The Flaming Lips – American Head

Die psychedelisch-experimentelle Folk/Rock-Band The Flaming Lips existiert bereits seit 1983. Passend zu ironisch angehauchten Texten hat die Gruppe aus Oklahoma City durch ungewöhnliche Vermarktungs-Aktionen auf sich aufmerksam gemacht – beispielsweise mit acht Auftritten innerhalb von 24 Stunden. Zudem wurde ein 24-stündiger Song auf CD in einem menschlichen Schädel verkauft. Mit „American Head“ legt die siebenköpfige Truppe aus dem Mittleren Westen 2020 ihr 16. Studioalbum vor.

Verrückt-psychedelische Kleinode

„Will You Return/When You Come Down“ beginnt das Album mit leicht melancholischer, fast minimalistischer Akkordfolge, weitläufiger Klavier-Atmosphäre und mit AutoTune und Hall verfremdetem, sphärischen Gesang. Schließlich macht die Nummer auf, mit Glockenspiel-typischen Klangfarben, 1970er-Jahre-Akustikgitarre und kurzen, polternden Drums – das hüllt mit Retro-Effekten ein und macht Lust auf mehr. „Watching the Lightbugs Glow“ wird von kurzen Drums und E-Piano getragen, darüber sirenenhafter Frauengesang, der sich auf Laute statt Text beschränkt. Das Instrumental – mit E-Gitarren-Single-Notes und Streicher-Klängen erweitert – betört und führt tiefer in die psychedelische Klangwelt ein. „Flowers of Neptune 6“ klingt dann ähnlich fantasylastig, wie es der Titel vermuten lässt: mit Akustik-Akkorden, verfremdetem Gesang mit Echo-Response, träumerischen Synthie-Streichern, Hörnern, Klavier-Kaskaden à la frühen Bowie-Platten, dazu Weltraum-Hallfahnen.

The Flaming Lips liefern Folk-Synthie-Experimente mit absurden Einschlägen

„Dinosaurs on the Mountain“ lässt dann mit seinen flinken Synth-Pattern gefühlt erstmals 1980er-Jahre-Einflüsse in die Retro-Klangfarben einziehen, bevor kurz nach dem Intro wieder die gewohnte Stimmverfremdung samt Akustikgitarre, ballernden Drum-Hallfahnen und Bowie-Klangwelten Einzug halten – trotzdem fesselt die melancholisch-fröhliche Melodie. „Brother Eye“ kombiniert ein interessantes Synth-Pattern, Vocoder-Gesang und Akustikgitarre – wie eine Mischung aus Pink Floyd und Air. „Assassins of Youth“ bringt ähnliche Elemente in einer zunächst flinken Folk-Elektro-Nummer zusammen.

„At the Movies on Quaaludes“ wirkt – auch hier passend zum Titel – wie ein leicht absurder psychedelischer Trip aus Klavier, E-Piano und Synth-Sounds sowie verhallter Slide-Gitarre, bevor Drums und ein ausgeprägter Melodie-Bass einsetzen. „Mother I’ve Taken LSD“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, „You n Me Sellin‘ Weed“ bleibt hingegen absurd, mit allerlei Geräuschen und Sound-Effekten. Die Ballade „Mother Please Don’t Be Sad“ klingt vergleichsweise modern, mit direktem Piano, Hörnern, Streichern, fast loopartigen Drums, dazu einzelne Halleffekte. Hier steht mehr das Stück im Vordergrund, verglichen mit den ausufernden Klang-Atmosphären – ein Höhepunkt. „My Religion is You“ schließt die 13 Songs mit einer leicht düsteren, synth- und effektlastigen Ballade.

Klangbild zwischen Retro und verzerrten Effekt-Sounds

Wie schon in der Vergangenheit, tauchen die Flaming Lips auch bei „American Head“ tief in die Experimentkiste ein. Zeitweise verliert sich die Musik in den teils absurd-atmosphärischen Klangwelten, was – siehe Cover und Texte – die gewollte Wirkung darstellt. In anderen Momenten kombinieren die Flaming Lips 1970er-Jahre Psychedelic-Folk/Rock mit modernen Einflüssen. Die Produktion entscheidet sich dabei weder für ein hochwertiges noch konsequent trashiges Klangbild; wirklich plastisch greifbar und sortiert wahrnehmbar sind die Sounds nicht, dafür gelegentlich angezerrt. Einzelne Songs mögen als absurdes Theater gelten, das Album wirkt hingegen als entspannter Fluss: Hier zählt das Gesamtbild, passend zum suggerierten psychedelischen Trip – und das hüllt durchaus ein, etwa als gelungener Soundtrack zu einem milden Sommerabend.

THE FLAMING LIPS – AMERICAN HEAD

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 7
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