Lana Del Rey – Chemtrails Over The Country Club

Lana Del Rey – Chemtrails Over The Country Club
Quelle: Urban/Universal

Der internationale Durchbruch kam für Lana Del Rey 2011 mit der ungewöhnlichen Streicherballade „Video Games“. Seitdem blieb sich die amerikanische Singer-Songwriterin darin treu, musikalische Folkpop-Randbereiche zu erschließen. Auch textlich erzählt sie dabei Geschichten, die mehr Tiefe als „herkömmliche“ Charts-Produktionen bieten. Das aktuelle Album „Chemtrails Over The Country Club“, ihr siebtes, spielt im Titel auf die Verschwörungstheorien um Chemtrails an und lotet Ruhepole zwischen Country und Folk aus.

Unaufdringlicher Singer-Songwriter-Folkpop

In „White Dress“ haucht Lana Del Rey eine Geschichte über eine Vergangenheit als Kellnerin ins Mikrofon. Das erscheint ambitioniert hoch gesungen, was gelegentlich in raues Flüstern überschlägt. Im Gegensatz zum ruhigen Klavier-Musikbett der Ballade wirkt der Gesang etwas gepresst, auch werden vereinzelt überlange Textzeilen in die Takte gequetscht, fast gerappt. Das bedarf kurzer Eingewöhnung, aber dann gilt: Das unaufdringliche Folkpop-Gesamtflair überzeugt, die repetitiven Reime hüllen ein. Der Titelsong, eine noch dezentere Klavierballade mit verschlafen-sirenenhaftem Gesang, elektrisiert noch mehr. Auf ähnliche Art arrangiert, allerdings mit ruhigem Retro-Beat unterlegt, dazu interessante, verhallte Chor-Einwürfe, überzeugt das melancholisch-eingängige „Tulsa Jesus Freaks“.

Minimalistische arrangierte, einhüllende Balladen

„Let Me Love You Like A Woman“ setzt, wie bereits die anderen Songs, auf ein Klavier-Akkordrezitativ, dazu sanft-dumpfe Percussion und im Refrain Einwürfe von Blues-Gitarren-Licks. Das hüllt ein, der Raum für Zwischentöne vermittelt Geborgenheit. „Wild At Heart“ überzeugt als teils hoch gesungene Folkballade mit Synthesizer-Streicher-Einwürfen – ein Höhepunkt. „Dark But Just A Game“ kombiniert Retro-Folk-Ästhetik mit Drum-Computer-R&B-Sounds, die sich harmonisch ins Gesamtbild fügen. Das Arrangement bietet abwechslungsreiche Experimente – samt eines unerwarteten, „episch“ ausgebreiteten Klavier-Arpeggios. „Not All Who Wander Are Lost“ ist wiederum eine minimalistische, sphärische Folkballade mit tollem mehrstimmigen Harmoniegesängen. Der eingängige Refrain ist etwas hoch gesungen mit leicht ambitioniertem Vibrato, insgesamt stellt der Song einen Höhepunkt dar. „Yosemite“ setzt auf dezent gezupfte Gitarrenmuster und leichte Percussion sowie Kontrabass und Holzbläser. Die Harmonien erscheinen etwas vorhersehbar, trotzdem entwickelt sich ein atmosphärischer Song. „Breaking Up Slowly“ ist melancholisch als Country-Ballade gehalten, mit dunklen E-Gitarren-Licks. Das Stück mit einem ergreifend vorgetragenen Ende einer Beziehung bietet einen weiteren Anspieltipp. Bei „Dance Till We Die“, ebenfalls eine epische Ballade, klingt Lana del Rey tiefer und gleichzeitig verträumt, untermalt von einem minimalistischen Arrangement aus E-Gitarre, Klavier, Streichern sowie einem Besen-Schlagzeug nahe der Stille. Das Wechselspiel der Harmonien in Strophe und Refrain verursacht eine Gänsehaut – der Höhepunkt des Albums. Die Joni-Mitchell-Cover-Version „For Free“ schließt die elf Stücke; die Ballade singt die Sängerin im Wechselspiel mit Zella Day und Weyes Blood. Dabei entsteht eine introvertierte Version des Songs, die zusätzlich durch Chorgesänge sowie Klanglandschaften aus Gitarren- und Orchestereinwürfen überzeugt.

Stimmiger „Klangteppich“ mit Raum für Zwischentöne

Das Album, das durchweg Balladen bietet, klingt schlichtweg angenehm: Auf wahrnehmbare Kompression verzichtet die Produktion gänzlich, stattdessen wird die „Luftigkeit“ großer Dynamikbögen praktisch zelebriert. Umgekehrt fehlen volle, klare Bassimpulse oder dreidimensional greifbare Einzelspuren. Am Ende stört das nicht, denn das atmosphärisch gelungene, oft verhallte Ergebnis hüllt nahezu meditativ ein. Statt sich als rein charts-orientierte Produktion ins Bewusstsein des Hörers hämmern zu wollen, bleibt Raum für Zwischentöne. Allein diese Freiheit, die sich Lana Del Rey nimmt, verdient Anerkennung. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Norman Fucking Rockwell“ wirkt „Chemtrails Over The Country Club“ noch introvertierter und subtiler. Die Qualität der Songs erschließt sich meist nicht beim ersten, sondern nach mehrfachem Hören – was für die „Langlebigkeit“ des Albums spricht.

LANA DEL REY – CHEMTRAILS OVER THE COUNTRY CLUB

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 8
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