Sheryl Crow – Threads

Mit ihrem aktuellen Album „Threads“ verknüpft Sheryl Crow die Fäden ihrer musikalischen Karriere zusammen mit musikalischen Vorbildern (etwa Keith Richards, Stevie Nicks, Willie Nelson, Kris Kristofferson, Emmylou Harris, James Taylor oder der posthum einkopierte Johnny Cash) und der nachfolgenden Musiker-Generation (darunter Gary Clark Jr.). Auch einzelne Cover-Stücke finden sich auf Crows elftem und letztem Longplayer.

Das Album startet mit der Country-Pop-Nummer „Prove You Wrong“, zusammen mit Stevie Nicks und Maren Morris gesungen. Der eingängige Song wird mit peitschendem Akustikgitarren-Rhythmus, angecrunchten Gitarren-Licks und kräftigem Schlagzeug dargeboten. Die treibende Produktion scheint auf zeitgemäßes Country-Radio-Format getrimmt. „Live Wire“, mit Bonnie Riatt und Mavis Staples aufgenommen, erweist sich als Gospel-Blues-Stück in New-Orleans-Rhythmik, mit urigen E-Gitarren-Licks, dazu Bonnie Riatts typische Slide-Sounds.

„Tell Me When it’s Over“, ein Duett mit Chris Stapleton, kombiniert den stoischen Groove in Richtung „My Favourite Mistake“ mit E-Gitarren-Akkorden samt Slapback-Delay, zurückhaltender Hammond-Orgel und die angedeutete Soul-Ästhetik von Crows „100 Miles from Memphis“-Album. Der Song geht zaghaft, aber nachhaltig ins Ohr – ein Anspieltipp.

„Story of Everything“, mit Rapper Chuck D, Andra Day und dem Gitarristen Gary Clark Jr., bildet einen gelungenen Stilbruch: Der sozialkritische Song mit bluesiger Rhythmusgitarre wird von Produzent Steve Jordan mit Hip-Hop-Ästhetik übermittelt. Mit dem eingängigen Refrain – herrlich unterlegt durch ein so zurückhaltendes wie interessantes Gitarren-Riff von Audley Freed – wirkt der Song trotz und wegen des Hip-Hop-Gewands zeitgemäß und zugleich zeitlos. Lediglich die Wahwah-Sologitarre und die Streicher stehen sich im Arrangement gegenseitig etwas auf den Füßen. „Beware of Darkness“, ein George-Harrison-Cover, singt Crow gemeinsam mit Sting und Brandi Carlile. Die Leadgitarre spielt als Gast Eric Clapton, mit geschmackvollen Licks in Leslie-Klangfarben, teils untermalt von Pedal-Steel-Texturen.

„Redemption Day“, eine Neuaufnahme von Crows 1996 veröffentlichter Ballade, ist hier mit stellenweiseleicht dissonantem Piano und Streichern arrangiert, im Duett mit Johnny Cash. Dessen Gesangsspur entstammt seiner Anfang der 2000er-Jahre aufgenommenen Cover-Version. Das funktioniert technisch gut und erzeugt allein schon aufgrund Cashs posthumer stimmlicher Präsenz Gänsehaut – gleichsam wirkt das neue Arrangement mit den Streichern etwas ‚aufeinandergeschichtet‘, fließt weniger automatisch zusammen, auch Sheryl Crows Gesangs-Performance wirkt stellenweise betont genuschelt.

Bei „Cross Creek Road“, einer Country-Americana-Nummer, findet sich eine Besonderheit: Auf der CD- und Digital-Version singt Crow im Duett mit Lukas Nelson, auf der Vinyl-Ausgabe mit Margo Price. In beiden Abmischungen steuert Neil Young atmosphärisch interessante Gitarren-Licks bei. Der Rolling-Stones-Song „The Worst“, im Original von Keith Richards gesungen, erhält durch Crows Gesangsinterpretation – freilich im Duett mit Richards – neue, traurig-schöne Facetten – ein weiteres Highlight.

„Border Lord“ mit Kris Kristofferson erscheint als schwergängige Country-Midtempo-Ballade. Manche Songs wirken wie Dreingaben, etwa das Bob-Dylan-Cover „Everything is Broken“ oder das gut performte, aber leicht vorhersehbare „Lonely Alone“, mit Willie Nelson dargeboten. Das flinke, belanglose „Still the Good Old Days“ mit Joe Walsh wirkt, ähnlich wie der erste Song, wie ein bewusster Versuch, ins US-Formatradio zu gelangen. Berührend hingegen: das Duett „Nobody’s Perfect“ mit Emmylou Harris, das mit Akustikgitarre, Tremolo-E-Gitarren-Licks, Pedal-Steel-Gitarre und Besen-Snare grob an Mark-Knopfler-Songwriting erinnert.

Das Klangbild verändert sich über die Songs hinweg stark, bleibt dabei aber auf sehr hohem Niveau: Wirkt der Opener „Prove You Wrong“ noch sehr knallig und poppig, gleichsam gut, kommt „Live Wire“ angenehm voll und unprätentiös daher. Das zeigt auch die Bandbreite, innerhalb welcher sich die einzelnen Songs klanglich bewegen: Dicht, mit deutlicher Sättigung in vielen Vocals und komprimierter Klangästhetik. Trotzdem knüpft das Album stellenweise an die beiden Alben „Sheryl Crow“ und „The Globe Sessions“ aus den 1990er-Jahren an, praktisch Klang-Maßstäbe im Sheryl-Crow-Universum.

Minimale ‚Eintrübungen‘: Der Flügel bei „Redemption Day“ und „For the Sake of Love“ schält sich leicht seltsam aus dem Stereobild, Gitarren klingen bei anderen Songs übermäßig breit im Panorama aufgezogen, sodass die Phasenstabilität zu verschwimmen scheint. Bei „Flying Blind“ zischt der Snare-Besen leicht irritierend – allesamt verschmerzbare Details in einem ‚stabil‘ und voll klingenden Album, das sich nicht (nur) um Zeitgeist schert, sondern vor allem um guten Klang.

BEWERTUNG SHERYL CROW – THREADS

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 8
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