Kopfhörer Hifiman Sundara

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Hifiman Sundara

Testsiegel Hifiman SundaraMit dem neuen Hifiman Sundara bietet der chinesisch-amerikanische Hersteller einen edlen Magnetostaten an, der anders als die anderen Modelle im Firmenportfolio knapp unter der 500 Euro Marke bleibt. Klanglich geht der Neue aber keine Kompromisse ein.

Auf dem stetig wachsenden Kopfhörermarkt ist es eine Tendenz, dass renommierte Hersteller neben ihrem „normalen“ Consumer-Programm auch Spitzenmodelle zu ebensolchen Spitzenpreisen veröffentlichen. Neben dem Vorreiter Sennheiser HE-1, der als Elektrostat mit dazugehörigem Verstärkersystem für knapp 50.000 Euro zu haben ist, hat auch Hifiman inzwischen mit dem Shangri-La ein solches Top-Modell zum gleichen Preis im Programm. Auch die Referenzmodelle, wie der mit Bestnoten ausgezeichnete HE-1000 V2, sind teilweise deutlich über der 1.000-Euro-Marke dotiert. Umso erfreulicher, dass Hifiman auch hochwertige Produkte im Preissegment unter 500 Euro anbietet. Der Hifiman Sundara, als Magnetostat in offener Over Ear- Bauweise das neueste Mitglied der Hifiman-Familie, scheint dabei weder in der Verarbeitung noch im Klang irgendwelche Kompromisse gegenüber den „großen“ Modellen einzugehen. Daher ist der Hifiman Sundara eine gute Option für Toningenieure wie Musikliebhaber, für einen Bruchteil des bislang dafür nötigen Geldes in den Genuss eines echten Edel-Magnetostaten zu kommen.

Clever konstruiert

Das aus dem Sanskrit stammende Wort Sundara bedeutet so viel wie „Schönheit“ oder „Anmut“, und dementsprechend wird der Hifiman Sundara dem Käufer auch dargereicht. Der Transportkarton ist innen ausgelegt mit einer Schaumstoffform samt edlem schwarzem Samtüberzug, in die der Kopfhörer gebettet ist. Das macht bereits das Auspacken zum Erlebnis und man bekommt Lust auf mehr. Der Kopfbügel des Hifiman Sundara ist aus schwarz eloxiertem Federstahl gefertigt, darunter sitzt ein bequemes Kopfband aus Kunstleder. Die Aufhängung der Kopfhörermuscheln ist genau wie die Muscheln selbst aus leichtem, aber robustem, ebenfalls schwarz eloxiertem Aluminium gefertigt. Durch diesen Materialmix ist der Hifiman Sundara mit 372 Gramm verhältnismäßig leicht, macht dabei aber einen absolut robusten und langlebigen Eindruck.

Hifiman Sundara
Edel: Der Hifiman Sundara kommt in einer mit Satin ausgelegten Box.

Der Verstellmechanismus sitzt unterhalb einer Kunststoffvorrichtung, die Muschelaufhängung wird dort hineingeschoben. Die Raststufen sind dabei recht schwergängig, das Verstellen des Hifiman Sundara ist ein deutlich höherer Kraftakt, als wir das von den meisten Kopfhörern gewohnt sind. Dafür bleibt der Bügel dann aber auch bombensicher auf Position. Die Kopfhörermuscheln des Hifiman Sundara lassen sich nach oben und unten schwenken, nicht aber seitlich. Das ist auch gar nicht nötig, denn genau wie der HE1000 V2 wurde der Hifiman Sundara mit unsymmetrischen Ohrpolstern versehen, die sich nach vorne hin verjüngen und damit automatisch optimal am Kopf anliegen.
Für besonders hohen Tragekomfort wurden die Polster, deren Außenseite mit Kunstleder überzogen ist, an den Kontaktstellen zum Kopf mit einer atmungsaktiven Polyesterschicht versehen, die ebenfalls zuerst beim HE1000 V2 eingeführt wurde. So soll es auch bei langen Hörsessions mit dem Hifiman Sundara nicht zu Schweißbildung kommen, wie sie bei Kunstlederpolstern gelegentlich auftritt.
Die Kopfhörermuscheln des Hifiman Sundara sind mit 15 Millimetern Tiefe relativ schmal konstruiert, und auch die Polster sind nicht übermäßig dick, so dass die Treiber relativ nah am Gehörgang sitzen. So sorgt Hifiman für eine höhere empfundene Lautstärke, ohne dass man am Zuspieler laut aufdrehen muss. Die offene Rückseite des Hifiman Sundara ist mit einem Metallgitter und einer zusätzlichen feinmaschigen Gaze geschützt, auch die Innenseite der Kopfhörermuschel ist mit Gaze überzogen, so dass kein Schmutz in Richtung der Treiber gelangt.

Hifiman Sundara
Die am Gesicht anliegende Oberfläche des Polsters ist mit atmungsaktivem Polyester überzogen.

Das Kabel des Hifiman Sundara ist beidseitig geführt und abnehmbar. Am Kopfhörer wird es über 3,5 Millimeter Miniklinkenbuchsen verbunden, die Stecker rasten dabei fest ein und halten auch, wenn Zug auf das Kabel kommt. Am anderen Ende sitzt ein hochwertiger gewinkelter Miniklinkenstecker. Mit 1,5 Meter Länge scheint das Kabel eher für den Gebrauch des Hifiman Sundara am Tisch ausgelegt, ein längeres Kabel etwa für die Nutzung an der heimischen Anlage liegt nicht bei. Allerdings ist durch die weit verbreiteten Miniklinken-Anschlüsse am Kopfhörer eine breite Anzahl an Ersatzkabeln verfügbar. Sieveking Sound, der deutsche Vertrieb der Hifiman-Produkte, bietet beispielsweise auf seiner Homepage einige passende Kabel sowohl von Hifiman selber, als auch von Cardas Audio an.
An Zubehör ist der Hifiman Sundara zugegeben etwas spartanisch ausgestattet und hat lediglich einen 6,3 mm Klinkenadapter mit im Gepäck. Eine Transportmöglichkeit abseits des etwas sperrigen Kartons wäre natürlich wünschenswert gewesen, das Fehlen einer solchen ist angesichts des Preises aber immer noch zu verschmerzen.

Feinste Membran für sauberen Klang

Für den Hifiman Sundara entwickelte der Hersteller eine Membran, die 80 Prozent dünner ist als die vorheriger Modelle wie dem Hifiman HE-400. Sie ist mit einer leitfähigen Schicht beklebt und sitzt zwischen sich gegenseitig abstoßenden Magneten. Wird ein Audiosignal durch die Leiterbahnen geschickt, gerät die Membran in Schwingung und überträgt das Signal so an die Luft in Richtung Ohr. Durch die besonders feine Membran soll eine besonders verzerrungsarme Wiedergabe bei hohem Dynamikumfang gewährleistet sein. Während Magnetostaten im Allgemeinen zu den anspruchsvolleren Gesellen unter den Kopfhörern gehören, die einen kraftvollen Kopfhörerverstärker benötigen, um den optimalen Klang zu entfalten, soll der Hifiman Sundara auch mit Smartphones und Digital Audio Playern getrieben werden können. Die geringe Eingangsimpedanz von 37 Ohm spricht jedenfalls dafür.

Die Praxis zeigt einen hohen Tragekomfort

Hifiman Sundara
Der Verstellmechanismus des Hifiman Sundara ist sehr fest gerastet.

Sogar im Vergleich zum Top-Modell HE1000 V2 ist der Hifiman Sundara überaus bequem und saß beim jedem Tester optimal. Der Anpressdruck am Kopf ist nicht übermäßig hoch, dennoch sitzt der Kopfhörer aufgrund des Kopfbandes und der angewinkelten Ohrpolster fest und sicher am Kopf. Wegen seines nicht allzu hohen Gewichtes drückt er zu keiner Zeit. Auch bei sehr langen Hörsessions, zu denen der Hifiman Sundara schon alleine wegen des hohen Komforts geradezu einlädt, behält man wegen der offenen Bauweise und dem atmungsaktiven Ohrpolsterbezug stets einen kühlen Kopf.
Das Kabel des Hifiman Sundara ist ebenfalls sehr angenehm in der Praxis. Es verheddert sich absolut nicht und gleitet leicht über die Kleidung. Für den Gebrauch unterwegs ist es vielleicht etwas zu breit und starr, für den Schreib- oder Studiotisch aber absolut perfekt. Kabelgeräusche sind überhaupt kein Thema.

Klang

Für den Hörtest verbanden wir den Hifiman Sundara nicht nur mit unserem Referenzkopfhörerverstärker Violectric HPA V281, sondern auch mit dem Digital Audio Player iBasso DX200 und einem Huawei P10 Smartphone, um seine Tauglichkeit an mobilen Abspielgeräten zu testen. Während der Klang des Hifiman Sundara an allen Geräten tatsächlich sehr gut war, kam zumindest der Kopfhörerverstärker des Smartphones an seine Grenzen – wo der Lautstärkeregler des Violectric HPA V281 gerade mal auf zehn Uhr stand, war beim P10 schon Schluss. Die Lautstärke war an diesem Punkt aber schon so hoch, dass Menschen, die keine ausgewiesenen Lauthörer sind, noch auf ihre Kosten kommen.
Zudem hörten wir die Musik, bestehend aus hochauflösenden Stücken verschiedener Genres sowie Eigenproduktionen, stets parallel auch über unsere Kopfhörerreferenz Audeze LCD-X. Bei diesem handelt es sich ebenfalls um einen Magnetostaten in offener Bauweise, für den allerdings mit einem UVP von 1.500 Euro der dreifache Preis des Hifiman Sundara fällig wird.

Hifiman Sundara
Unterhalb des Kopfbügels aus biegsamem Federstahl sitzt das weiche Kopfband des Hifiman Sundara.

Tatsächlich zeigten sich beide Kopfhörer als fast identisch, was die Neutralität angeht, wobei durch den etwas „geschlosseneren“ Charakter, der beim LCD-X durch die dicken Ohrpolster gegeben ist, die Bässe hier etwas wuchtiger erschienen als beim Hifiman Sundara. Zudem klang der Hifiman Sundara etwas gefälliger und weniger akribisch als der LCD-X, was sich etwa bei vielschichtigen Titeln wie dem Sigur Rós Stück „Glósóli“ zeigte, dessen flirrende Streicher und Falsett-Backingvocals über die Referenz deutlich schärfer kamen. Das hat allerdings nichts mit Schönfärberei oder einer geringeren Höhenauflösung zu tun, sondern erinnert uns stark an den „Samt-und-Seide“-Charakter, den schon der Hifiman HE1000 V2 auszeichnete. Durch diese Eigenschaft ist er definitiv für den Einsatz beim Mixen und Mastering geeignet, wie auch die uns wohlbekannten Eigenaufnahmen zeigten, bei denen er jede Schwäche auf dem Silbertablett präsentierte. Die Auflösung war exzellent über alle Frequenzen, und das in einem Ausmaß, wie wir es bei Kopfhörern dieser Preisstufe sehr selten gehört haben. Die Separierung der einzelnen Instrumente und Stimmen war hervorragend, erst bei dem Wall of Sound-Finale des Stückes verschwammen alle Elemente, wie vom Produzenten vorgesehen.
Der Bass reichte überaus tief, wie etwa die wuchtigen Tiefbasstöne des Trentemöller-Titels „Evil Dub“ eindrucksvoll unter Beweis stellten. Aber auch akustische Bässe wie der Kontrabass im Iron and Wine Titel „Last Night“ kamen tief und sauber. Die Mitten, vor allem mittlere Gesangsstimmen, kamen sehr klar und präzise. Das absolute Highlight des Hifiman Sundara blieben aber die Höhen, die geradezu süchtig machen durch ihren luftig leichten Charakter, und die völlige Gelassenheit, mit denen der Hifiman Sundara selbst mit feinsten Impulsen fertig wurde. Besonders deutlich wurde dies beim berühmten Schlagzeugbeat des Totoklassikers „Susanna“, bei dem selbst die feinsten Ghostnotes und schnellsten Figuren mit völliger Mühelosigkeit wiedergegeben wurden. Auch Pat Methenys Akustikgitarrencover des Norah Jones Titels „Don’t Know Why“ zeigte die wunderschöne, klare Mitten- und Höhenwiedergabe, das gelegentliche Schnarren der Saiten kam überaus plastisch und erweckte den Eindruck, als säße Metheny direkt vor einem.
Die Bühne wurde vom Hifiman Sundara etwas weniger breit aufgefächert als vom LCD-X. Dennoch waren alle Instrumente im Stereopanorama klar ortbar.

Fazit

Der Hifiman Sundara ist ein Beweis dafür, dass Topqualität nicht immer nur zu Spitzenpreisen zu haben sein muss. Mit einem akkuraten, hochaufgelösten und musikalischen Klang eignet er sich hervorragend als Studiowerkzeug, das auch bei langen Abhörsessions nicht lästig wird. Der hohe Tragekomfort unterstützt dies ebenfalls. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist superb.

STECKBRIEF HIFIMAN SUNDARA

Weitere Informationen

Gewicht 372 g
Preis 499 €

BAUWEISE/AUSSTATTUNG
Wandlerprinzip magnetostatisch
Bauweise offen, Over-Ear
Anschlusskabel beidseitig geführtes 150 mm Kabel, abnehmbar
Stecker 3.5mm, gewinkelt, vergoldet
Adapter 6,3 mm
Impedanz 37 Ohm
Aufbewahrung Aufbewahrungskarton

BEWERTUNG HIFIMAN SUNDARA

KLANG Punkte
Neutralität (2x) 86
Feinzeichnung (2x) 81
Impulsverhalten 85
Räumlichkeit 80
Dynamikverhalten 80
Basstiefe 84
TESTERGEBNIS
Klangqualität (50%) 83
Tragekomfort (25%) 84
Verarbeitung (15%) 81
Ausstattung (10%) 73
Testurteil 81,9
Preis-Leistung sehr gut – überragend

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