2x) 88
Impulsverhalten 88
Räumlichkeit 86
Dynamikverhalten 87
Basstiefe 88
TESTERGEBNIS
Klangqualität (50%) 86,9
Tragekomfort (25%) 87
Verarbeitung (15%) 88
Ausstattung + Bedienung (10%) 90
Testurteil 87,4
Preis-Leistung sehr gut
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