Maria Mena – They Never Leave their Wives

Die norwegische Sängerin und Songwriterin Maria Mena hat Ende Oktober ihr achtes Studioalbum veröffentlicht (wir berichteten). „They Never Leave their Wives“ darf durchaus als Konzeptalbum zum Thema problematische Beziehungen und schwierige emotionale Abhängigkeiten verstanden werden, aus denen keine Gewinner hervorgehen.

Ansprechender Indie-Elektro-Pop

„Let him Go“ beginnt das brandneue Album von Maria Mena melodramatisch mit fast orchestralen Synthie- und Klavier-Atmosphären, getaucht in weite Hallräume. Wehklagende Gesänge umschlingen eine pochende Snare, die wie durch eine endlose Lagerhalle zu wehen scheint, dazu Elektro-Beat-Samples – darüber der ebenfalls klagende Gesang von Maria Mena, der sich expressiv aufschaukelt. Das verspielt-verzierende Vibrato muss man dabei mögen. Das emotionale Drama zum Thema Loslassen wird indes eindringlich vermittelt.

Maria Mena - You Live And You Learn_1125x1500
Die Singer/Songwriterin Maria Mena

„Lies (They Never Leave their Wives)“ beschreibt eine Affäre, deren männlicher Protagonist verheiratet ist und Kinder hat – und dessen Geliebte von gebrochenen Versprechen verheirateter Männer erzählt. Die nicht minder emotionale Botschaft wird hier umgekehrt musikalisch mit flottem Upbeat-Rhythmus und fast sonnigem Pop-Feeling unterlegt. Maria Mena singt direkter, ohne Schnörkel, sodass das tiefe Timbre der Sängerin besser zur Geltung kommt. Die Diskrepanz der Botschaft, ein Teil einer Lebenslüge zu sein, und gleichzeitig nahezu gutgelaunten Radiopop zu präsentieren, der durch weite Synthesizer Tiefe andeutet, gibt dem Ergebnis zusätzliche Tragweite – ein Anspieltipp.

Maria Mena gibt melancholisch-expressive Balladen zum Besten

„You Broke Me“ ist dann wiederum hymnisch-expressiv gehalten, mit lautem, von Maria Mena aus voller Kehle gesungenem Refrain, R&B-Verzierungen im halligen Gesang, leicht vertracktem, Coldplay-artigen Schlagzeug-Beat und breiten Synthesizer-Atmos. Das nagt am Klischee, das lyrische Gegenüber wird hier in einer gefühlten Abrechnung beschimpft. „Miss him Every Day“ schlägt hingegen Zwischentöne an: leiser Gesang, fast Folk-artige Percussion – und der Zwiespalt einer erfolgten großen emotionalen Verletzung und dem anhaltenden Gefühl des Vermissens – ein weiterer Höhepunkt. „The Conversation“ bietet eine gelungene Mischung aus intimer Darbietung und großer Weite, mit interessanten Synth-Sounds und Elektro-Percussion.

„Not OK“ ist eine langsame Ballade, bei der Maria Mena mit leicht wehklagendem Gesang das angedeutete Gefühl von Enttäuschung vermittelt, verbunden mit dem Eindruck, die eigenen Wunden zu lecken und daher trotzdem Trost zu finden – fast wie das Gefühl, sich an einem kalten Wintertag auf dem Sofa unter einer Decke einzuhüllen. „You Live and You Learn“ verbindet die Erfahrungen enttäuschender Beziehungen mit einem Hoffnungsschimmer – der musikalisch wie ein sanfter, angedeuteter Marsch mit Snarewirbel-Einwürfen und Vierviertel-Bassdrum untermalt wird – ein weiterer Anspieltipp. 

Neues Album liefert ein weites Klangbild

Auch wenn die lyrische Botschaft oft eindeutig scheint; gerade die multidimensional produzierten Songs – „Lies (They Never Leave their Wives)“, „Miss him Every Day“, „The Conversation“ oder „You Live and You Learn“ – bleiben besonders hängen. Hier wird dem Hörer die Zerrissenheit mancher Lebenswege nähergebracht, ohne das Ergebnis musikalisch „Schwarz-Weiß“ zu malen. Das macht das Ergebnis umso wirkungsvoller.

Klanglich erweist sich das mit sieben Songs und gut 23 Minuten Spielzeit eher als EP gehaltene Album hochwertig produziert: Die Stimme von Maria Mena steht greifbar im Vordergrund, ohne unangenehme Höhen-Artefakte manch pop-betonter Produktionen. Die mit weiter Räumlichkeit produzierten Synth-, Klavier- und Drum-Sounds wirken vereinzelt im Panorama ‚verloren‘, ohne ortbares Zentrum. Davon abgesehen beeindruckt das recht laut produzierte Album trotzdem durch dynamische Sprünge bei leisen Passagen. Insgesamt wirkt die Balance stimmiger und angenehmer hörbar als beim 2015er Vorgänger „Growing Pains“. 

MARIA MENA – THEY NEVER LEAVE THEIR WIVES

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 8
So testet und bewertet mobilefidelity magazin.

Werden Sie jetzt Teil der mobilefidelity-Community

Möchten Sie regelmäßig über unsere aktuellsten Tests, News und Aktionen informiert werden? Möchten Sie kostenlose Kaufberatung und Know-how frei Haus? Dann bleiben Sie mit unseren wöchentlichen Updates aus der Musik- und Hi-Fi-Szene immer up-to-date.

Wenn Sie sich anmelden, stimmen Sie zu, dass Sie unsere wöchentliche Zusammenfassung erhalten und mit unseren Datenschutzrichtlinien einverstanden sind. Sie können sich jederzeit abmelden.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie einen Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein