Muse – Simulation Theory

Die britische Alternative-Rockband Muse hat mit „Simulation Theory“ ihr achtes Album veröffentlicht. Das Trio um Sänger, Gitarrist und Synthesizer-Spieler Matthew Bellamy wirkt seit jeher musikalisch alles andere als minimalistisch. Dieser rote Faden zieht sich auch durch das neueste Werk.

Das erste Stück „Algorithm“ beginnt mit Drum-Computer, Synthesizer-Kaskaden und -Riffs, dazu gesellen sich die Opulenz von effektgeladenen Streichern sowie ein räumlicher Flügel.
Über diesen Klangteppich singt Bellamy gelungen theatralisch. Die Bandbreite und gefühlte Rock-Oper-Anlehnung erinnert an Queen. „The Dark Side“ ist ein melodischer, leicht balladesker Song. Muse verwenden hier sehr exakt gespielte Disco-Drum-Rythmen, kombiniert mit einem Effektgitarren-Riff, und ebenso effektgeladenem, klagendem Gesang – ein erstes Highlight.
Das flotte „Pressure“ liefert Tom-lastige Indie-Rhythmik und moderne Ästhetik, mitsamt einem eingängigen Refrain und leicht melancholischer Harmonik, die bei der Band zum Markenzeichen geworden ist – ebenso ein Anspieltipp.

„Propaganda“ bleibt zunächst vergleichsweise zurückhaltend, streut gesampelte Vocal-Schnipsel über einen reduzierten R&B-Rhythmus, im Refrain setzt dann allerdings ein Snare-Feuerwerk ein, später folgen Kopfstimmen-Background-Gesänge und eine bluesige Akustikgitarren-Slide-Einlage. „Break It To Me“ erscheint mit seinem grundtönigen Riff fast minimalisch, öffnet sich dann mit ebenfalls weitem, melodischem Refrain und Theremin-Melodie – ein weiteres Highlight. Gleiches gilt für „Something Human“, das von einem flottem Roadtrip erzählt, kurz unterbrochen von einer nahezu sakralen Orgel. „Thought Contagion“ setzt auf ein eingängiges Synthesizer-Riff und opulenten Mitsing-Chor. Kaum eines der elf Stücke fällt wirklich ab, lediglich „Get Up Fight“ will mit seinem 80er-Jahre-Drum-Computer-Rhythmus trotz brachialem Gitarren-Refrain nicht richtig zünden. Zum Abschluss liefert „The Void“ ein etwas „ruhigeres“ Highlight, mit fast Filmmusik-artigen Streicher-Einwürfen, gefolgt von einem durchgängigen, flotten Rhythmus zu zischenden Synthie-Melodien – bevor der Song als Klavier-Ballade mit tiefem Synthie-Bass endet.

Der erwähnte Queen-Vergleich drängt sich im Laufe des Albums mehrfach auf, vor allem im Sinne der Opulenz, die Muse vermitteln. Statt auf Classic-Rock-Stilistik setzt die Band klanglich allerdings auf moderne Produktion mit HipHop- und R&B-Stilistiken – naheliegend also, dass sich Muse unter anderem Timbaland als Produzent holten. Entspannungsphasen verbleiben – ähnlich wie bei den nicht gerade reizarmen Stadion-Shows der Band – in Andeutungen. Dafür ist die Unterhaltung stimmig und anspruchsvoll umgesetzt. Interessantes Detail: Die klanglichen Experimente gehen auf „Simulation Theory“ allesamt auf. Auf der Suche nach einer übergeordneten Stilbezeichnung fällt „Sci-Fi-Pop“ ein, mit all den Effekten, Stotter-Schnipseln, der gradlinigen Rhythmik und der „Weltraum-Synthesizer-Weitläufigkeit“. Entsprechend dem musikalischen „Dauerfeuer“ fällt auch der Klang dicht aus, bleibt – gemessen an der Musik – allerdings gut durchhörbar, mit lediglich leichter Höhenbetonung und vereinzelter Schärfe in Synthies und Gesang (beispielsweise bei „Something Human“).

BEWERTUNG MUSE – SIMULATION THEORY

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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