Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820

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Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820

Testsiegel-Sennheiser HD 820Mit dem audiophilen Over-Ear-Kopfhörer HD 820 hat Sennheiser einen neuen, mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Superstar im Programm. Unser Test bestätigte den hohen Anspruch voll und ganz.

Auf der CES in Las Vegas präsentierte Sennheiser im Januar 2018 mit dem geschlossenen, dynamischen Stereokopfhörer HD 820 den nach eigenen Angaben „am transparentesten klingenden geschlossenen Kopfhörer der Welt“. Der Hi-Fi- und Pro-Audio-Spezialist bezeichnet sein neues Flaggschiff (UVP: 2.399 Euro) gar als „bahnbrechend“ und will damit für eine Neudefinition der Grenzen audiophilen Klangs gesorgt haben.
Entwickelt und gebaut wurde der HD 820 als geschlossener Over-Ear-Kopfhörer für höchst anspruchsvolle Musikliebhaber, die ihre Musik sowohl zu Hause als auch unterwegs in audiophiler Qualität genießen wollen. Einige bislang nicht dagewesene Konstruktionsdetails sollen dabei helfen, die Grenzen für die Klangwiedergabe bei der geschlossenen Bauweise ganz neu zu definieren. Dazu zählen unter anderem die innovativen, zum Patent angemeldeten Schallwandler-Abdeckungen aus Glas, die Resonanzen auf ein Minimum reduzieren und die Transparenz der Wiedergabe merkbar steigern sollen.

Der Sennheiser HD 820 steht für höchste Qualität und edles Design

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Der Sennheiser HD 820 wird in einer hochwertigen, schaumstoffgepolsterten Holzbox geliefert.

Der komplett in Deutschland entwickelte und hergestellte HD 820 wirkt von jeder Seite betrachtet und auch in den kleinsten Details absolut hochwertig und edel. Seien es der leichtgängig in zehn Stufen verstellbare Metall-Kopfbügel mit klangverbesserndem inneren Dämpfungselement und hochrobuster Kunststoffeinfassung, die metallenen Kabelanschlüsse für die zwei mitgelieferten, abnehmbaren Kabel oder die von Hand gefertigten, hochkomfortablen Ohrpolster aus Mikrofaser und für Allergiker geeignetem Kunstleder.
Das absolute Highlight des Kopfhörers – und das nicht nur in ästhetischer, sondern vor allem auch in akustischer Hinsicht, soviel sei schon einmal gesagt – sind jedoch die besagten einzigartigen Glasabdeckungen, die wiederum den Blick auf Sennheisers typische Ringradiator-Wandler freigeben, die im Innern des dynamischen High-End-Kopfhörers ihre Dienste verrichten. Der Hi-Fi-Produzent selbst versteht seinen neuen Spitzenkopfhörer als „ästhetisch zeitlosen Klassiker“. Auf alle Fälle unterstreicht das hochwertige Design dieses Over-Ear-Kopfhörers mit seinen stabilen schwarzen Kunststoffelementen das technische Können des Sennheiser HD 820, auf das wir als nächstes zu sprechen kommen, mit Nachdruck.

Sennheiser setzt neue Maßstäbe bei Klang und Technik

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Bei Sennheisers dynamischem Over-Ear liegen die markentypischen Ringradiatoren hinter für den einzigartigen Klang des Kopfhörers verantwortlichen Schallwandler-Abdeckungen aus Glas.

Eigentlich gilt es ja als Common Sense, dass ein akustisch offenes Design obligat ist, um bei Over-Ear-Kopfhörern insbesondere eine weiträumige Abbildung der Musik zu gewährleisten. Diese Maxime will Sennheiser nun mit einer innovativen Technologie außer Kraft gesetzt haben, die den Sennheiser HD 820 nicht nur zu einem bahnbrechend transparenten Klang führen, sondern auch äußerst räumlich klingen lassen soll. Hier standen die Konstrukteure vor der immensen Herausforderung, die akustischen Vorzüge offener Kopfhörer mit den Vorteilen geschlossener zu vereinen.
Der Clou dabei sind die schon erwähnten, aus extrastabilem Gorilla-Glas gefertigten Schallwandler-Abdeckungen, die Resonanzen auf ein absolutes Minimum reduzieren sollen. Genau das funktioniert beim HD 820, indem das konkav nach innen gewölbte Glas die von der Rückseite der Schallwandler abgestrahlten Schallwellen nach dem Diffraktionsprinzip diffus reflektiert, und zwar am Wandler vorbei auf beziehungsweise in zwei um die Schallwandler herum angeordnete Absorberkammern. Diese verschlucken die reflektierten Wellen und eliminieren sie somit ähnlich spurlos, wie es bei offenen Kopfhörern der Fall ist, bei denen der rückwärtig abgestrahlte Schallanteil sich nach außen verflüchtigt.

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Der HD 820 kommt standardmäßig mit zweierlei hochwertigen sauerstofffreien Kupferkabeln (6,35 mm Klinke und 4,4 mm Pentaconn). Ein 4-poliges XLR-Kabel ist optional erhältlich.

Sehr intensiv hat man sich im Hause Sennheiser auch mit dem Thema Kabel auseinandergesetzt und liefert insgesamt zwei speziell abgestimmte, kapazitätsarme, impedanzangepasste und versilberte OFC-Kabel mit, die für eine ganz besonders hochwertige Signalübertragung sorgen sollen – eins davon, das Pentaconn-Kabel, mit symmetrischem Aufbau. Als optionales Zubehör gibt es sogar noch ein symmetrisches XLR-Kabel obendrauf.
Um die bestmögliche Wiedergabequalität zu sichern, hat Sennheiser als idealen Compagnon für den HD820 gar einen speziellen Kopfhörerverstärker entwickelt: den HDV 820 (UVP: 2.399 Euro), den wir selbstverständlich ebenfalls einem ausführlichen Test unterzogen haben.

Sennheisers neuer Referenz-Kopfhörer in der Praxis

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Der Sennheiser HD 820 klingt nicht nur fantastisch, er lässt sich auch über längere Zeiträume super angenehm tragen.

Erster Eindruck: Der sehr angenehm zu tragende und Außengeräusche exzellent ausblendende Sennheiser HD820 lässt den Hörer auf der Stelle mitten in die Musik eintauchen – und die Umwelt vergessen.
Zweiter Eindruck: Der Kopfhörer sitzt dank seiner großzügig geformten, ovalen Muschelform nahezu perfekt am Ohr, ist zudem mit 381 Gramm (ohne Kabel) ein echtes Leichtgewicht und fühlt sich auch so an. Er ist damit etwa ein Drittel leichter als unser Referenz-Over-Ear Audeze LCD-X. Dieser übt zudem etwas mehr Anpressdruck auf den Kopf aus und wird nach einiger Zeit dadurch im Wortsinne etwas schwer zu tragen, während Sennheisers neues Flaggschiff im Vergleich dazu auch nach Stunden noch federleicht wirkt. Und das Besondere dabei: Das war bei unterschiedlichen Testpersonen der Fall, alle mit unterschiedlichen Kopfgrößen und -formen. Einziges bemerkenswertes Manko: Der Schall des Kopfhörers dringt trotz seiner geschlossenen Bauweise in nicht unbeträchtlichem Maße nach außen und könnte von anderen gegebenenfalls als störend wahrgenommen werden.

So klingt der HD 820

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Geschlossener Kopfhörer mit offenem Klang? Die aus Glas gefertigten Schallwandler-Abdeckungen des audiophilen Over-Ears machen’s möglich.

Bei all den Vorschusslorbeeren war die Spannung vor dem Hörtest natürlich besonders hoch. Nachdem wir dem Sennheiser HD 820, wie üblich, eine angemessene Zeit von zirka 72 Stunden zum Einbrennen gewährt hatten, legte sich der dynamische Over-Ear bereits mehr als ordentlich ins Zeug:
Wir haben ihn zunächst mit verschiedenen Digital Audio Playern (DAP) betrieben, um seine mobile Seite auszuloten. Dabei kamen zum Beispiel der iBasso DX200, unser Referenz-DAP, sowie der Calyx M zum Einsatz. Dazu haben wir das mitgelieferte Klinkenkabel mit dem 6,3 mm Klinkenstecker benutzt und mit einem zusätzlichen Adapter von 6,3 mm auf 3,5 mm Klinke gekoppelt. Schon hierbei machte der Kopfhörer eine exzellente Figur, lieferte ein äußerst ausgewogenes und transparentes Klangbild und zeigte eine erstaunlich breite Hörbühne. Das Impulsverhalten in den Mitten und Höhen war ausgesprochen sauber, in den Tiefen wirkte er insbesondere am Calyx M ein wenig weicher, der dafür aber ganz oben etwas luftiger kam als der iBasso. Die erste, mobile Hürde hatte der Sennheiser HD 820 also schon mal mit Bravour genommen, obwohl er primär für den Heim- und Studioeinsatz ausgelegt ist und im Test auch an stationären Kopfhörerverstärkern erst so richtig durchstartete:
Der audiophile Over-Ear lieferte an unserem Referenz-Setup, bestehend aus dem Kopfhörerverstärker Violecric HPA V281 und dem Digital-Analog-Wandler Mytek Digital Stereo 192-DSD DAC, die vom Hersteller prophezeiten „weiten, offenen Klanglandschaften“, die man einem geschlossenen Over-Ear in der Form normalerweise nicht zutrauen würde. Der Sennheiser HD 820 steht diesbezüglich dem Audeze LCD-X in nichts nach, klingt außerordentlich transparent, lebendig und natürlich. Im Gegensatz zum beyerdynamic T1 bietet der HD 820 zudem ein noch ausgeglicheneres Klangbild: Er löst die Höhen sehr fein auf und spielt zugleich die synthetischen Tiefentöne, etwa in Daft Punks „Doin‘ it Right“, kraftvoll und differenziert aus. Und auch innerhalb des Mittelton-Spektrums erlaubt er sich keine Unzulänglichkeiten. Das Ergebnis ist ein äußerst weiträumiger und zugleich rundum präziser, sehr sauberer Klang, der den Hörer enorm viele Details wahrnehmen lässt. Umso mehr gilt all das für die Kombination mit seinem kongenialen Partner, dem Kopfhörerverstärker Sennheiser HDV 820. Denn zusammen klangen diese beiden noch eine Idee runder als der HD 820 im Verbund mit unserem Referenz-Setup.

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Ein kongeniales Duo: Der Over-Ear Sennheiser HD 820 läuft im Zusammenspiel mit Sennheisers Kopfhörerverstärker & DAC HDV 820 zu großer Form auf.

Wer zum Beispiel Arne Domnérus‘ „Limehouse Blues“ der legendären Jazz-Platte „Jazz at the Pawnshop“ hört, sitzt fast buchstäblich in dem Stockholmer Jazzclub, in dem die Live-Aufnahme 1976 entstanden ist – so genau überträgt der Sennheiser HD 820 jedes noch so minimale Hintergrundgeräusch. Hört man „O Helga natt“, interpretiert von Marianne Mellnäs auf der Compilation „Cantate Domino“, so ist es einem, als wohne man der Aufnahme zu diesem Album anno 1985 in der Stockholmer Oscarkirche bei – eine solche Räumlichkeit bildet der HD 820 ab. Beinahe überflüssig anzumerken, dass der dynamische Over-Ear es außerdem nicht nur versteht, alle Frequenzen, sondern auch die mitunter sehr schnell aufeinanderfolgenden Impulse in Deep Purples „Child in Time“ mit Leichtigkeit und feinst aufgelöst wiederzugeben. Auch eine dynamische Amplitude wie in Rimsky-Korsakovs „Scheherazade, Symphonic Suite, op. 35 – IV. Allegro molto“ stellt den Kopfhörer vor keinerlei Probleme. Und überhaupt ist das klassische Stück mit der vorzüglichen Bühnendarstellung des Sennheiser HD 820 – und vom HDV 820 verstärkt – ein absoluter Hochgenuss.
Am Ende bleibt zu konstatieren, dass der Sennheiser HD 820 äußerst komplett und richtig klingt. Die Diskussion, ob offen oder geschlossen wird überflüssig – zumal er derart weite Räume eröffnet, wie es sonst nur die besten offenen Kopfhörer vermögen. Und so validiert sich auch die Bemerkung Maik Robbes, seines Zeichens Sennheisers PR Manager der DACH-Region, Sennheiser habe sich mit dem HD 820 selbst einen Gefallen getan – ganz großes Kino!

Fazit

Sennheiser hat mit dem HD 820 den weltweit ersten geschlossenen Over-Ear-Top- Kopfhörer im Programm, der tatsächlich so luftig und räumlich klingt wie die besten unter den offenen Hörern. Im Test lieferte er an High-End-Kopfhörerverstärkern – und insbesondere kombiniert mit dem Sennheiser HDV 820 – ein äußerst natürliches, weiträumiges und vor allem stimmiges und rundes Klangbild ab, das zum stundenlangen Musikhören verführt. Ein absolutes Spitzenprodukt zu einem zugegebenermaßen stolzen Preis.

STECKBRIEF SENNHEISER HD 820

Weitere Informationen

Gewicht 381 g (ohne Kabel)
Preis 2.399 €

BAUWEISE/AUSSTATTUNG
Wandlerprinzip dynamisch
Bauweise geschlossen, Over-Ear
Anschlusskabel 2x OFC-Kupferkabel (3 m), beidseitig geführt / 1x XLR-4 (3 m, optional)
Stecker 1x 6.35 mm Klinkenstecker, unsymmetrisch / 1x 4,4 mm-Pentaconn-Stecker, symmetrisch / 1x XLR-4 (optional)
Adapter /
Impedanz 300 Ohm
Besonderheiten Schallwandler-Abdeckungen aus Glas, Anschlusskabel abnehmbar
Aufbewahrung Aufbewahrungsbox (Holz, schwarz, schaumstoffgepolstert)
Zubehör USB-Stick (SD-U16L) mit Bedienungsanleitung (als PDF Datei) und Frequenzgang-Messbericht, Bedienungsanleitung, Mikrofasertuch

BEWERTUNG SENNHEISER HD 820

KLANG Punkte
Neutralität (2x) 90
Feinzeichnung (2x) 91
Impulsverhalten 89
Räumlichkeit 91
Dynamikverhalten 89
Basstiefe 84
TESTERGEBNIS
Klangqualität (50%) 89
Tragekomfort (25%) 90
Verarbeitung (15%) 87
Ausstattung (10%) 89
Testurteil 89,0
Preis-Leistung sehr gut
So testet und bewertet mobilefidelity magazin.

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