Mike Zito – First Class Life

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Der aus St. Louis stammende Gitarrist Mike Zito veröffentlicht seit Jahren regelmäßig beschwingte Blues-Alben. Aktuell hat der 47-Jährige, der vor allem durch die Blues-All-Star-Band „Royal Southern Brotherhood“ bekannt wurde, „First Class Life“ veröffentlicht, das sich bereits im Titel vom Blues als Klischee des ewig deprimierten Klagelieds enthebt.

Zito erfindet den Bluesrock erwartungsgemäß nicht neu, transportiert aber gleich zu Beginn erfrischend unbelastete Energie: „Mississippi Nights“, eine Uptempo-Nummer im Bluesschema mit Gitarren, Piano, Bass und Drums, zieht textlich zwar alle Robert-Johnson-Klischeeregister um Sklavenhütten, Teufel, Weggabelung und Seelenverkauf, bleibt aber musikalisch durchweg positiv. Auch der etwas getragenere Titelsong bleibt ebenso hoffnungsvoll in der Weltanschauung eines zwar gebeutelten, aber grundsätzlich optimistischen Protagonisten, der von einer zweiten Chance auf ein erstklassiges Leben erzählt. Ein erster Höhepunkt, dargeboten mitsamt unaufdringlichen Slide-Gitarrenlinien, die sich in die Musik einweben.

Resignierende Erkenntnis macht sich hingegen in der Midtempo-Nummer „I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treat Me)“ breit, mit interessanten Harmonien umgesetzt – ein weiteres Highlight. „The World We Live In“ und auch „Damn Shame“ balancieren hingegen nah am musikalischen Klischee der „fusselbärtigen“ langsamen Blues-Nummer, wenngleich auch hier Zitos unprätentiöse Darbietung das Ergebnis angenehm hörbar macht – ähnliches gilt für „Old Black Graveyard“ und „Dying Day“. Als geschäftige wie experimentelle Blues-Funk-Nummer erweist sich „Mama Don’t Like No Wah Wah“, das ebenfalls von einem Funk-Riff unterlegte „Back Problems“ thematisiert irdische Rückenprobleme, klingt dabei aber eher nach unspektakulärem Blues-Standard. „Time For A Change“ bietet als flotte Blues-Pop-Nummer hingegen harmonisch spannende Wendungen und die eingangs vermittelte positive Energie. Das gilt auch für den „Rausschmeißer“ „Trying To Make A Living“, dessen Erzähler im geshuffelten Blues-Rhythmus das Beste aus seinen Lebensumständen macht.

Bekehren vermag Mike Zito Hörer mit Abneigung gegen das Bluesschema zwar nicht, bietet aber unprätentiöse Energie und interessante Songs, ohne affektierte oder überzogene Darbietung, dazu keine ausufernden oder überpräsenten Soli – was in der Kombination bereits Seltenheitswert darstellt. Klanglich überzeugt das Album durch gut produzierten, angenehm hörbaren, vollen Klang ohne Lautheitsallüren.

BEWERTUNG MIKE ZITO – FIRST CLASS LIFE

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 8
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