Lana Del Rey – Blue Banisters

Lana Del Rey – Blue Banisters

Mangelnde Produktivität dürfte Lana Del Rey kaum jemand vorwerfen: Die amerikanische Singer-Songwriterin hat ihr achtes Album „Blue Banisters“ veröffentlicht, nur sieben Monate nach dem Vorgänger „Chemtrails Over The Country Club“. Sie bleibt sich darin treu, musikalische Folkpop-Randbereiche zu erschließen und erzählt dabei Geschichten, die mehr Tiefe als „herkömmliche“ Charts-Produktionen bieten.

Kitschfreie Folkpop-Schmachtfetzen mit Elektro-Einwürfen

Das Album startet mit „Text Book“, einer ätherischen Synth-Folkpop-Ballade, die sich teils mit interessanten Taktwechseln gegen Eintönigkeit stemmt. Darüber singt Lana Del Rey losgelöst und fast sirenenhaft. Der Titelsong, harmonisch ähnlich gehalten, bleibt noch ruhiger. Del Rey singt von Sinnsuche, der Hoffnung auf Erfüllung und unweigerlicher Enttäuschung – das Ergebnis ist eingängig. In der ebenfalls einprägsamen Schmachtballade „Arcadia“ vereint sie Schmerz und Kitsch zu einer einhüllenden Klangwolke, samt leise angedeuteten Bläserelementen. Das „Interlude – The Trio“ stellt einen Stilbruch dar, vereint zackigen Elektro-Downbeat mit mexikanisch anmutenden Bläsern und verschwindet schließlich im Hall. „Black Bathing Suit“ bleibt minimalistischer, mit Hallwolken und elektrisch bearbeiten Folk-Drums – ein eingängiger Höhepunkt; bei dem sich im Refrain ein Echo gegen den Takt auflehnt.

Raum für Retro-Anklänge

Die schöne Ballade „If You Lie Down With Me“ träumt von erfüllter Zweisamkeit – ein Mitsing-Höhepunkt. Die Klavierballade „Beautiful“ hingegen ist von erwartbaren Harmonien geprägt. Bei „Violets For Roses“ geht das „Schmacht-Konzept“ wiederum verlockend auf. Die Nummer „Dealer“ stellt einen Ausbrauch aus den Balladen-Korsett dar und bietet Soul-Downbeat mit abgedämpftem Bass und dunklem Schlagzeug. Lana Del Ray singt hier vergleichsweise laut, in anklagender Verzweiflung und mit leicht angezerrter Stimme. „Thunder“ ist mit dumpfer Akustikgitarre und Streichern produziert, ein Klavier erklingt wie durch Watte, eine leichtfüßige, cleane E-Gitarre rundet den eingängigen, sanft wiegenden Song ab. „Wildfire Wildflower“ glänzt mit gelungenen Textzeilen – die Harmonien wirken allerdings unzugänglich. „Living Legend“ zeigt einmal mehr die Qualitäten der Komponistin auf: Mit Klavier und Akustikgitarre klingt das nach einem zeitlosen Folksong, samt gelungenem Storytelling. Das verträumte „Sweet Carolina“, bei dem sich Lana Del Ray in vibrato-geschwängerte, sirenenhafte Höhen schraubt, schließt die 15 Stücke passend ätherisch.

Voller Klang ohne wahrnehmbare Kompression – stattdessen „luftige“ Atmosphäre

Wie der Vorgänger bietet „Blue Banisters“ fast nur Balladen. Hat „Chemtrails Over The Country Club“ noch Retro-Folk-Nischen ausgelotet, erscheint „Blue Banisters“ etwas moderner produziert, weniger introvertiert und mit mehr elektronischen Elementen. Das Ergebnis lässt sich mindestens genauso angenehm hören: Voller Klang mit solidem Fundament, dabei ist keine „klassische“ Kompression wahrnehmbar, die Dynamik bleibt luftig. Im Gegensatz zum Vorgänger lassen sich Bassimpulse und einzelne Bestandteile besser heraushören. Bei „If You Lie Down With Me“ sind beispielsweise tolle Tiefbässe klar wahrnehmbar. Lediglich im Stereobild ist das Album bei einzelnen Songs leicht verwaschen. Das Ergebnis erscheint atmosphärisch gelungen, dadurch noch „meditativer“ und ganzheitlicher. Die Qualität der Songs ist ähnlich gut wie beim Vorgänger und bietet Raum bei mehrfachem Hören entdeckt zu werden – wenngleich manches im Arrangement oder in den Gesangsphrasen gewollt sperrig erscheint, und umgekehrt bei einzelnen Songs oft gehörte Harmonien dominieren. Insgesamt bleibt ein absolut hochwertiges, gut durchhörbares, atmosphärisches „Herbst-Album“, dessen Abmischung im Vergleich mit aktuellen Chart-Produktionen vorbildlich ist.

LANA DEL REY – BLUE BANISTERS

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 9
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