Robert Plant – Digging Deep: Subterranea

Speziell nach der ursprünglichen Auflösung von Led Zeppelin 1980 nach dem Tod von Drummer John Bonham veröffentlichte Sänger Robert Plant mal solo, mal mit anderen Musikern in regelmäßigen Abständen Alben, angesiedelt zwischen Rock, Blues oder Folkrock mit World-Music-Einflüssen.

In den letzten Jahren unterhielt Robert Plant eine Podcast-Serie namens „Digging Deep“, bei der er Komposition und Aufnahme seiner Solo-„Abenteuer“ thematisierte, samt unveröffentlichtem Material. Passend dazu wurde nun eine Doppel-CD veröffentlicht, als Zusammenstellung von Musik seiner Karriere nach Led Zeppelin. Darauf sind unter anderem gemeinsame Songs mit Jimmy Page, Phil Collins, Nigel Kennedy, Patty Griffin, Buddy Miller und Richard Thompson enthalten.

Robert Plant zwischen World Music und teils eindimensionalem Rock

Das erste Stück, „Rainbow“ (vom 2014er-Album „Lullaby And … the Ceaseless Roar“), verbindet World-Music-Percussion mit grundtöniger, cleaner E-Gitarre und Fretless Bass – die Harmonien erscheinen zwar oft gehört, dennoch hüllt das Ergebnis angenehm ein. Das rockige wie eingängige „Hurting Kind (I’ve Got My Eyes on You)“ von der 1990er-Platte „Manic Nirvana“ war ein Single-Hit für Robert Plant. Die Aufnahme schwankt dabei zwischen einer synthetisch anmutenden 1980er-Jahre-Produktion (etwa bei effektlastigen Drum-Sounds) und der direkten, verzerrten Gitarrenlinie, die den Rockröhren-Gesang von Robert Plant unterlegt. Insgesamt bleibt der Song allerdings eindimensional und eher farblos – Kontraste und Vielschichtigkeit, um die Aufmerksamkeit des Hörers über die gesamte Länge beizubehalten, fehlen.

„Shine it All Around“ vom 2005er Album „Mighty ReArranger“ wirkt eindrucksvoller: Mit rauen, gesampelten Drums, erdigen Bassmelodie-Einwürfen, dynamisch reizvollen Synthesizern und sortierten E-Gitarren-Einwürfen bleibt der Song mit gelungenen Spannungsbögen hängen. Das 1987 veröffentlichte „Ship of Fools“ spiegelt dann wiederum 1980er-Jahre-Ästhetik wider, mit glasklaren Strat-Sounds und Synthie-Streichern. Zu der dezenten Drum-Computer-Percussion gesellen sich später wuchtige Rock-Drums, welche die verhallte Balladen-Stimmung durchbrechen, was das Stück umso interessanter macht. Im Arrangement erinnert der Aufbau grob an „Stairway to Heaven“. Ähnlich mutet „Like I’ve Never Been Gone“ an: 1982 auf dem ersten Soloalbum von Robert Plant veröffentlicht, klingt die Komposition stimmig und interessant, Performance und Sound knüpfen an Robert Plant als Hardrock-Sänger zu „Stairway“-Zeiten an – ein Anspieltipp.

„Heaven Knows“, 1988 veröffentlicht, bleibt hingegen ein Relikt seiner Zeit und strapaziert aus heutiger Sicht die Grenzen guten Geschmacks, mit kalten E-Drum-Sounds, sterilen Streichern, glatt-singender Leadgitarre und verhalltem Chor – vor allem aber mit einer merkwürdig erzwungen wirkenden Komposition. Die 1990er Rock-Ballade „Anniversary“, mit hupend-gleißenden Synthesizer-Sounds, dazu ungewollt bedrohlich-plastischen E-Drums, taugt auch eher als Hardrock-Karikatur. 

Erdige Blues-Erzählungen und …

Die getragene Blues-Nummer „Nothing Takes the Place of You“, die Robert Plant 2013 für den Film „Winter in the Blood“ aufnahm, ist erstmals auf der neuen Compilation verfügbar. Der Song stellt ein Cover dar, das Original stammt aus den 1960er-Jahren vom Musiker Toussaint McCall. In seiner Langsamkeit wirkt die Plant-Performance schwergängig. Sie reißt dank der unaufdringlichen melancholischen Stimmung. Die entsteht indes durch absolut geschmackvolle Gitarren-Lick-Antworten auf Plants Gesang und die leicht beunruhigend-flott schwebende Hammond-Orgel, dazu langsam-polternde Drums und energetische Upright-Piano-Einwürfe – ein Höhepunkt der Zusammenstellung. Ebenfalls interessant: das Cover der 1969er The-Youngbloods-Nummer „Darkness, Darkness“, das als Folk/Rock-Ballade mit gelungenem Arrangement gut unterhält.

Die grundtönige, langsam stampfende Bluesrock-Nummer „Charlie Patton Highway (Turn it up – Part 1)“, die bislang unveröffentlicht ist und auf dem kommenden Album von Plants seit 1978 mit Unterbrechungen existierenden „Band of Joy“ enthalten sein soll, unterhält aufgrund der rauen, dynamischen Instrumentierung, während das Stück selbst über die Länge leicht monoton anmutet. Die Ballade „Dance with You Tonight“, 2017 veröffentlicht, fällt durch eine erdige Grundstimmung aus tiefen Tom-Rhythmen und E-Gitarre auf, lediglich der Refrain kratzt gefährlich nah an der Kitschgrenze. Reizvoller: „Satan, Your Kingdom Must Come Down“. Dieses traditionelle Spiritual coverte Robert Plant mit seiner Band of Joy 2010. Das offene Arrangement aus Banjo und dunkler E-Gitarre, dazu Plants ergreifend-dezente Verkörperung der Erzählerfigur durchdringen beim Hören – ein weiterer Anspieltipp.

Mit „Too Much Alike“, der dritten bislang unveröffentlichten Nummer, covert Robert Plant im Duett mit der amerikanischen Singer-Songwriterin Patty Griffin einen langsamen Rockabilly-Klassiker von Charlie Feathers. Die Performance verbleibt jedoch scheinbar in dem Wunsch, eine Hommage an die 1950er-Jahre zu liefern und wirkt vor allem im dunklen Timbre von Plants Interpretation und der betont „Vintage-lastigen“ Produktion stellenweise übertrieben altmodisch – wenngleich die Gitarren-Licks atmosphärisch beeindrucken. Überzeugender erscheint dagegen die ebenfalls „Retro-orientierte“ Band-of-Joy-Performance des Country-Klassikers „Falling in Love Again“.

Insgesamt geben die 30 Stücke auf dem neuen Album von Robert Plant einen guten Einblick auf dessen Schaffen abseits von Led Zeppelin. Hier liegen  Licht und Schatten oft genug dicht beieinander, sowohl beim Songwriting als auch bei der Produktion. Größtenteils überzeugen dabei die raueren, erdigeren Produktionen der letzten zwei Jahrzehnte, neben früheren Kompositionen wie „Like I’ve Never Been Gone“. Ergebnisse anderer Veröffentlichungen – wie etwa das erfolgreiche 2006er-Duett-Album mit Alison Krauss oder die 1994er-Veröffentlichung „No Quarter: Jimmy Page and Robert Plant Unledded“ im Rahmen der MTV-Unplugged-Serie, wurden hier nicht berücksichtigt.

… voller Klang – besonders bei den neueren Stücken

Durch den groben ästhetischen Wechsel der einzelnen Produktionen über die Jahrzehnte hinweg bleibt es naturgemäß ein Ding der Unmöglichkeit, alle Stücke auf ein ähnliches Niveau zu heben. Frühere Produktionen („Anniversary“) bleiben teilweise dünn und zweidimensional in den Einzelklängen, andere erscheinen verhältnismäßig brauchbar produziert („Ship of Fools“, „Like I’ve Never Been Gone“). Neuere Produktionen sind plastischer aufgenommen, allerdings mitunter im Stereobild diffus breit verteilt („Falling in Love Again“).

Der klangliche Höhepunkt entspricht dem musikalischen: „Nothing Takes the Place of You“ nähert sich mit seiner Klangfülle, Ortbarkeit und der einhüllenden Mischung einer 10. Unabhängig von der Tiefenstaffelung des unterschiedlichen Ausgangsmaterials schafft es das Remastering der Compilation, trotzdem ein gut durchhörbares, klares Klangbild zu bieten. Wo möglich, wird ein kräftiges Fundament geboten. Auf betonte Lautheit oder starke Kompression (fernab gewünschter Klangästhetik) wurde verzichtet, was gerade den Folkrock- und Blues-lastigen Stücken mit größerem Dynamikbogen zugutekommt.

ROBERT PLANT – DIGGING DEEP: SUBTERRANEA

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 8
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