Steve Cropper – Fire It Up

Steve Cropper – Fire It Up

Der Begriff „Urgestein“ trifft auf den legendären amerikanischen Gitarristen Steve Cropper zweifellos zu: Ende der 1950er Jahre landete er im Studio des R&B/Soul-Labels Stax und spielte mit der Hausband Booker T. & The M.G.‘s Gitarre für alle Stax-Künstler – darunter Otis Redding, Sam and Dave oder Wilson Pickett. Mit Booker T. & The M.G.‘s hatte er selbst 1962 mit dem Instrumental-Evergreen „Green Onions“ einen Chart-Erfolg. Otis Reddings Klassiker „(Sittin‘ on the) Dock of a Bay“ schrieb er mit, ebenso Wilson Picketts „In the Midnight Hour“. Später produzierte er Alben der Jeff Beck Group oder von Tower of Power, war Teil der Blues-Brothers-Band und ging etwa mit Neil Young auf Tour. Mit „Fire It Up“ hat der heute 79-jährige ein R&B/Soul-Alben mit neuen Songs veröffentlicht.

Zeitloser R&B und Soul

Das Album eröffnet mit dem kurzen Instrumental „Bush Hog, Pt. 1“ in bester R&B/Soul-Manier: Ein leicht versetzter Beat, knackige Bläser-Stöße und eine tiefer gestimmte Tremolo-Gitarrenmelodie. Im Titelsong „Fire It Up“ – gesungen von Roger C. Beale, der mit seiner dunklen, manchmal leicht belegten Stimme ebenfalls die restlichen Gesangs-Parts der Platte übernimmt – kommen typische Cropper Melodie- Licks zur Geltung. Vor allem aber: Ein eingängiger Midtempo-Song, mit Funk-Gitarren, Blues-Harp- und Bläser-Einwürfen. Das klingt, als hätte das Erbe der 1960er und 1970er Jahre das kühl-sterile Zeitalter der 1980er Jahre folgenlos überstanden – ein Höhepunkt. Ähnlich gut: das nachdenkliche ruhige „One Good Turn“, das sich mit langsamem Rhythmus durch dezent-positive Stimmung pflügt, verbunden mit interessanten Harmoniewechseln. „I’m Not Havin‘ It“ wirkt wie gradliniger Funk, „Out of Love“ klingt nach entschlossen gespieltem Rhythm & Blues, der rückwirkend als Blaupause für die Commitments hätte dienen können. Eine kleine, aber bedeutende Abweichung im Blues-Schema sorgt für zusätzliche Reize. „Far Away“ eröffnet als typische R&B-Nummer, die im Refrain gelungen aufgeht – hier hört sich Beale dann tatsächlich gewöhnungsbedürftig knödelig an.

Die behutsame Neuerfindung von unverstaubtem Rhythm & Blues

Das langsame „Say You Don’t Know Me“ schiebt sich – wieder gelungen mit Cropper-Licks garniert – untrüglich nach vorne. So klingt Rhythm & Blues tatsächlich zeitlos frisch; ohne in allzu starren Blues-Formeln verhaftet zu bleiben, und ohne das mitunter fusselbärtige Konservieren vergangener Momente. Das gradlinige „Two Wrongs“ ist mit seinem durchgängigen Flow und der klaren Botschaft („Two Wrongs don’t make a Right“) noch am ehesten „klassisch“ gehalten. Das flotte „She’s So Fine“ besticht durch eingängige Licks, „The Go-Getter Is Gone“ verzettelt sich hingegen im leicht überfrachteten flinken Shuffle-Arrangement. Die 13 Stücke schließen mit zwei weiteren „Bush Hog“-Varianten, die – wie schon beim Intro – mit toll-zackigen Funk-Sounds und -Licks den Hörer für sich einnehmen.

Aufgeräumte Produktion

Die Produktion erscheint grundsätzlich hochwertig: Bläser, Hammond-Orgel und Gitarren sind stimmig im Panorama verteilt, sodass eine angenehme Sogwirkung beim Hören entsteht. Insgesamt bleibt die Abmischung allerdings leicht dünn, ohne deutliches Bassfundament. Zudem wirkt das Schlagzeuger mitunter wie ein  Fremdkörper im Mix, mit verschwommener Panorama-Aufteilung und dumpf-zischenden HiHats sowie einer undefinierten, manchmal überkomprimierten Snare (etwa bei „The Go-getter Is Gone“) – die sich nicht ganz mit dem Kontext verbinden will. Roger C. Beales Gesang erscheint mitunter hörbar stark mit Sättigung bearbeitet und klingt dumpf (etwa bei „Two Wrongs“), was der Performance Wucht und Tragfähigkeit nimmt, statt sie zu unterstreichen. Davon abgesehen: Croppers Album – das erste „eigene“ seit den 1980er Jahren – ist im besten Sinne gelungen, mit größtenteils interessanten Kompositionen. Klar, die Glorie der längst vergangenen Epoche lässt sich nicht erneut zünden. Das braucht es auch nicht, die Songs, verbunden mit Croppers musikalischen Beiträgen, sprechen schlicht für sich. Dass der Musiker bald 80 Jahre alt ist, merkt man der Scheibe zu keinem Zeitpunkt an – er spielt genauso leichtfüßig und selbstverständlich wie eh und je. Im Angesicht des Albumtitels gilt: Der Motor läuft rund.

STEVE CROPPER – FIRE IT UP

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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