Paula Cole – American Quilt

Paula Cole – American Quilt

1996 trat die in Massachusetts geborene Indie/Country/Americana-Musikerin Paula Cole mit zwei Hits auf die Bildfläche: „Where Have All The Cowboys Gone?“ und der Titelsong der Serie Dawson’s Creek, „I Don’t Want to Wait“. Danach blieb der große Mainstream-Erfolg aus, Cole experimentierte unter anderem teilweise im Jazz-Bereich, nahm mit „Ballads“ Jazz-Standards auf. Mit „American Quilt“ liefert die 53-jährige nun ein Album, bei dem sie Traditionals und andere Klassiker neu interpretiert.

Die Produktion liefert eine „weibliche“ Variante von Johnny Cash oder Jonathan Wilson

Das sphärisch-tragende Ballade „Wayfaring Stranger“, beispielsweise von Emmylou Harris aufgenommen, beginnt Coles Album beeindruckend: Mit behutsamem Akustikgitarren-Picking, warmer Klavier-Untermalung, Kontrabass und Fiddle erinnert die Atmosphäre an späte Johnny-Cash-Aufnahmen oder auch an das jüngste Album von Jonathan Wilson, mit der eindringlichen wie einfühlsamen Stimme Paula Coles – ein Highlight. Das bluesige „Black Mountain People“, mit rauen Drums- und Percussion-Elementen von Drummer Jay Bellerose, dazu Akustikgitarre und Violine, überzeugt musikalisch. Lediglich die Performance von Cole wirkt etwas aufgesetzt energisch, wie ein bewusst herbeigeführtes Diorama einer vergangenen Epoche. „You Don’t Know What Love Is“ ist jazziger gehalten, mit „suchendem“ Schlagzeug, breit versprenkelten Klaviertupfern, Kontrabass, dazu E-Gitarren-Einwürfen. Das teils betonte Vibrato und die typischen Tonhöhenverzierungen Coles, die hier im Intro besonders ausgeprägt auftreten, muss man mögen. „God’s Gonna Cut You Down“ erinnert in der Machart deutlich an Johnny Cashs Version, lediglich abweichend durch Gesangsverzierungen und Gospel-Background-Vocals.

Zwischen Americana und Jazz

„Shenandoah“ beginnt mit Flöten-, Percussion- und Pedal-Steel-Sounds, darunter grundtönige Klavierakkorde. Das Klagelied hüllt melancholisch ein, dazu passt Coles ruhige, intensive Performance – samt Mehrstimmigkeit – ideal. Der Jazz-Klassiker „Nobody Knows You (When You’re Down And Out)“ lässt Anklänge an eine New-Orleans-Ragtime-Brass-Band anklingen, bleibt allerdings zaghaft – so, als könnte sich die Band nicht recht entscheiden, wie konsequent die Umsetzung erfolgen soll. „Good Morning Heartache“ klingt wiederum nach rauchigem Jazzclub nach Mitternacht. Die geschmackvoll verhallte Performance vermittelt eindrücklich die gefühlte Einsamkeit; ein weiterer Anspieltipp. Der Klassiker „Bye Bye Blackbird“, ursprünglich beispielsweise durch Nina Simone bekannt, wirkt technisch routiniert gespielt und gesungen, zündet allerdings nicht wirklich. „Steal Away“ – das Intro zu der einzigen Eigenkomposition „Hidden In Plain Sight“ – ist eine Acapella-Aufnahme im Stil eines Sklavengesangs, aufgenommen als Lo-Fi-Sound im Stil der 1920er Jahre. Das klingt zwar originalgetreu, erscheint jedoch als seltsame Nostalgie-Spielerei. „Hidden In Plain Sight“ ist ein grundtöniger, langsamer Stomper, der auf das Leben der Frauen in der Sklaverei anspielt. Das funktioniert überraschend gut, mit atmosphärischen Einwürfen. Die vor allem durch Louis Armstrongs Interpretation bekannte Komposition What A Wonderful World“ schließt die zehn Stücke des Albums. Paula Cole performt hier gewohnt professionell, allerdings will der Funke nicht richtig überspringen.

Klagvoller Mix

Paula Cole fügt nur manchen der Songs neue Aspekte hinzu – ihre Version von „Wayfaring Stranger“ jedoch erweist sich hingegen als rund und spannend, die den Hörer einnimmt. Ähnliches gilt für das atmosphärische „Good Morning Heartache“.  Klanglich kann das Album überzeugen: Die Produktion klingt füllig, mit greifbaren Elementen, dreidimensionaler Stimme sowie tiefen Kontrabass-Impulsen. Die einzelnen Instrumente fließen im dynamischen Mix in stimmungsvollem Panorama angenehm zusammen. Lediglich beim „Black Mountain Blues“ und „God’s Gonna Cut You Down“ erscheint die stark gesättigt und mittenlastig produzierte Stimme etwas „nölig“ ambitioniert, mit einem Hauch Schärfe. Das Stereo-Panorama des Pianos bei „Shenandoah“ wirkt leicht diffus – hier würde die musikalische Aussage von einer konkreteren Abbildung profitieren, was allerdings nur eine Kleinigkeit darstellt; insgesamt bietet „American Quilt“ eine ansprechende Produktion, deren Atmosphäre besonders bei Herbstabenden auf dem Sofa zur Geltung kommt.

PAULA COLE – AMERICAN QUILT

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 8
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