Paul McCartney – Egypt Station

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Das 17.Soloalbum des Ex-Beatle beginnt mit einer orientalisch anmutenden Bahnhofsatmosphäre, passend zum Albumtitel. Der entstammt einem Gemälde McCartneys Ende der 1980er Jahre, das auch als Album-Cover dient. Das Album – sein erstes seit fünf Jahren – bewegt sich zwischen leichter Melancholie und Beschwingtheit.

„I Don’t Know“ ist eine Midtempo-Klavierballade über Lebenserfahrung zwischen Unsicherheit, Enttäuschung und Akzeptanz. Die Vorab-Single „Come On To Me“ bietet polternde Rhythmen und Piano-Sequenzen mit typischen Beatles Klanganspielungen (Klavier und Rhythmus erinnern an „Lady Madonna“, die polternden Toms gehen in Richtung „Real Love“), dazu Bläser und Mundharmonika – ein erstes, eingängiges Highlight. Dabei klingt die Stimme des 76-Jährigen erstaunlich präsent und alterslos, ohne in die „kratzigen“ oberen Randbereiche vorzudringen, die er live teilweise mit alten, sehr hoch angelegten Beatles-Stücken anreißt. „Who Cares“ erweist sich als eingängiger, energetischer Rock-Song. McCartney hat in vergangenen Jahren etwa mit Kanye West, Rihanna und Timo Maas gearbeitet – das färbt auf den Musiker ab, der musikalisch noch immer Experimente und moderne Relevanz sucht. „Fuh You“ klingt mit Klavier, elektrischen Beats, modernen Gesangseffekten und Kopfstimmen-Chorgesängen im Refrain nach der Opulenz aktueller Coldplay-Songs – gegen Ende setzten Beatles-typisches Cembalo und Streicher-Arrangements ein. Der eingängige Song – ein weiteres Highlight – fällt mit für McCartney ungewohnt „explizitem“ Text auf.

Dazwischen befinden sich auch durchschnittlichere Stücke, etwa das akustische „Confidante“, das trotz aufgepeppter Produktion nicht der eigenen Monotonie zu entkommen vermag. „Dominoes“ klingt mit seinem stoischen, klatschenden Schlagzeug-Rhythmus und den dezenten Background-Vocals etwas nach Electric-Light-Orchestra. „Back In Brazil“ wirkt flink, fast hektisch, mit ungewohnten Harmonien und Computer-Percussion-Rhythmik sowie Chor-Einlagen. Die eingägige Ballade „Do It Now“ – eine Aufforderung zum Handeln im Moment – setzt auf Klavier-Akkorde, Cembalo und Subbass-Drum-Sounds, mit Beatles-typischen Backgroundgesang-Einwürfen, um sich dann in eine „Streicherburg“ zu verwandeln.
„Caesar Rock“ setzt auf Downbeat-Sounds und Rückwärts-Schnipsel, Funk-Akkord-Einlagen – und melodischen Minimalismus. Das Feuerwerk an angehäuften Elementen wirkt zunächst beeindruckend, nutzt sich allerdings ab. „Despite Repeated Warnings“ mit seinen Klavier-Akkorden und Leslie-Gitarre profitiert als gelungener, schwermütiger Song zunächst von Gelassenheit im Arrangement – bis nach zwei Minuten ein Bruch mit flottem Tempo einsetzt.
Die Arrangements fallen bei nahezu allen Songs opulent aus – dabei drängt sich der Eindruck auf, dass manchmal der Zwang zum permanenten Experiment im Vordergrund stand, und einzelnen Stücken durchaus etwas mehr Durchgängigkeit gutgetan hätte. Die Melodien klingen allesamt wie gelungene Pop-Songs; manches hat McCartney in den vergangenen fast sechs Jahrzehnten seiner Karriere schon ähnlich komponiert – vermutlich ein unvermeidlicher Nebeneffekt, der sich aus dem eigenen Blickwinkel ergibt. Einzelne Songs wirken trotz der umhüllenden aufwendigen Arrangements eher wie Skizzen, denen weitere Reibung mit einem weiteren Komponisten oder Produzenten fehlt.
Der Klang von „Egypt Station“ erscheint größtenteils offen, mit wahrnehmbarer Kompression und leicht „zischenden“ Höhen – allerdings kein Vergleich zu den teilweise sehr laut „gepressten“ und dadurch verzerrt und dünn klingenden Vorgängern. Lediglich das Stereobild wirkt auf „Egypt Station“ irritierend breit. Insgesamt bleibt der Klang noch gut hörbar.

BEWERTUNG PAUL MCCARTNEY – EGYPT STATION

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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