Kopfhörerverstärker SPL Phonitor mini

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SPL Phonitor Mini

Mit dem SPL Phonitor mini offeriert SPL einen Kopfhörerverstärker der Extraklasse zu einem hervorragenden Preis- Leistungsverhältnis.

Vor knapp zehn Jahren präsentierte die Pro-Audio-Gerätemanufaktur SPL ein völlig neuartiges Konzept für einen Kopfhörerverstärker, der auf den Namen Phonitor hörte. Mittels clever konstruierter analoger Matrixschaltungen lieferte schon das damalige Modell mit Kopfhörern ein Hörerlebnis, das in Sachen Räumlichkeitswahrnehmung und Ortbarkeit dem von Abhörlautsprechen sehr nahe kam. Insbesondere Recording-Ingenieure und Masteringprofis lernten die Vorzüge des Phonitor sehr schnell schätzen. Später präsentierte SPL mit dem SPL Phonitor 2 das nochmals verbesserte Nachfolgemodell. Dieser besitzt eine noch üppigere Ausstattung, darunter eine Lautstärkefernsteuerung und ist zudem als klassischer Vorverstärker einsetzbar und besitzt natürlich auch die SPL-120 Volt-Technik. Der UVP beträgt attraktive 1.650 Euro. Nicht nur in den großen und kleinen Studios machte der Phonitor 2 weltweit Karriere, auch unter audiophilen Musikliebhabern und High-Endern fand er begeisterte Anhänger. Doch insbesondere der letztgenannten Zielgruppe ist der Phonitor 2 meist viel zu üppig ausgestattet, viele Funktionen werden nicht gebraucht. Gewünscht wird vielmehr ein schlanker, ranker Kopfhörerverstärker mit allen Vorteilen der Phonitor-Technologie und natürlich der 120 Volt-Technik. Und genau dieses Gerät stellte die Manufaktur aus Niederkrüchten bei Mönchengladbach mit dem SPL Phonitor mini zum Kampfpreis von 719 Euro vor.

Verarbeitung und innere Werte

Wie bei allen SPL-Geräten ist Materialauswahl und Fertigungsqualität beim SPL Phonitor mini über jeden Zweifel erhaben. Dank seiner abgesetzten gebürsteten Alufront wirkt er außerdem sehr elegant und wertig und dürfte selbst verwöhnte Musikhörer begeistern. Das üppig dimensionierte Netzteil stellt den SPL-Operationsverstärkern eine Arbeitsspannung von 120 Volt zur Verfügung, was ein sehr aufwändiges Schaltungsdesign und großen Aufwand bei der Bauteileselektion zu Folge hat. Vorteil der 120 Volt-Technik ist eine extreme Übersteuerungsfähigkeit und ein Maximalpegel, der um 10 Dezibel über dem vergleichbarer Verstärkerkonzepte liegt. Außerdem sinken Klirrwerte und Störspannungen auf Beträge, die an der Grenze der Messbarkeit liegen, wie sich im Messlabor herausstellte. Summa summarum soll die 120 Volt-Technik exzellenten Klang garantieren, und genau darauf kommt es ja an.

SPL Phonitor mini
Der SPL Phonitor mini ist vollgestopft mit hochwertiger Elektronik. Bemerkenswert sind das blaue Alps-Poti links und der große Ringkerntrafo für das 120 Volt-Netzteil.

Apropos Bauteile-Auswahl: Auch im SPL Phonitor mini verwendeten die Entwickler das hochwertige Alps-Potentiometer RK27 aus dem Phonitor 2, umgeschaltet wird im Inneren mit ausgesuchten Relais, die wiederum durch Kippschalter aus der Messtechnik auf der Alufront befehligt werden. Und umzuschalten gibt es beim SPL Phonitor mini eine ganze Menge. Alleine fürs Einstellen der Parameter Crossfeed, Angle und Center sind drei dreistufige Schalter zuständig. Mit diesen Parametern beeinflusst man die Wirkung einer aufwändigen Matrixschaltung, die den Höreindruck einer Lautsprecherwiedergabe über Kopfhörer simuliert.

Die Lautsprechersimulation

SPL Phonitor mini
Die Front des SPL Phonitor mini

Dass dies überraschend gut funktioniert, haben die Modelle Phonitor und Phonitor 2 schon hinreichend bewiesen. Bei einer konventionellen Wiedergabe über Kopfhörer wird das Panorama der Musik mit ihrer 180 Grad Stereobasis sozusagen im Kopf dargestellt, die Centermitte befindet sich sogar mitten im Kopf. Dies erlaubt zwar ein ungemein präzises Hineinhören in die Musik und offeriert eine enorme Detailfülle, natürlich abhängig von der Qualität des Kopfhörers. Dennoch wirkt diese Art der Wiedergabe letztendlich unnatürlich und hat mit dem „normalen“ Hören in Sachen Raumabbildung und Ortbarkeit wenig gemein. Hier greift nun die Phonitor-Matrix ein. Sie erzeugt ein bewusstes Übersprechen des linken Kanals auf den rechten und umgekehrt. Dies entspricht im Prinzip dem konventionellen Hören über Lautsprecher, wo jedes Schallereignis zuerst das nächstliegende Ohr und mit einer Laufzeitverzögerung dann das andere erreicht. Per Crossfeed-Parameter „Med“, „High“ oder „Low“ verändert man nun das Pegelverhältnis von direktem und Laufzeit verzögertem Schall und damit die virtuelle Stereobasisbreite sowie den Einfluss von Raumgröße-, Charakteristik und Lautsprecheraufstellung. Für diese Simulation ist eine relativ komplexe, analoge Matrixschaltung verantwortlich.

Mit den Speaker-Angle-Parametern (22°, 30° und 40°) lassen sich die Laufzeitverzögerungen verändern und somit der Abstand der virtuellen Lautsprecher zueinander, also deren Einstrahlwinkel zum „Hörplatz“. Akustisch wird dadurch Einfluss auf die Stereobreite genommen. Der Clou ist: Crossfeed- und Speaker-Angle-Parameter interagieren miteinander. Je nach Pegel verändert sich nicht nur die Pegeldifferenz sondern auch der Laufzeitwert. In der Praxis bedeutet das, man muss verschiedene Schalterstellungen für Crossfeed und Angle miteinander kombinieren, bis der optimale Höreindruck entsteht. In Konsequenz sind beide Parameter nur gemeinsam aktivierbar und selbstverständlich lässt sich die komplette Matrix auch abschalten, der Phonitor arbeitet dann wie ein konventioneller Kopfhörerverstärker.

SPL-Phonitor mini
Dank der symmetrischen XLR- und der un-symmetrischen Chinch-Eingänge ist der SPL-Phonitor mini sowohl in eine Studioumgebung als auch in der HiFi-Anlage einfach zu integrieren.

Mit dem Kippschalter „Center“ (-0,6 dB, OFF, -1,2 dB) offeriert der Phonitor mini ferner die Möglichkeit, die Lautstärke der Phantom-Mitte abzusenken. Eine M/S-Encodier- und Decodierschaltung splittet dabei das Stereo-Signal in Mitten- und Seitensignal auf, dämpft es entsprechend, mischt anschließend dass so bearbeitete und decodierte M/S-Signal zum Stereo-Signal wieder hinzu und erzeugt so die besagten 0,6 oder 1,2 Dezibel Dämpfung des Centersignals. Selbstverständlich lässt sich der Phonitor mini auch auf Mono schalten, was zur Überprüfung der Monokompatibilität einer Aufnahme unabdingbar ist. Eine Schalterstellung „Mute“ existiert ebenfalls, Diese sollte beim Einstöpseln des Kopfhörers gewählt werden, um unerwünschte Knackser zu vermeiden. Last but not least besitzt der Phonitor mini einen zweistufigen Eingangsumschalter für die XLR- und Cinch-Anschlüsse auf der Rückseite. Damit avanciert der kleine Bolide endgültig zum universellen Arbeitsinstrument, als Abhörverstärker in der Studioumgebung fürs Mischen und Mastern oder als ultimativer Kopfhörerverstärker in der HiFi-Anlage.

Die Messergebnisse

Im Labor zeigte der Phonitor mini, was die 120 Volt-Technik messtechnisch bewirkt. Der Messcomputer Audio Precision 2700 kam definitiv an seine Grenzen. Fremdspannungsabstände von 98,6 Dezibel und eine Geräuschspannung, die 103 Dezibel unter dem Nutzsignal liegt, sprechen hier Bände – besser geht´s kaum. Die FFT-Kurve offenbart, dass das eigentliche Rauschen mit 125 Dezibel gedämpft und lediglich bei 50 Hertz ein um 103 Dezibel gedämpftes Brummsignal erscheint, das definitiv völlig unhörbar ist. Der Phonitor mini klirrt nicht, anders kann man den Klirrfaktor von 0,0015 Prozent nicht beschreiben. Der Frequenzgang gleicht dem sprichwörtlichen Strich. ¬Ein Kommentar erübrigt sich.

So klingt der Phonitor mini

Zuerst einmal im Normalmodus ohne Crossfeed-Technik betrieben, zeigt der SPL Phonitor mini ein ungemein klares, dynamisches und fein aufgelöstes Klangbild. Interessanterweise hat man immer wieder das Bedürfnis, noch ein bisschen mehr aufzudrehen, denn das Klangbild ist von einer Sauberkeit und Unbeschwertheit, dass dabei niemals der Eindruck von Lästigkeit entsteht. Dafür schon mal ein ganz großes Kompliment. Als dann aber der Kippschalter auf „Matrix“ umgelegt wird, stutzt man wieder einmal und ist zunächst verwirrt ob des gänzlich veränderten Höreindrucks. Sehr schnell aber verwandelt sich diese Verwirrung in Erstaunen und bei häufigerem Herumspielen an den Schaltern für Crossfeed und Angle in Begeisterung. Den Entwicklern ist es anscheinend gelungen, den jeweiligen Schalterstellungen die richtigen Parameter zuzuordnen, um für jedes Musikstück sehr schnell die richtigen Einstellungen zu finden. Die muss, oder besser gesagt, kann man sich nämlich für jedes Musikstück erarbeiten. Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gefühl, bei welcher Art von Musik oder Darbietung welche Schalterstellungen die richtigen sind. In jedem Fall verändert sich der Höreindruck völlig. Tatsächlich wandert die Hörbühne nach vorne, Instrumente und Vocals stehen nebeneinander, wie man das von der Lautsprecherwiedergabe gewohnt ist. Das Klangbild steht dreidimensional vor dem Hörer und das lässt sich per Crossfeed-, Angle- und Center-Schalter optimieren. Insbesondere mit dem Center-Schalter kann man die räumliche Homogenität verfeinern und beim Mix zweifelsfrei feststellen, ob das Centersignal richtig integriert ist. Diverse Umschaltvergleiche zwischen Kopfhörerwiedergabe und Abhören über die Studiomonitore bestätigen das. Damit avanciert auch der SPL Phonitor mini zum idealen Abhörinstrument für Misch- und Masteringaufgaben. Als exzellenter Kopfhörerverstärker für sehr anspruchsvolle HiFi-Hörer beweist er sich zweifelsfrei ebenso. Beim Zurückschalten während des Musikhörens auf „Normal“-Betrieb erscheint die klassiche180 Grad Stereobasis auf einmal als lästig und eher unangenehm – zumindest geht es vielen Hörern im Test so.

Fazit

Zusammenfassend konstatieren, dass der SPL Phonitor mini klanglich absolut überzeugt hat. Er bereichert das Abhörinstrumentarium um eine professionelle Option, die trotz oder gerade wegen der gegenüber dem Phonitor 2 reduzierten Einstellmöglichkeiten sehr schnell zu exzellenten Hörergebnissen führt. HiFi-Fans sollten den SPL Phonitor mini als Geheimtipp notieren.

STECKBRIEF SPL Phonitor mini

Weitere Informationen

Preis 719 Euro
Gewicht 2 kg
Abmessungen (B x T x H): 144 x 257 x 44 mm

AUSSTATTUNG
Kanäle 1x Stereo
analoge Eingänge
2xXLR (elektronisch symmetriert), 2x Cinch
analoge Ausgänge 1 x Kopfhörer 6,3 mm
Impedanz Kopfhörer-Anschluss 0.18 Ohm
Bedienelemente 1 Drehregler, 6 Kippschalter

FUNKTIONEN
Crossfeed simuliert das gegenseitige Übersprechen von Lautsprechern (drei Intensitäten)
Speaker Angle simuliert Laufzeiten bei unterschiedlichen  Aufstellwinkeln von Lautsprechern (22°, 30°, 40°)
Center Level Lautstärkeabsenkung der Phantom-Mitte -06dB, -1,2dB

MESSWERTE
Geräuschspannung 102 dB
Fremdspannung Mikrofon 98 dB
Verzerrungen über Frequenz max 0,003%