Mark Forster – Liebe S/W

Der Kaiserslauterer Sänger Mark Forster veröffentlichte 2018 mit „Liebe“ sein viertes Studioalbum. Mittlerweile ist mit „Liebe S/W“ eine „Unplugged“-Variante erschienen, bei der Forster die vorhandenen Stücke nur von Pianist Daniel Nitt begleitet neu eingespielt hat. Aufgenommen wurde das Album als Live-Mitschnitt im Pariser Theater „La Nouvelle Eve“. Die Veröffentlichung, als Doppel-CD angeboten, enthält das ursprüngliche Studio- sowie das Live-Album.

Mark Forster mal erfrischend anders

Gleich der erste Song, „Comeback“ – im Ursprung ein Fanfaren-Dance-Pop-Song mit bräsig-breiten Synth-Hooks –, zeigt die minimalistische Marschroute der Platte auf: Tiefe, komplexe Stakkato-Noten, dann ein aufgehender Refrain. Musikalisch erinnert Nitts Spiel entfernt an experimentellere Phasen von Chilly Gonzales. Forsters bisweilen leicht gekünstelte Gesangsartikulation muss dem Hörer natürlich liegen. „Einmal“ wirkt wesentlich tiefgründiger als im poppigeren Original – hier wird die neue Version dem Text gerechter, und auch der laute Refrain-Gesang funktioniert angenehm unaufgesetzt. Die Titelballade „Liebe S/W“ wirkt in dem reduzierten Arrangement gelungen vom Kitsch befreit. „Was Du nicht tust“ will zu Beginn rhythmisch nicht ganz zwischen Gesang und Piano zusammenlaufen, wird nach dem Refrain allerdings rund – und zeigt einmal mehr, dass Forsters Lieder durchaus von dem Verzicht profitieren: Die Eingängigkeit erscheint weniger ‚erzwungen‘, der Fluss natürlicher. Gleiches gilt für das erfolgreiche „194 Länder“.

Einzelne Ausnahmen gehen weniger auf

Die Midtempo-Ballade „747“ klingt wie auf Sparflamme, verglichen mit dem Original – hier fehlt der erdende Rim-Click des Schlagzeugs, der den fließenden Puls vorgibt. Nur mit Klavier wirkt die Rhythmik vergleichsweise beliebig. „Danke danke“, mit Sido vorgetragen, bleibt ebenso nicht wirklich hängen. Gut funktioniert wiederum „Chip in“, mit Maro und Maurice Kirya performt, das mit flinken Stakkato-Akkorden mitreißt. Die Balladen „Gerade jetzt“ und „Wie früher mal Dich“ berühren – letzteres klingt nahbarer, weniger nach dem ganz großen Epos der Studio-Variante mit großen Hallräumen.

Der Klang hat noch etwas Luft nach oben

Klanglich bleibt das Ergebnis zwiespältig: Während das Studioalbum zwar ohne große Dynamik und Tiefenstaffelung, aber immerhin solide produziert erscheint, bietet die Live-Platte allerhand Potenzial für dynamische Vielfalt – schließlich findet hierauf nur ein Instrument plus Gesang statt. Nitts Klavier klingt ebenfalls solide und breit gefächert, allerdings will sich Forsters Gesang nicht wirklich als Einheit einfügen. Dem Gesang fehlt Tiefmitten-Druck und Direktheit, auch sind im Zuge der Live-Aufnahme jede Menge Artefakte wie bedämpfte Pop-Laute oder belegter Klang zu hören. Das lässt sich bei dem stark rhythmisierten Gesang von Mark Forster aufgrund der Live-Umstände allerdings nur schwer vermeiden.

MARK FORSTER – LIEBE S/W

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 6
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