Jon Bryant – Cult Classic

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Der kanadische Singer-Songwriter Jon Bryant hat mit „Cult Classic“ sein viertes Album veröffentlicht. Dem Vernehmen nach bezieht sich der Titel auf menschliche Beziehungen untereinander, auch im Sinne von Kulten und Sekten.

Der Opener „Paradise“ beginnt als gemäßigter R&B-Song mit Folkpop-Anleihen, dazu eine ätherische Melodie, die Bryant in Lauten mitsingt. „5 Years“ bleibt ähnlich ruhig gehalten, mit gezupfter Singer/Songwriter-Gitarre, Piano, minimalistischem Schlagzeug – bis der Song schließlich in einen breit aufgehenden R&B-Refrain mit elektrischen Drums und Kopfstimmengesang mündet. Die Mischung steht stellvertretend für Bryants Stil:

Statt lediglich einer weichgespülten Singer/Songwriter-Pop-Variante klingt er in ruhigen Passagen nach erdigem Folk-Rock, im Refrain wirkt die Musik unaufdringlich zeitgemäß und erfrischend, ohne auf anbiedernde Auto-Tune-Gesangs-Effekte zu setzen. Stimmlich klingt Jon Bryant grob in Richtung Ray LaMontagne, allerdings ohne dessen kurzatmige Gesangs-Phrasierung und Vibrato. Bryants Kopfstimmen-Einsatz ruft seinerseits Antony Hegarty ins Gedächtnis, allerdings ebenfalls ohne Vibrato und weniger exaltiert.

„Cultivated“ beginnt als beschwingte Pop-Nummer: Mit tanzbarer Rhythmik und angenehm phrasiertem Kopfstimmen-Gesang sowie geschichteten Background-Gesängen lädt das Ergebnis umgehend zum Mitwippen ein. Hier setzt Bryant auf einen ungewöhnlichen Kniff: Gegen Ende wird das Musikbett durch einen Filter gedreht und, im Gegensatz zum Gesang, zunehmend dunkler im Klang. Mit „Superstition“ folgt eine Piano-Ballade mit Synth-Delay-Effekten und Chorgesängen, gegen Ende mit soften R&B-Drums ergänzt. Das klingt fast gefährlich seicht, wirkt dennoch stimmig produziert.

Das aufgeräumte „The Fall“ setzt wiederum auf „klassische“, stark gedämpfte Folk-Rock-Drums – das erinnert an das erste Album von Indie-Folk-Rock-Musiker Jonathan Wilson. „Ya Ya Ya Ya“ erweist sich ebenfalls als gelassene R&B-Folk-Pop-Nummer mit gut sortiertem Arrangement. „Party“ wirkt mit Offbeat-Bass-Rhythmus experimenteller – auch weil die Drums erst spät einsetzen und zunächst nur durch einen Telefon-Effekt hörbar sind. Der Refrain erscheint dafür umso eingängiger. Das entspannte „At Home“ spielt zu Beginn mit dumpfem Schlagzeug, das „aufklart“.

Beim Gesamtklang der Produktion beeindruckt bereits der erste Song: „Paradise“ erscheint fulminant, mit gelungen breitem Stereobild und einem E-Bass, der bis kurz über den Boden reicht. Die grundlegende Ästhetik zieht sich durch das gesamte Album. Lediglich minimale Ansätze von Schärfe lassen sich generell im Hochmitten-Spektrum der Stimme sowie in den Höhen-Anteilen bei Snare und Hi-Hats ausmachen.

„Cult Classic“ ist insgesamt laut produziert, das Material klingt allerdings nur selten deutlich „zerknirscht“. Der Song „Don’t Cover up“ wirkt durch bewusste Verzerrung der Snare unruhiger, was die Stimmung des Stücks widerspiegelt. Mit „Out of the Blue“ schließt eine langsame, versöhnlich-süßliche, fast schmalzige Ballade im 50er-Jahre-Stil die elf unaufdringlich wie geschmackvoll arrangierten Songs ab.

BEWERTUNG JON BRYANT – CULT CLASSIC

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 8
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