Tocotronic – Die Unendlichkeit

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„1993 war das Jahr, in dem ich nach Hamburg kam, in dem ich Kontakt aufnahm…“. Dies ist nun schon 25 Jahre her und seither stehen Tocotronic wie keine andere Band für das Genre der Hamburger Schule. Spätestens seit ihrem ersten Chart-Erfolg 1996 ist die Band um Sänger und Frontmann Dirk von Lowtzow aus der deutschsprachigen Indie-Szene nicht mehr wegzudenken.

Auf ihrem zwölften Studioalbum „Die Unendlichkeit“ machen Tocotronic eine Reise in die Vergangenheit und von Lowtzow erzählt uns beispielsweise davon, wie er 1993 die „Schwarzwaldhölle“ verließ um in die Großstadt zu ziehen. Aber er setzt auch schon früher an, so huldigt er in „Electric Guitar“ den Anfängen seines Gitarrenspiels, den ersten Bettgeschichten und der Einöde der Provinz. „Ich drücke Pickel, vor dem Spiegel, Manic Depression im Elternhaus, Ich gebe dir alles und alles ist wahr, Electric Guitar“. Diese und weitere Lyrics scheinen einen förmlich einzusaugen, sodass die Musik sekundär erscheint und hinter den Texten verschwimmt. Dennoch haben die Musik und die Kompositionen der Platte einiges zu bieten. „Bis uns das Licht vertreibt“ klingt poppig mit teilweise alten Police-Anleihen und in „Unwiederbringlich“ wird mit Mallets und Holzbläsern ein fast progressiver 70er Jahre Sound erzeugt.

Das Spiel der Band hat nach wie vor ganz klaren Garagen-Charakter. Es ist nicht perfekt und soll es auch nicht sein, sondern den Lyrics dienen und sie maximal unterstützen. Der Drumsound der Platte klingt meist trocken und klein, nicht untypisch für eine Produktion von Moses Schneider, der seit 2005 mit der Band zusammenarbeitet und ansonsten für seine Zusammenarbeit mit etwa den Beatsteaks und AnnenMayKantereit bekannt ist. Dafür wird an Räumlichkeit bei der Stimme nicht gespart. In einigen Stücken scheint sie fast im Hall zu ertrinken, allerdings stilistisch immer passend und eben nur fast. Natürlich dürfen die typischen Indie-Gitarren, die teilweise Surf- und Westernartig daherkommen, nicht fehlen.

„Die Unendlichkeit“ ist kein Album, welches man sich wegen den zahlreichen musikalischen Raffinessen anhört. Es ist die Lyrik die verzaubert, von Lowtzow kreiert auf dem Album eine nostalgische Stimmung, die uns in eine Zeit zurückversetzt, die noch ohne Handys, Internet und Social Media klarkam. Bei der ein oder anderen Textzeile wird uns ein Schmunzeln entlockt und wir wünschen uns ein Stück dieser Zeit zurück.

BEWERTUNG TOCOTRONIC – DIE UNENDLICHKEIT

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 6
So testet und bewertet mobilefidelity magazin.