SEEED – BAM BAM

SEEED melden sich nach sieben Jahren mit einem neuen Album namens „BAM BAM“ zurück. Das Berliner Kollektiv weiß zwar nach wie vor mit dicken Beats und Bass den Schuppen einzureißen und Themen mit einem Augenzwinkern anzugehen, trotzdem trägt ihr neuestes Werk auch einen melancholischen Schleier.

„This is SEEED…“ läutet Frank Dellé das mittlerweile fünfte Studioalbum der Berliner in guter alter Manier ein und ein wohlig-warmer Schauer läuft einem über den Rücken, so als wäre alles wie immer und nie weg gewesen. Dabei ist „BAM BAM“ das erste SEEED-Album seit sieben Jahren, der erste rein deutschsprachige Longplayer der Band und gleichzeitig die erste Platte ohne Sänger Demba Nabé, der im Mai 2018 im Alter von nur 46 Jahren starb und den Rest der Band sowie die Fangemeinde fassungslos zurück ließ. Aus dem Front-Trio wurde ein Front-Duo und die einst elfköpfige Mannschaft steht plötzlich mit einem Stürmer weniger da.

So wundert es wenig, dass das neueste Werk der Band immer wieder – mal subtil, mal unüberhörbar – auch einen melancholischen Schleier trägt. Der Opener „Ticket“ ist Nabé gewidmet und legt Zeugnis davon ab, wie man Dankbarkeit, Trauer, Hoffnung, Abschied und Aufbruchsstimmung auf fantastische Weise in einem Song vereinen kann. Ein edel gezupftes cleanes Gitarren-Lick trifft auf einen treibenden Afro-Beat-Groove, gewürzt mit coolen Synthie-Brass-Einwürfen. „Die Sonne kommt, es geht von vorne los“, heißt es im Refrain, der den Kreislauf des Lebens symbolisiert – schöner hätte man den langjährigen Weggefährten sicher nicht verabschieden können.

Partyfaktor vs. Schwermut

Trotz allen Schwermuts haben SEEED den Witz und die Leichtigkeit früherer Tage aber keinesfalls verloren und es nicht verlernt Themen mit einer gewissen Ironie und einem Augenzwinkern anzupacken. Bei der Single „G€ld“, einem protzig-dekadenten Dancehall-Brett, steht der Partyfaktor klar im Vordergrund. Und auch das mit Trap-Beat unterlegte „Sie ist geladen“ feat. Nura sorgt mit seiner locker-lässigen Attitüde für den einen oder anderen Lacher. Der schleppende One Drop „Komm in mein Haus“ mit seinen verhallt-peitschenden Offbeat-Gitarren und den feinen Brass-Lines wirkt hingegen wie eine moderne Lee „Scratch“ Perry-Aufnahme aus dem Black Ark Studio, während SEEED bei der Single „Lass sie gehn“ klassischen Reggae um Hip-Hop- und Trap-Elemente erweitert und einmal mehr beweisen, dass ihnen Genre-Grenzen völlig fremd sind.

Heavy Sound und dicke Bässe

SEEED stand schon immer für einen Wiederkennungswert in puncto Sound und Klangqualität. Auch „BAM BAM“ spielt hier in der Champions League und geht in Sachen Produktion keinerlei Kompromisse ein: Der Bass schiebt, wummert, drückt und legt das Fundament. Die Beats – egal ob live eingespielt oder aus der Dose – pumpen, kicken; gehen durch Mark und Bein. Irrwitzige Sounds schwirren quer durchs Panorama und wirken frisch und innovativ. Die Stimmen sind klar, und Dub-Effekte werden gezielt eingesetzt, um neue Klangebenen zu erschaffen. Auch wenn sich manch ein Track des neuen Albums an das Muster aktueller Pop-Produktionen anlehnt, gelingt es SEEED immer alle Fäden in der Hand zu behalten und authentisch zu bleiben.

SEEED rocken wie eh und je – live wie auf Platte

Dass die Berliner Kombo darüber hinaus auch nach jahrelanger Abstinenz noch ein Garant für eine bombastische Live-Shows ist, stellten sie erst kürzlich auf der Tour zum Album unter Beweis: Volle Clubs und Hallen, ein Ticketboom und mehrere Zusatzshows sprechen eine deutliche Sprache. Allein in Köln füllten die Hauptstädter die LANXESS arena gleich viermal bis auf den letzten Platz und zeigten damit eindrucksvoll, dass sie es mühelos schaffen, den heavy Plattensound auf die Bühne zu transportieren und Menschen generationsübergreifend zu begeistern. Bleibt nur zu hoffen, dass „BAM BAM“ kein Abschiedswink war und es bis zum nächsten Album keine weiteren sieben Jahre dauern wird…

SEEED – BAM BAM

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 9
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