Laid Back – Healing Feeling

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Das Kopenhagener Pop-Duo Laid Back feiert aktuell sein 40-jähriges Bestehen. Passend dazu haben Gitarrist und Sänger John Guldberg und Keyboarder Tim Stahl eine remasterte Neuauflage ihres gleichnamigen Debüts veröffentlicht. Parallel hierzu erschien mit dem Album „Healing Feeling“ neues Material.

Dessen Opener „Give it Free“ beginnt mit dem minimalistischen Groove einer typischen 1970er-Jahre-Rhythmusmaschine, dazu kommen zwei Synthesizer-Akkorde als Offbeat-Synkopen – das erinnert an das typisch entspannte Reggae-Pop-Feeling der Band. Gelegentlich schweben einzelne Melodien einer Gitarre scheinbar losgelöst über dem angenehm funktional-asketischen Gerüst. Die Guldbergs Stimme klingt naturgemäß etwas älter – brüchiger und bedächtiger – als vor Jahrzehnten. Davon abgesehen, erscheinen die Vocals umgehend mit der vertrauten Mischung aus entspanntem Sprechgesang und Melodieeinlagen und bilden die Spannweite zwischen den Hits „Sunshine Reggae“ und dem eigenbrötlerisch erzählten „Bakerman“ ab.

„Keep on Loving“ erscheint als angenehm eingängige Chillout-Lounge-Nummer, fast im Zeitlupentempo, mit einzelnen frechen Synth-Einwürfen und einer Frauenstimme untermalt. Der Text erscheint, ähnlich wie der von „Bakerman“, fast dadaistisch aus einzelnen Phrasen zusammengesetzt. Genau diese Nonchalance macht am Ende den unweigerlichen Charme der Band aus. „Love Is a Flower“ erscheint wiederum als „flotte“ Chillout-Nummer mit reduzierten Harmonien und abstraktem Text, darüber eine in Hall getauchte, geschmackvoll gespielte, cleane Melodiegitarre.

„Walk with the Dreamers“ wird Reggae-typisch durch kurze Steel-Drum-Einlagen ergänzt, erscheint insgesamt vergleichsweise geschäftig. Der Titeltrack „Healing Feeling“ wirkt dagegen eher belanglos. Ansonsten finden Experimente im kleinen Rahmen statt: „Enjoy the Vibes“ webt Eurodance-Elemente und Vocoder-Sounds mit ein, „Next Life“ integriert Akustikgitarre und Akkordeonklänge, „Deep inside Your Mind“ ist im House-Stil gehalten. Abgeschlossen wird das Album durch ein ungewöhnlich ruhiges Disco-Cover von „House of the Rising Sun“, das überraschend gut funktioniert.

Klanglich werden die minimalistischen Arrangements auch als solche präsentiert. Die Einzelsounds sind zwar angenehm vordergründig und aufgeräumt produziert, gleichzeitig verzichtet die Band auf „bügelnde“ Kompression. Das würde dem Entschleunigungs-Konzept entgegenwirken. Stattdessen kann sich schlicht die Musik entfalten. Dabei bleibt Raum für die Dynamik darüberliegender Instrumente wie einzelner Gitarren- oder Synth-Noten, die auf dem sparsamen Musikbett aufbauen, statt in den Mix einkomprimiert zu werden. Lediglich der Gesangs-Sound wirkt leicht mittig belegt, und etwa bei „Give it Free“ und „Walk with the Dreamers“ erscheinen einzelne Klänge im Stereobild unangenehm breit. Bei „Healing Feeling“, „Enjoy the Vibes“ und „Number One“ stellen sich leichte Ansätze von Schärfe im unteren Höhenbereich ein.

Die elf Songs erscheinen mit ihrem Minimalismus mehr als gelassene Demo- denn als ausgefeilte Hochglanz-Produktion. Insgesamt kann und will sich der Hörer dem Gefühl der Entspannung, das der überwiegende Teil des Albums vermittelt, vermutlich nicht entziehen. Damit werden auch sommerliche Temperaturen um 35 Grad umgehend erträglicher. Die Hallfahnen der Background-Vocals erscheinen wie eine Brise (oder ein Ventilator) am Strand unter gleißender Sonne, freilich beobachtet aus dem halbwegs sicheren Blickwinkel unterhalb eines farbigen Sonnenschirms.

BEWERTUNG LAID BACK – HEALING FEELING

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 7
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