Lucinda Williams – Runnin‘ Down a Dream – A Tribute to Tom Petty

Lucinda Williams – Runnin‘ Down a Dream – A Tribute to Tom Petty

Mit Americana-Rock und Country hat sich die aus Louisiana stammende Sängerin, Gitarristin und Songwriterin seit ihrem späten Durchbruch Ende der 1990er Jahre mit ihrem Album „Car Wheels on a Gravel Road“ etabliert. Das aktuelle, „Runnin‘ Down a Dream“ markiert einen Tribut der 68-jährigen Musikerin an den 2017 verstorbenen Tom Petty. Bereits das Cover – optisch an Pettys 1989er Solo-Debüt „Full Moon Fever“ angelehnt – deutet an: Die zwölf Stücke aus Pettys Karriere will Williams nicht gezwungen neu erfinden, sondern schlicht der Qualität der Stücke durch ihre Interpretation huldigen.

Erdiger Americana-Rock

„Rebels“, 1985 von Tom Petty & The Heartbreakers aufgenommen, rollt bei Williams erdig voran, passend performt von Williams‘ tiefer Stimme und befreit von der geglätteten Produktion des Originals. Stattdessen sind raue Gitarren-Licks zu hören, und fließend gespielte Drums mit Tom-Licks. Noch treibender wird die Rhythmik beim Titelsong der Zusammenstellung: „Runnin‘ Down a Dream“ klingt mit Bariton-Gitarre und treibender Tom-Untermalung eher nach einem Peterbilt-Truck, der einen freien Highway erstürmt, verglichen mit dem gefühlten Cabrio bei Tom Petty – ein Anspieltipp.  „Gainesville“, ein 1998er Outtake Pettys, klingt bei Williams gewichtiger, Groove-betonter, weniger beiläufig. Das Melodie-Riff gewinnt durch eine leicht psychedelisch umgesetzte E-Gitarre ebenfalls an Tiefgang. Das langsame „Louisiana Rain“ grenzt durch Lucinda Williams‘ eigenwillige Phrasierung in Verbindung mit den erwartbaren Harmonien hingegen an Schunkel-Schmalzigkeit.

Dunkle, versöhnliche Entschleunigung

„I Won’t Back Down“ erweist sich, nicht zuletzt aufgrund der Popularität des Originals, als Herausforderung: Die Kombination aus Offbeat-Bassrhythmik und Roots-Schlagzeug, dazu abgedämpfte und eingestreute Gitarren-Licks erinnert ästhetisch entfernt an die Rolling Stones. Williams‘ Phrasierung an den Noten vorbei muss man ohnehin mögen, hier fordern die teilweise nasal-zerdehnten, überbetonten Vokale heraus. „A Face in the Crowd“ bietet dann eine deutlichere Abkehr vom Vorbild: Williams betont den dunklen, balladesken Charakter des Songs, mit dumpfem Schlegelrhythmus beim Schlagzeug, tiefem Bass, dazu dunkle Gitarren – ein Höhepunkt. Ähnlich das atmosphärisch grandios umgesetzte „Southern Accents“ sowie „Room at the Top“ – letzteres erscheint als leicht psychedelischer Traum. „Wildflowers“ schaltet ebenfalls einen Gang zurück verglichen mit Petty, mit langsam-dezentem Schlagzeug, Bass, Wurlitzer E-Piano und knapper E-Gitarre klingt es eher wie eine letzte, versöhnliche Nummer bei einem sommerlichen Club-Gig neben einer Rollschuhbahn. Lucinda Williams streut die einzelnen Wörter teils besonders verzögert ein, das muss man ebenfalls mögen. „You Wreck Me“, mit seinem knallenden Snare-Tom-Rhythmus, ruft den Sound der Stones-Nummer „You Got Me Rocking“ ins Gedächtnis. Das Ergebnis mit Williams‘ unaufdringlich angezerrter Stimme und ihrer gewohnten Lässigkeit treibt voran, ohne zu hetzen – ein weiterer Anspieltipp. „You Don’t Know How It Feels“ verzichtet auf die prägnante Mundharmonika-Melodie und den knackig-prägnanten Rhythmus – stattdessen pflügt und rollt Williams‘ Truppe gewohnt verlässlich durch, was seinen eigenen Charme entwickelt. „Down South“ von Pettys „Highway Companion“ verleiht Lucinda Williams mehr Roots-Charakter mit Surf-Gitarren-Plätschern, fernab der monotonen Leichtfüßigkeit der ursprünglichen Fassung. Das stellt den Ohrwurmcharakter noch mehr heraus – ein weiteres Highlight. Mit „Stolen Moments“ schließt als 13.Song eine Eigenkomposition die Sammlung, als Tribut an Petty geschrieben: Über einen getragenen Midtempo-Rhythmus samt einer Bariton-Gitarrenmelodie reflektiert Williams, wie sie bei verschiedenen Gelegenheiten an den Songwriter denkt.

Voller, unaufdringlicher Klang

Einige der Cover-Versionen gehen musikalisch hervorragend auf – besonders jene, die atmosphärisch die Facetten der Originale erweitern, vor allem „A Face in the Crowd“, „Southern Accents“ oder „Down South“. In anderen Fällen wie „I Won’t Back Down“ hätte vielleicht eine deutlichere Abkehr vom Original zusätzlich spannende Facetten eingebracht. Dennoch klingt Lucinda Williams bereits aufgrund ihres Gesangs gewohnt eigenständig. Klanglich überzeugt das Album noch etwas eindeutiger, mit unprätentiös-zeitlosem Retro-Charme und beeindruckender Klangfülle. Das Bassfundament ist unaufdringlich tief, die Bassdrum etwa bei „Southern Accents“ kurz über dem Boden. Snare und Gitarren erscheinen natürlich dreidimensional und überlebensgroß. Gleichzeitig vermittelt die Produktion Druck und angenehme Kompression, ohne in Richtung Lautheit zu schielen. Lediglich bei den ersten Stücken klingen Schlagzeug und Gesang leicht übermäßig belegt, was sich später ausgeht. „You Don’t Know How It Feels“ wirkt leicht irritierend überbreit im Panorama gemischt – davon abgesehen ein klangliches Meisterwerk mit angenehmer Räumlichkeit.

LUCINDA WILLIAMS – RUNNIN‘ DOWN A DREAM – A TRIBUTE TO TOM PETTY

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 9
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