The Wallflowers – Exit Wounds

Die Wallflowers – als Band-Projekt um Sänger und Gitarrist Jakob Dylan, Sohn von Bob Dylan, Ende der 1980er Jahre gegründet – hatten Mitte der 1990er Jahre mit „One Headlight“ ihren bislang größten Hit. Die Truppe aus Kalifornien durchlief mittlerweile einige Wechsel, Jakob Dylan ist das einzig konstante Mitglied. Neben den Veröffentlichungen der Gruppe, die zwischen Songwriter- und Alternative Rock pendelten, brachte der 51-jährige Dylan auch zwei Solo-Alben heraus, die noch mehr in Richtung Americana und Country gingen. Der aktuelle Wallflowers-Release „Exit Wounds“ markiert das siebte Album der Band, neun Jahre nach dem Vorgänger „Glad All Over“.

Zwischen Wortspielen, Alternative-Rock und Americana-Ballade

“Maybe Your Heart’s Not In It No More” eröffnet typisch für frühere Wallflower-Songs: Eine leicht „angeschunkelte“ Midtempo-Number mit kräftiger, bedämpfter Snare-Drum, umwoben von Slide-Gitarren-Einlagen, einem sanften Klavier- und Synth-Nebel, dazu Akustikgitarren-Picking mit Banjo-Flair. Darüber rezitiert Dylan in gewohnt bräsiger Sprechgesang-Phrasierung über Veränderung von Menschen, Zielen und Motivationen, teils mit treffsicheren Punchlines („There’s no one left, you can lower your sword / You’re the only one showing up for the war”) – ein Anspieltipp. Das leichtfüßige, gutgelaunte „Roots And Wings“ kreuzt Stones-Flair mit Country, was ebenso gut funktioniert. Die Uptempo-Nummer „I Hear the Ocean (When I Wanna Hear Trains)”, ebenfalls mit Klavier, Percussion, Akustikgitarre und rauen E-Gitarren-Riff-Einwürfen umgesetzt, wirkt hingegen harmonisch vorhersehbar und beliebig. Das rockige „The Dive Bar In My Heart“ ist textlich mit Wortspielen überladen: Die Phrasierung kämpft gegen den Fluss an, was dem Hörer das Folgen erschwert – rein melodisch geht das Stück angenehm ins Ohr. Hier kommt zudem die Alterung von Jakob Dylans Stimme zum Vorschein, die ausgehaltenen Worte klingen rauer und schwermütiger als früher. Die Ballade „Darlin‘ Hold on“ bindet noch mehr die Country-Stilistik von Dylans Soloalben mit ein – die Instrumente füllen den weiten Raum des Stücks, darunter wunderbar zurückhaltend gespielte Drums und geschmackvolle Gitarren-Licks. Die oft verwendeten Harmonien, verbunden mit dem schmachtvollen Titel, ergeben einen knappen Balance-Akt zwischen zeitlosem Americana-Anspruch und Kitsch. Dass das trotzdem funktioniert und mit den Höhepunkt des Albums darstellt, liegt auch an der gefühlvoll und berührend eingebrachten Duettstimme von Shelby Lynne.

Experimente mit Latin- und Gospel-Einflüssen

„Move The River“, mit abgestoppter, verhallter Gitarre, versetztem Schlagzeug-Rhythmus und vereinzelten Castagnetten erinnert an eine Mischung aus 1960er-Jahre-Soul- und Gospel-Flair, Latin-Elementen und Sheryl Crows frühe Rock-Produktionen. Das erscheint in der Form neu und unverbraucht, lädt zum Hinhören in die Geschichte um Verlorenheit und Zerrissenheit ein – nur der allzu gradlinige Wechsel im Refrain irritiert im ersten Moment, ebenso wie eine ausgedünnte „Dub-Strophe“ mit knalligem Tom-Schlagzeug. Im Refrain blüht im Hintergrund kurz eine singende Mark-Knopfler-artige Strat auf, die ebenso unvermittelt wieder verschwindet – und schließlich endet die Nummer überraschend abrupt. Am Ende bleibt unklar, in welche Richtung die Produktion den Song eigentlich ziehen wollte, das Ergebnis scheint trotz guter Ideen mehr ein aneinander gereihtes Gerüst ohne roten Faden; das wird dem vielversprechenden Potenzial nicht gerecht. Das langsame „I’ll Let You Down (But I Will Not Give You Up)” bleibt im Soul-Flair, mit angenehmer Hammond-Orgel und Gitarren-Licks à la Steve Cropper. Die interessanten Harmonien, die sich Serpentinen-artig durch die Strophe schlängeln, gibt Dylan allerdings im Refrain zugunsten allzu glatter Harmonien und Phrasierungen auf. Im Gegensatz zu „Darlin‘ Hold On‘“ wird dabei die Kitschgrenze deutlich aufgeraut. „Who’s That Man Walking ´Round My Garden“ ist als schräge, flotte Indie-Rock-Nummer mit Südstaaten-Atmosphäre und Boogie-Woogie-Klavier – das „reibende“ Ergebnis geht ins Ohr, Dylans Phrasierung des mit Ironie und Sarkasmus angehauchten Textes hat Schlagkraft – ein weiterer Höhepunkt. Mit „The Daylight Between Us“ schließt eine verhallte Ballade die zehn Songs. Dabei fallen vor allem die gelungen melodischen Gitarren-Licks auf, das Stück hätte wohl noch einen Hauch langsamer und getragener ausfallen können, um den ausladenden Text weniger „atemlos“ zur Geltung kommen zu lassen.

Solider Klang mit teils deutlicher Kompression

Rein vom Songwriting ist „Exit Wounds“ interessant, die Umsetzung bleibt teils zwiespältig: Die Textphrasierungen „überladen“ vereinzelt die Stücke, statt wirklich „runder“ Arrangements will die Produktion teils mit starker Kompression musikalisch konkurrierende Elemente „zusammenziehen“: Bis auf „Darlin‘ Hold on“ wirkt das Schlagzeug zusammengepresst, die ausklingenden Phrasierungen Jakob Dylans stark geplättet, wodurch die textlastigen Stücke noch mehr vom Gesang überlappt werden. Einzelne Instrumente und Hallfahnen sind gelungen im Panorama verteilt, die Gesamtbalance des Klangs lässt hingegen zu wünschen übrig: Das äußert sich durch eine unangenehme Betonung in den Hochmitten (etwa durch zischenden Hihats hörbar), dazu latent belegte Höhen und fehlende Tiefbässe. Zusammen mit der recht „lauten“ Produktion ist das Album etwas unangenehm zu hören. Das kann die Band besser: Wie eine vergleichsweise gelungene ausbalancierte, modern komprimierte Rock-Produktion klingen kann, hatten die Wallflowers mit dem 2000 erschienen Album „Breach“ gezeigt.

THE WALLFLOWERS – EXIT WOUNDS

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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