Richard Ashcroft – Natural Rebel

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Mit „Natural Rebel“ hat der ehemalige The-Verve-Frontmann Richard Ashcroft sein sechstes Soloalbum veröffentlicht. Er findet zu einer eigenen Form, die er bisher in seiner Solo-Karriere kaum erreicht hatte.

Bislang waren Ashcrofts Alben qualitativ gemischt, besonders gemessen an seiner früheren Britpop-Band: Das, was The Verve groß gemacht – gelungene Melodien in Atmosphären zu verpflanzen, sich Raum und Zeit zu lassen – fehlte Ashcroft fast durchweg, ebenso das Zusammenspiel mit Verve-Gitarrist Nick McCabe.
Die erste Solo-Single von Ashcroft, „A Song For The Lovers“, stand dann auch symptomatisch für Ashcrofts erste Herangehensweise: Ein guter Song, allerdings in zu opulentem Arrangement erstickt, und ambitioniert schnell gespielt – wie jemand, der mit überhöhtem Blutdruck durch sein Leben hetzt. Ashcroft wurde später etwas ruhiger, allerdings blieb seine Musik eher Baustein-artig arrangiert, im Gegensatz zum „Aus einem Guss“-Gefühl der Alben seiner früheren Band – lediglich sein zweites Solo-Album „Human Conditions“ machte einen harmonischen Eindruck, schien allerdings teilweise wie eine The-Verve-Kopie. Diese hatten zwischendurch wieder zusammengefunden, dort blieb allerdings nur atmosphärisches Wabern übrig, Songs und Melodien schienen belanglos.

Und aktuell? Auf „Natural Rebel“ wirkt der erste Song „All My Dreams“ wie eine gut gelaunte, trotzdem leicht melancholische, eingängige und gut produzierte Britpop-Nummer – ein Highlight. „Birds Fly“, ein Midtempo-Song, lässt Country-Einflüsse anklingen, samt Streichern. Interessant sind die subtilen Ästhetikveränderungen der Songs zueinander: Das Schlagzeug kräftig, mal räumlich „tot“, bei „Surprised by the Joy“ wird der Gesang leicht angezerrt. Hier stampft das Schlagzeug wie festgezurrt, Streicher klingen fast unangenehm direkt – eine der Ausnahmen, die etwas gehetzt wirken.

Bei „That’s How Strong“ gibt sich Ashcroft als Crooner, was in dem getragenen Stück grob an Richard Hawley erinnert. „That’s When I Feel It“ hätte mit seinem opulent-stoischen Musikteppich auch gut von Jeff Lynne arrangiert sein können, allerdings erscheinen die schnittigen Streicher etwas zu viel des Guten. „We All Bleed“ greift 1960er-Jahre Soul-Einflüsse à la Al Green auf, geht atmosphärisch in Richtung The Verve – ein weiteres Highlight.  „A Man In Motion“, ein gelungener Folk-Song, erscheint aufgrund übertrieben nölig produzierten Gesangs etwas irritierend. Das leicht melancholische „Streets Of Amsterdam“ stellt mit subtilen Vocoder-Effekten eine weitere interessante Gratwanderung zwischen atmosphärischer Verve-Vergangenheit und Ashcroft-Zukunft dar. „Money Money“ klingt nach vorpreschendem, „trashigem“ Rocksong in Richtung der Strokes, dem allerdings Abwechslung fehlt.

Bei der Vielzahl stilistischer Anklänge wirkt Ashcroft immer noch suchend, nicht alle Experimente gehen auf. Gleichzeitig klingen die Ergebnisse souveräner und weniger schablonenhaft als frühere Alben.
Der Sound erscheint fast durchweg ausgewogen, mit gelungenem Bassfundament. Lediglich einzelne Stücke sind mit etwas Schärfe im Höhenbereich gemischt – etwa das erwähnte „Money Money“.

BEWERTUNG RICHARD ASHCROFT – NATURAL REBEL

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 7
So testet und bewertet mobilefidelity magazin.