The Jayhawks – Back Roads And Abandoned Motels

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Das Cover des zehnten Studioalbums „Back Roads And Abandoned Motels“ der bereits seit 1985 existierenden Alternative-Country-Band ziert ein Cover in ländlicher US-Gegend: Ein Auto mit zerbeulter Motorhaube im Dämmerlicht auf der Rückseite eines – mutmaßlich eher gering frequentierten – Apartment-Motels, dessen grünliche Neonröhren mit orangefarbenem Abendlicht konkurrieren. Die Abgeschiedenheitsromantik wirkt malerisch und leicht düster, sie erinnert an die Ästhetik des Künstlers Cregory Crewdson. Der angedeutete Verfall hat dann allerdings wenig mit dem Album selbst zu tun: Die Band widmet sich bis auf zwei Songs nur Material, das Sänger und Gitarrist Gary Louris für andere Projekte zusammen mit weiteren Songwritern schrieb.

Das erste Stück, „Come Cryin‘ To Me“ – ursprünglich von Natalie Maines veröffentlicht – wird hier als einer von zwei Songs von Keyboarderin Karen Grotberg gesungen. Das Ergebnis ist ein bittersüßer Pop-Song, beschwingt, mit Perkussion-Untermalung und Bläsersektion. Die Uptempo-Nummer „Everybody Knows“, ebenso wie „Bitter End“ zuvor von den Dixie Chicks veröffentlicht, klingt betont Radio-kompatibel mit erwartbaren Harmonien.

„Bitter End“ hingegen ist eine getragene, melodiöse Dreivierteltakt-Erzählung mit Piano und Geige und wirkt wie eine gelungene Saloon-Schunkelnummer – eines der Highlights. „Gonna Be A Darkness“, mit und für Jakob Dylan geschrieben, bietet einen weiteren Höhepunkt, eine ruhige Country-Folk-Ballade, die in Aufbau und Gesangsphrasierung an hervorragende Wallflowers-Stücke erinnert. Das restliche Material sortiert sich dazwischen ein, unter den beiden neuen Songs von Louris erweist sich die fast hymnische Ballade „Leaving Detroit“ mit Tremolo-Gitarre und dem Tiefgang der Entscheidungsfindung eines Abschieds als Highlight. Das passt wiederum zur Idee des Album-Covers eines rastlos Reisenden, mit dem eigenen Scherbenhaufen im Gepäck.

Bei allen Nummern macht sich die unterschiedliche Zusammenarbeit und das „Hinarbeiten“ auf den jeweiligen ursprünglichen Künstler bemerkbar. Umso spannender erweist sich daher die Interpretation der Jayhawks selbst, die teilweise interessante Schattierungen offenbart, bei eher schablonenhaft wirkenden Kompositionen hingegen naturgemäß keinen Mehrwert liefern kann. Klanglich ist „Back Roads And Abandoned Motels“ angenehm „unauffällig“ – das Album klingt schlicht gut hörbar, bis auf minimale Höhenbetonungen sehr ausgewogen, dynamisch und ohne hörbare Lautheitskompression. Das lässt die Musik im Vordergrund stehen.

BEWERTUNG THE JAYHAWKS – BACK ROADS AND ABANDONED MOTELS

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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