Kopfhörerverstärker SPL Phonitor x

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SPL Phonitor x

Vor zehn Jahren sorgte SPL mit seinem ersten Kopfhörerverstärker namens Phonitor für viel Wirbel im Pro Audio Markt. Allerdings hatten auch Hifihörer schnell Blut geleckt und der Phonitor entwickelte sich zum Geheimtipp in High-End-Kreisen. Der neue SPL Phonitor x bringt das innovative Konzept nun endgültig ins heimische Wohnzimmer.

Vor ungefähr elf Jahres war es mal wieder soweit. SPL-Entwickler Hermann Gier frönte des Nachts mal wieder seinem Hobby und mixte und masterte in seinem Arbeitszimmer. Da er seine nebenan schlafende Tochter nicht wecken wollte, hörte er konsequent über Kopfhörer ab. Doch das Mixen und Mastern wollte nicht so recht gelingen, es fehlte die Vorneortung. Es keimte der Wunsch, über Kopfhörer genauso gut abhören zu können wie über Lautsprecher. Naturgemäß liegt die Phantommitte beim Hören mit Kopfhörer genau mittig im Kopf des Hörers, da das Übersprechen zwischen den beiden Ohren wegfällt. Gier hatte nun den Einfall, einen Kopfhörerverstärker zu entwickeln, der eben genau dieses Übersprechen simuliert und damit die Phantommitte wie beim Abhören mit Monitoren vor den Hörer bringt.

SPL Professional Fidelity Serie
Die komplette Professional Fidelity Serie: SPL Phonitor x (oben links), darunter der DAC/Vorverstärker Director, Phonovorverstärker Phonos und rechts die Endstufe Performer s800

Das Ergebnis seiner Entwicklungsarbeit war der vor zehn Jahren präsentierte Kopfhörerverstärker Phonitor mit seinen raffiniert konstruierten analogen Matrixschaltungen. Der Phonitor schlug in Studioszene ein wie eine Bombe, und auch viele Hifi-Hörer waren angefixt. Naheliegend also, dass der Phonitor auch Teil von SPLs High End Serie Professional Fidelity werden musste. Dafür wurde er nochmals überarbeitet und für Hifi-Anforderungen optimiert. Dabei hat man die Qual der Wahl: Der Phonitor e (1.399 Euro UVP) ist eine reduzierte Version des Phonitors mit geringerem Funktionsumfang, der getestete SPL Phonitor x (2.099 Euro UVP), die „Deluxe-Ausführung“ wartet mit deutlich mehr Einstellmöglichkeiten auf.

Aufbau und innere Werte

Optisch stand der Ur-Phonitor mit seiner gerundeten Frontplatte für die ganze Professional Fidelity-Serie Pate. Das Design wurde etwas verschlankt und modernisiert, die Frontplatte ist wie bei den anderen Geräten der Serie nun aus schickem, gebürstetem Aluminium gefertigt und in schwarz, silber oder rot erhältlich.
Neu am SPL Phonitor x ist der zusätzliche symmetrische Kopfhöreranschluss mit 4-Pol-XLR-Buchse auf der Front, der logischerweise von zwei Endstufen betrieben wird, die insgesamt doppelt so viel Leistung bringen wie die des unsymmetrischen 6,3 mm Klinkenanschlusses. Wird an beide Kopfhörerausgänge ein entsprechender Kopfhörer eingestöpselt, bleibt der symmetrische Kopfhörerausgang stumm.

Kopfhörerverstärker SPL Phonitor x
Der SPL Phonitor x verfügt über Cinch- und XLR-Lineausgänge. Zusätzlich zu den analogen XLR- und Cincheingängen kann ein optionales DAC-Modul mit USB, Koaxial- und optischem Eingang erworben werden.

Alle Bedienelemente sind wie bei SPL üblich sehr hochwertig ausgeführt, man spürt beim Betätigen der Regler und Schalter deren Qualität. Die metallenen Kippschalter stammen aus der Messtechnik und geben ein präzises Klacken von sich, wenn man umschaltet. Die kleineren, gerasteten Drehregler für die Matrix-Parameter rasten ebenfalls präzise ein und sind sehr griffig. Das gilt auch für den großen Drehknopf des Lautstärkereglers, der auf ein motorisiertes ALPS-Potentiometer arbeitet. Das Potentiometer ist über jede – nicht mitgelieferte –Universalbedienung fernsteuerbar.
Der SPL Phonitor x besitzt je einen XLR- und Stereo-Cincheingang für den Anschluss an Studio- und Heimequipment, sowie Cinch- und XLR-Line-Ausgänge und kann als Vorverstärker aktive Monitore oder eine Endstufe ansteuern. Zudem gibt es eine Digital-Erweiterungsoption mit zusätzlichen Digitaleingängen: Für einen Aufpreis von 300 Euro bietet SPL ein DAC-Modul mit USB, sowie einem coaxialen (SPDIF) und optischen (TOSLINK) Eingang an.
Die Verstärkerschaltung arbeitet mit der inzwischen viel gerühmten SPL Voltair 120-Volt-Technik. Die verbauten Operationsverstärker werden vom großzügig dimensionierten, intern verbauten Netzteil mit einer Gleichspannung von ±60 Volt versorgt und liefern ein äußerst dynamisches und gleichzeitig entspanntes Klangbild.

Lust am Experimentieren

Da die Phonitor-Matrix im aktuellen Testgerät eher für die Bedürfnisse von High-End-Musikhörern entwickelt wurde, hat man im Hause SPL ein paar „unnötige“ Features weggelassen: den Phasenumkehrschalter und die M/S-Funktionen. Davon abgesehen arbeitet der SPL Phonitor x immer noch nach dem damaligen, seinerzeit von SPL patentierten Prinzip: Ein fünfstufiger Crossfeed-Schalter erzeugt ein bewusstes Übersprechen, indem frequenzabhängige Anteile beispielsweise des linken Kanals leicht laufzeitverzögert auf den rechten zugemischt werden – und umgekehrt. Dabei wird die Stärke des Übersprechens, also der Betrag, aber auch die Phase variiert. Dies geschieht mit über den vierstufigen Angle-Regler, der damit verschiedene Lautsprecherpositionen und somit Abstrahlwinkel zum Hörplatz simuliert. Auf diese Art entsteht auf wundersame Weise im Kopf des Hörers eine nach vorne gerichtete Ortung, die über normales Kopfhörer-Hören so nicht möglich ist. Über die genauen Details dieser Technik schweigen sich die Entwickler aus. Im informativen und gut aufbereiteten Handbuch findet sich aber eine Tabelle mit für den jeweiligen Winkel zum Hörplatz empfohlenen Crossfeed-Einstellungen. Am Ende entscheidet aber immer das eigene Ohr – hier ist ausführliches Ausprobieren und Hören angesagt, was letztendlich aber auch den Spaß ausmacht. Selbstverständlich lässt sich die Matrix auch abschalten, der SPL Phonitor x arbeitet dann wie ein konventioneller Kopfhörerverstärker. Auch Monobetrieb steht zur Wahl, für Stereo gibt es zudem den Laterality-Modus, eine Art erweiterte Balance-Regelung, die empfundene Lautstärkeunterschiede zwischen den Kanälen ausgleicht. Mit dem Outputschalter lässt sich das Kopfhörersignal stumm schalten oder auf eventuell angeschlossene Lautsprecher wechseln. Last but not least besitzt der SPL Phonitor x zwei Quellenschalter für die analogen und optionalen digitalen Eingänge.

Im Messlabor

Kopfhörerverstärker SPL Phonitor x
Der SPL Phonitor x steckt voller hochwertiger Elektronik.

Im Labor lieferte der SPL Phonitor x einmal mehr tadellose Messwerte. Der Noisefloor im FFT-Spektrum liegt durchschnittlich unterhalb -130 Dezibel, wobei einzelne Peaks bei k2 und k3 bis gerade einmal -120 Dezibel reichen. Damit hat er sich in Hinblick auf die Vorgängerversion Phonitor 2 noch verbessert, bei der der Durchschnitt bei -120 dB lag. Der Klirrfaktor liegt bei einem Durchschnittswert von 0,0007 Prozent – der SPL Phonitor x klirrt also nicht. Fremdspannungsabstände von 100,5 Dezibel und ein Geräuschspannungabstände von 103 Dezibel sprechen ebenfalls eine eigene Sprache. Die maximalen Ausgangs- und Eingangspegel liegen beide außerhalb der Messgrenzen bei über 30 dBu.

Und wie klingt‘s?

Mit einem Wort: phantastisch. Den Hörtest führten wir selbstverständlich ausführlich sowohl mit als auch ohne Matrixfunktion durch und verglichen immer wieder mit unserer Kopfhörerverstärker-Referenz Violectric HPA V281. Als Kopfhörer kamen unter anderem die Referenz Audeze LCD-X sowie der legendäre Sennheiser HD600 zum Einsatz.
Der SPL Phonitor x lieferte immer ein pieksauberes, ehrliches und ungemein dynamisches Klangbild. Seine Musikwiedergabe wirkt immer sehr kontrolliert. Selbst heftigste Impulse gab er völlig gelassen und mit Verve wieder – in dieser Hinsicht war er dem erstklassigen Violectric-Kopfhörerverstärker sogar etwas überlegen. Egal ob wuchtige Bassdrumschläge, anschwellende Streicherpassagen oder wilde Schlagzeugsoli, der SPL Phonitor x klang immer völlig souverän und geschmeidig – und bietet sogar noch jede Menge Headroom. Das Auflösungsvermögen ist tadellos. Einen Eigenklang in dem Sinne hat er nicht: Stattdessen klingt er völlig neutral und arbeitet so die unterschiedlichen Klangeigenschaften hochwertiger Kopfhörer heraus und stellt diese ins Rampenlicht.
Das Experimentieren mit der Matrix war zwar anfangs etwas ungewohnt, machte aber ungemein Spaß und brachte tatsächlich das versprochene Hörerlebnis: Plötzlich wanderte die Phantommitte tatsächlich nach vorne und breitete auch die Hörbühne vor dem Hörer aus. Der Effekt war in allen möglichen Einstellungen nicht übertrieben stark ausgeprägt, sondern fühlte sich sehr natürlich an. Im Vergleich zum Abhören mit Monitoren ist die Bühne definitiv vorhanden, aber etwas weniger tief ausgeprägt. Schnell zeigte sich, dass nicht jede Einstellung zu jedem Stück passte. Live-Aufnahmen mit natürlicher Bühnendarstellung zum Beispiel verlangten völlig andere Einstellungen als kompakt klingende elektronische Tracks. Das weckt die Lust am Experimentieren, welche Parameter sich für welche Aufnahme am natürlichsten anfühlen – auch dank der angenehmen Haptik der Bedienelemente eine große Freude.

Fazit

SPL überträgt mit dem Phonitor x erfolgreich seinen Pro Audio-Klassiker ins heimische Wohnzimmer. So kommen auch Heimanwender in den Genuss der innovativen Phonitor-Matrix und erleben ein völlig neues Kopfhörerhören. Als Vorverstärker und mit digitaler Erweiterungsoption ist der SPL Phonitor x auch ohne den Rest der Professional Fidelity-Serie weit über die typischen Grundfunktionen eines Kopfhörerverstärkers hinaus universell als exzellent klingender Vorverstärker einsetzbar.

STECKBRIEF SPL PHONITOR X

Weitere Informationen

Abmessungen BxTxH 278 x 335 x 100 mm
Gewicht 4,3 kg
Preis 2.099 €

AUSSTATTUNG
Kopfhörerausgänge 1x 6,3 mm Stereoklinke, 1x symmetrisch
Analoge Eingänge 2x XLR, 2x Cinch
Digitale Eingänge optional: koaxial, Optisch, USB-B
Analoge Ausgänge 2x XLR, 2x Cinch
Digitale Ausgänge nein
Impedanz Kopfhöreranschluss 0,36 Ohm (symmetrisch),  0,18 Ohm (unsymmetrisch)

SONSTIGE FUNKTIONEN
Matrix On/Off, Crossfeed, Angle,  Stere/Mono-Umschaltung,  Laterality, Eingangswahl, Digitaloption, Speaker output/ Mute

ZUBEHÖR
Netzteil, Handbuch

MESSWERTE
maximaler Ausgangspegel > +30dBU
Geräuschspannung 103,0 dBU
Fremdspannung 100,5 dBU
Verzerrungen über Frequenz max 0,0007 %