The Killers – Pressure Machine

The Killers – Pressure Machine

The Killers – vor 20 Jahren in den USA gegründet – haben mit „Pressure Machine“ ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht. Das folgt nach nur einem Jahr auf den Vorgänger „Imploding The Mirage“. Das Indie-Pop/Rock-Quartett um Sänger, Keyboarder und Songwriter Brandon Flowers zeichnet damit ein Bild von Flowers‘ Heimatstädtchen Nephi in Utah – 6.000 Bewohner, in denen scheinbar jeder jeden kennt. Und trotzdem, oder auch deswegen, besitzen manche ein zweites Gesicht; Flowers erzählt in den Texten von Schicksalen zwischen Drogensucht, Betrug, häuslicher Gewalt und Selbstjustiz, ein Konzeptalbum um verschiedene Charaktere entstand.

Ambient-Folk-Pop mit Storytelling

Zu Beginn ein Kleinstadtpanorama: In „West Hills“ kommen einzelne Stimmen zu Wort, Schicksale, die von sich erzählen – ein Tonband wird vorgespult, dunkles Klavier mit Mandoline und Violine setzt ein. Das Konzept zieht sich durch die einzelnen Stücke, zunächst kommen die Charaktere zu Wort. Flowers‘ Gesang, der von einer Ehe aus Ich-Perspektive erzählt, ist verhallt und dunkel. Die minimalistische Atmosphäre erinnert zunächst an Springsteens „Nebraska“-Album, bis Schlagzeug und verhallte Synth-Sounds einsetzen. „Quiet Town“, mit Akustikgitarre, E-Bass-Melodie und Mundharmonika klingt wie eine Mischung aus Springsteen und The Cure. Flowers singt über oft gehörte Harmonien von Drogen und ihrem schleichenden Einzug in das Städtchen. „Terrible Thing“ ist wieder minimalistischer gehalten, mit Kopfstimmengesang und verhallten Atmosphären – das berührt und geht ins Ohr.

Zwischen Neil-Young-Erbe und Elektro-Pop-Sounds

Bei „Cody“ erinnern die Killers an Neil Young oder Tom Petty; das Charakterbild, das Flowers unter zurückhaltend-stampfenden Drums, Akustikgitarre und Piano zeichnet, erzählt von einem halbstarken Aufreißer, der zündelt und rebelliert, teilweise mit großartigen Zeilen beschrieben („Cody’s always got one on the line / He likes to walk ‚em by the wrist / He does his pulling with his eyes / He does his talking with his fists”) – musikalisch wie textlich ein Höhepunkt. „Sleepwalker“ klingt einen Hauch elektronischer, mit E-Drum-Sounds, Bass-Akkorden und unverhalltem Gesang: Hier erinnert die Band, verbunden mit Flowers‘ inbrünstigem Refrain, an frühere Killers-Alben. Gleichzeitig klingen die Melodien etwas abgenutzt und bleiben nicht wirklich hängen. Das Duett „Runaway Horses“ mit Phoebe Bridges mutet wiederum in Richtung Folk an: Atmosphärisch verhalltes Akustikgitarren-Picking, untermalt durch einzelne Streicher- und Piano-Farbtupfer. Bridges und Flowers harmonieren angenehm, das Stück vermittelt ungezwungene Empathie – ein weiterer Höhepunkt. „In The Car Outside“ ist elektronisch gehalten, mit dunkler Slide-Gitarre und leicht verstörenden Synth-Elementen. Das passt zur Story, die von den Problemen neu gewordener Elternschaft und verblichenen Träumen erzählt. Hier geht die Idee, die „frühere“ Killers-Popmaschinerie samt angedeuteter Reizüberflutung mit dem Kleinstadt-Storytelling zu verbinden, auf. „In Another Life“ ist wiederum akustischer, mit verhallten Gitarren – auch hier werden verpasste Chancen thematisiert. „Desperate Things“ ertrinkt hingegen fast im verhallten Pathos klarer E-Gitarren und des Klaviers, sowie in dem sehr süßlich vorgetragenen Text, der eigentlich tiefgründig ausfällt. Der Titelsong setzt auf Zwischentöne, erzählt vom hart arbeitenden Schicksal des Einzelnen, mit zartem Kopfstimmen-Refrain-Gesang. „The Getting By“ schließt die elf Stücke mit einer Akustikballade, die getragen klingt, sich allerdings auch ohne interessante Harmonien wie Kaugummi durch die dicht-hellen Hallfahnen zieht.

Effektgetriebener Retro-Klang

Mit „Pressure Machine“ setzt die Band einen interessanten Kontrapunkt zum Synth-Reizfeuerwerk der Vorgänger, die im Direktvergleich Aufmerksamkeit zu erheischen scheinen. Dafür schwingt das Pendel hier mitunter hin zu Effekthascherei aus: Die Stimme ist in den ersten Stücken dumpf abgebildet – wie in Watte gehüllt und von einem leichten Echo umgarnt. Das Schlagzeug klingt betont dunkel, vieles ist in schweren, bedeutungsschwangeren Hall getaucht. Bei „West Hills“ sind die Elemente überbreit im Panorama verteilt, was beim Hören irritiert. In anderen Stücken, etwa „The Getting By“ geht die Mischung aus stark verhallten Akustikgitarren und klaustrophobisch-trockenen Streichern atmosphärisch nicht auf. Insgesamt fehlen der trotzdem brauchbar hörbaren Produktion „greifbare“ Klänge. Brandon Flowers‘ tiefsinnige Texte blitzten bereits in der Vergangenheit auf. Bis auf einzelne Stücke findet das Songwriting – gerade auch wegen des Minimalismus – einen Höhepunkt. Der hätte wohl noch mehr davon profitiert, wenn Produktion und Sound sich weniger auf allzu plakative Elemente und mehr auf das reine Transportieren verlegt hätten. Wer sich beim Durchhören an den Spoken-Word-Intros der Charaktere stört – von denen unklar bleibt, ob sie authentisch oder nachempfunden sind – kann beim Download auch eine „Abridged“-Version erwerben, die direkt mit der Musik startet.

THE KILLERS – PRESSURE MACHINE

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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