Neil Young & Crazy Horse – Psychedelic Pill (High-Res)

„Psychedelic Pill“, das sage und schreibe 32. Studioalbum von Neil Young, wurde ursprünglich 2012 veröffentlicht, als Doppel-CD und Vierfach-Vinyl sowie auf Blu-Ray. Letztere enthielt Audiomaterial in 192 kHz/24 Bit-Auflösung, das Medium setzte sich bekanntermaßen nie wirklich durch. Auch für den „Pono“-Player – die Hardware, die Neil Youngs Firma PonoMusic von 2015 bis 2017 angeboten hatte, war das hochauflösende Format verfügbar. Abgesehen davon blieb Nutzern digitaler Wiedergabeformate nur die 44.1 kHz/16 Bit-CD-Variante – oder die „Mastered for iTunes“-Version, die immerhin 44,1 kHz/24-Bit-Auflösung bot, allerdings im von iTunes verwendeten verlustbehafteten Codec. Klangliche Anpassungen sollten Schwächen der Datenreduktion ausgleichen. Mittlerweile ist die hochauflösende 192 kHz-Fassung als regulärer Download erhältlich – eine gute Gelegenheit für einen genaueren Blick auf das knapp 90-minütige Album.

Teils elegischer, atmosphärischer Classic Rock

„Driftin‘ Back“ startet mit Neil Young über Akustikgitarren singend, bevor der fast 28-minütige Song schnell in die Crazy-Horse-Besetzung aus zwei E-Gitarren, Bass und Schlagzeug wechselt, die das Album dominieren. Neil Young sinniert darin beispielsweise über seine Abneigung gegenüber der „Art, wie die Dinge heute klingen“ und meint damit datenreduzierte Musik. Ansonsten erscheint der Song als angenehm hörbarer Midtempo-Jam mit wohlig-verzerrten Gitarrenmelodien. Das vergleichsweise flotte, dreiminütige und für das Album namensgebende „Psychedelic Pill“ ist komplett durch einen Flanger-Effekt  gedreht – das fordert beim Hören, passt aber zur Botschaft des Trips, den der Erzähler sich dabei vorstellt. Der Titel selbst ist eingängig und lädt zum Mitwippen ein. Ein alternativer Mix ist ebenfalls enthalten, der auf den Flanger verzichtet und die krachend verzerrte Gitarre in den Vordergrund stellt. Das ist direkter hörbar – und ein Höhepunkt auf „Psychadelic Pill“.

Neil Young erzählt Geschichten im Americana-Kontext

Auch das 17-minütige „Ramada Inn“ ist äußert gelungen: Schwermütig reflektiert der Erzähler eine jahrzehntelange Ehe aus Höhen und Tiefen; beide befinden sich gerade im titelgebenden Hotel auf einer Reise, besuchen Freunde. Wie die Reise für die beiden ausgeht, bleibt offen. Die Geschichte und die Melancholie der krachend verzerrten, versöhnlichen Gitarre ergreift, ebenso wie der Refrain, in Teilen nur aus Harmoniegesängen der Band ohne Neil Young bestehend. 

„Born in Ontario“ kommt als gradliniger Stomper daher, die schleppende Midtempo-Nummer „Twisted Road“ erzählt eine Lebensgeschichte und die Erinnerung an musikalische „gute „Zeiten“. Der Song transportiert Americana-Country-Feeling, ähnlich wie das gefährlich süßliche „For the Love of Man“, dessen Flair an „Harvest Moon“ erinnert. „She’s Always Dancing“ bietet einen melancholischen Rocksong, von der Stimmung her in Richtung „Like a Hurricane“. Und das Riff des 16-minütigen „Walk Like a Giant“ greift entfernt „Hey, Hey, My, My (Into the Black)“ auf, dazu eine gepfiffene Melodie. Im Text reflektiert Neil Young Desillusion und Veränderungen. Trotz der leichten Nähe zu vergangenen Songs sind die beiden Stücke eigenständig und hüllen beim Hören angenehm ein.

Hervorragende Mischung

Klar, das Rad hat Neil Young mit den Songs nicht neu erfunden. Musikalisch spielen Crazy Horse alles andere als präzise, Neil Young peilt die Gesangstöne eher an als sie exakt zu treffen – alles keine neue Erkenntnis. In der Einheit wird das Flair rau und mitreißend transportiert, auch aufgrund des teilweisen Jam-Charakters. Klanglich ist „Psychedelic Pill“ angenehm ‚dreidimensional‘ gemischt: Besonders die Gitarre von Neil Young ist fast vor dem Lautsprecher greifbar. Die Instrumente sind ‚luftig‘ im Panorama verteilt. Das Schlagzeug von Ralph Molina ist fast im Hintergrund platziert, mit starker Dynamik – offensichtlich eine gewollte Entscheidung, die der Mischung keinen Abbruch tut.

Die hochauflösende Version wurde vom Portal HIGHRESAUDIO für die Rezension zur Verfügung gestellt und ist dort als „Remastered“ beschrieben. Ob die Platte bereits nach der kurzen Zeit tatsächlich neu gemastert wurde, ist unklar – konkrete Hinweise finden sich nicht. Verglichen mit dem „Mastered for iTunes“-Download und der CD sind die hochauflösenden Dateien rund vier Dezibel leiser im Gesamtpegel. Das kann mit unterschiedlichen Zielstandards zusammenhängen. 

Die Klangästhetik ändert sich bei angepasster Lautstärke minimal, auch hinsichtlich der Dynamikbearbeitung sind keine wirklichen Unterschiede feststellbar. CD und iTunes-Master haben eine etwas deutlichere Präsenz im Bass und den Hochmitten, was je nach Geschmack durchaus positiv wahrgenommen werden kann. Bass und Bassdrum erscheinen in der hochauflösenden Version weniger dicht, Becken und Hi-Hat hingegen etwas betonter im Vergleich zur iTunes-Version, zudem ohne Artefakte. Das rau gespielte Album klang bereits in den normalen Auflösungen bestechend. Die 24-Bit-Varianten bieten dabei mehr ‚Luft‘ im Impulsverhalten. Ob dabei die im Tiefenbereich präsentere Ästhetik des verlustbehafteten iTunes-Masterings besser gefällt oder die klare, etwas nüchternere High-Resolution-Version, bleibt in dem Fall eine Geschmacksfrage.

NEIL YOUNG & CRAZY HORSE – PSYCHADELIC PILL (HIGH-RES)

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 10
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