Leonard Cohen – Thanks for the Dance

Leonard Cohen starb 2016, kurz nach der Veröffentlichung seines letzten Albums, „You Want it Darker“. Bereits diese Platte setzte sich mit Sterblichkeit auseinander (Cohen textete im Titelsong beispielsweise „You Want it Darker / We Kill the Flame“). Das nun, gut drei Jahre später, erschienene Album „Thanks for the Dance“ greift jene Schaffensphase erneut auf und veröffentlicht weitere Aufnahmen.

Mit neun Songs und knapp einer halben Stunde Spielzeit ist die Produktion fast näher an einer EP als an einem herkömmlichen Album. Die Gesangsaufnahmen entstammen demnach derselben Session. Laut Cohens Sohn und Produzent Adam Cohen solle das Album nicht als Sammlung verworfener Songs oder B-Seiten betrachtet werden. Die Musik wurde mit zahlreichen Gästen aufgenommen, darunter neben Cohens bisherigem Begleitmusiker Javier Mas auch Daniel Lanois, Beck und Leslie Feist.

Schon beim Opener wird’s düster

„Happens to the Heart“ eröffnet die Sammlung mit einer düster-melancholischen, so berührenden wie eingängigen Ballade, kombiniert mit Leonard Cohens gewohnt punktgenau treffenden Formulierungen. Der Text zeugt von der Vergänglichkeit von Erlebnissen, allerdings weniger verbittert als auf „You Want it Darker“. Das sollte sich bei den restlichen Songs so fortsetzen. Die Atmosphäre – akustisch und eher minimalistisch gehalten, mit Klaviertönen, wenigen Streichern und Lauten-Einwürfen, ohne Drums – erinnert grob an Cohens Interpretation der letzten Johnny-Cash-Alben.

Ähnlich: „Moving On“. Cohens Rezitativ über eine vergangene Liebschaft wird mit Keyboards, Akustikgitarren und Mandoline unterlegt. Die Atmosphäre ‚saugt‘ den Hörer ein. Das grundtönige „The Night of Santiago“ mit Laute und leisen Claps erzählt ebenfalls von einer Liebesgeschichte. Der Text lädt zum Zuhören ein, lediglich die Musik wirkt monoton.

Songwriting auf den Punkt

Der Titelsong, als reduzierter Walzer mit Orgelsound im Hintergrund der Akustikgitarren arrangiert, fasziniert ebenso als Geschichtenerzählung. „It’s Torn“ –  ebenfalls ein Walzer – wirkt mystischer, mit verhallten Klängen. Hier kommt Cohens Songwriting noch mehr auf den Punkt, mit zielsicheren Antithesen und dem oft typisch dystopischen Grundton („It’s Torn in the Highest / From Kingdom to Crown / The Messages Fly / But the Network is Down“). Das gut einmütige „The Goal“ lässt sich als Cohens ultimativer Song zum Thema Sterben lesen („I’m Almost Alive / I’m Almost at Home“). Der Text wird gewohnt ruhig vor einer bewegenden Atmosphäre aus Laute, Klavier und Streichern vorgetragen. „Puppets“ porträtiert die Menschheit als fremdgesteuerte Geschöpfe, unterlegt mit verhalltem Klavier und Chor, was fast hypnotisch wirkt.

Leonard Cohen beweist einmal mehr sine Top-Songwriter-Qualitäten

Die nachträglichen Arrangements funktionieren – ähnlich wie schon bei Johnny Cash – größtenteils beeindruckend selbstverständlich. Die Songs zeigen weitgehend einmal mehr Leonard Cohens herausragende Stellung als Songwriter. Lediglich seine Stimme wirkt, als wäre sie in einem kleinen, belegten Raum aufgenommen – vermeintlich trocken, aber doch verhangen und nicht wirklich direkt. Auch plastische Dreidimensionalität, wie sie beispielsweise beim genannten Vergleich mit den „American“-Alben von Johnny Cash vorhanden ist, bleibt bei den Klängen auf Cohens neuem Album aus. Auch die Musik, deren minimalistische Arrangements oft Raum für einzelne Instrumente bietet, lässt Klangfülle vermissen und klingt oft genug belegt. Umgekehrt zeichnet sich das Album durch eine große Dynamikspanne aus, die nicht auf Kompression setzt.

LEONARD COHEN – THANKS FOR THE DANCE

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 10
Klang 7
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