The Saxophones – Eternity Bay

Das kalifornische Songwriter-Folk-Projekt The Saxophones um Alexi Erenkov und dessen Frau Alison Alderice hat mit „Eternity Bay“ sein zweites Album veröffentlicht. Der Bandname übrigens, so die Band, sei nur halb ernst gemeint und entstanden, nachdem Erenkov – seinerzeit ein desillusionierter Jazz-Student – das Instrument gerade aufgegeben habe. Ein Debüt-Album und eine EP folgten, die jeweils ruhige Folk-Songs mit Doo-Wop-Einflüssen im Retro-Gewand präsentierten, samt Erenkovs Crooner-Stimme.

The Saxophones: Trance-Folk mit Crooner-Stimme

Hier setzt „Eternity Bay“ an: Mit „Lamplighter“ eröffnet ein eingängiger, ruhiger und langsamer Pop-Song mit 1960er-Jahre-Anklängen das Album. Der intelligente, leicht schräge Text über Versuchungen und schlicht Liebe wird durch Erenkovs meditative, hypnotische Stimme vorgetragen. Diese ist durchweg in Federhall getaucht. Der Song wird durch warme Vibraphonklänge und spaghettidürren E-Bass von Mitmusiker Richard Laws eingerahmt, dazu die Drums von Alderice. Das trägt – zusammen mit einem romantisch verhallten Saxofon – angenehm schwebend durch den Raum. 

„New Taboo“ ist noch einmal etwas meditativer gehalten: Zurückhaltendes Schlagzeug, dazu mehrstimmige verhallte Querflöten, ein teils melodisches E-Bass-Riff und mindestens ebenso hypnotische Background-Vocals von Alison Alderice, die Erenkov ideal ergänzen. Das erinnert an die tragende Atmosphäre etwa der Twin- Peaks-Titelmelodie von Angelo Badalamenti. Gleich die ersten zwei Songs stellen Höhepunkte dar, ebenso wie der dritte:

Ideal für Corona-Cocooning

„Forgot My Mantra“ ist mit einem sanften Gitarren-Picking und Querflöten noch einmal gleichförmiger und ruhiger gehalten; wie geschaffen für positive Stimmung beim Cocooning auf der Couch im Rahmen der Corona-Isolation. Auch bei „Take My Fantasy“ bleibt der Retro-Gesangshall an, wie auf dem gesamten Album: Eine kurze Piano-Melodie deutet Latin-Einflüsse an, dazu interessante, unaufdringliche Trommel-Rhythmen. Ansonsten bleibt alles wie gehabt – wie eine ruhige Bootsfahrt an einem lauwarmen Sommertag, die vor sich hin plätschert, aber am besten nie enden sollte. Die Songs schleichen sich dabei langsam in den Gehörgang, ohne sich abzunutzen. 

„Anymore“ bietet einen weiteren, eingängigen Song mit hervorragender Refrain-Melodie, die durch E-Gitarre und Querflöte unterstrichen wird – ebenso ein Highlight. Rhythmisch bringt Alderice dezente Latin-Rhythmen ein.

Der Titelsong schließt das gerade einmal 33 Minuten lange Album und stellt am Ende nun wirklich den absoluten Höhepunkt dar, mit tollen harmonischen Verläufen, die den Hörer unerwartet aus der wohligen Lethargie reißen.

Die Vorgänger-Produktionen waren zwar atmosphärisch angenehm, aber Songwriting und Arrangements erschienen im Vergleich zum neuen Material eintöniger. Auf „Eternity Bay“ bietet die Band Songwriting auf höchstem Niveau – was insbesondere das rhythmisch abwechslungsreiche In- und Outro von „Lamplighter“ zeigt, oder das harmonisch untypische Ende von „New Taboo“. Das bewahrt die Songs bei aller beruhigenden Gleichförmigkeit vor Langeweile. Dazu unterstreichen gerade Vibraphon, Gitarre und die vereinzelten Synthesizer die träumerische Atmosphäre. Auch der Ansatz selten ‚traditionelle‘ Drums zu spielen verleiht den Songs einen unkonventionellen Blickwinkel.

„Eternity Bay“ – Ein außergewöhnliches Retro-Album

Klanglich schaffen The Saxophones den Spagat, einerseits ein deutliches ‚Retro-Album‘ abzuliefern, das mit dunklen, gesättigten Klangfarben und gelegentlich leichtem Rauschen klar an die späten 1960er-Jahre erinnern will. Andererseits sind die einzelnen Signale plastisch wahrnehmbar, stehen praktisch ‚vor‘ dem Lautsprecher. Die Produktion zeigt, dass ‚Vintage-Sound‘ nicht zwangsläufig ‚verwaschen‘, ‚undefiniert‘ oder gar ‚dünn‘ bedeuten muss. Das Klangspektrum verzichtet auf unangenehme Höhen, die beispielsweise das Debüt noch aufgewiesen hatte. Klar, wirklich tiefe Bässe sind in dem Kontext nicht zu erwarten, lediglich die Bass Drum könnte zudem noch plastischer wahrnehmbar sein – ein leicht zu verschmerzender Kritikpunkt am Rande. Das Stereopanorama ist breit aufgefächert, mit teilweise extremen Positionierungen, ohne dabei aber seltsam zu wirken.

Mit dieser Geschlossenheit schaffen The Saxophones ein Album, das Songs, Produktion und Klang stimmig vereint – ideal zum Träumen für Herbst, Winter, Frühling, und Sommer vermutlich auch.

THE SAXOPHONES – ETERNITY BAY

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 10
Klang 9
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