Jenny O. – New Truth

Jenny O. – New Truth
Quelle: Mama Bird Recording Co.

Die kalifornische Singer-Songwriterin Jenny O. veröffentlichte 2013 ihr Debütalbum „Automechanic“, mit sorgsam produzierten Folkpop-Country-Songs. Mit „New Truth“ erschien nun ihr drittes Album. Nachdem die beiden Vorgänger von Jonathan Wilson produziert wurden, setzt sie bei „New Truth“ mit Produzent Kevin Ratterman auf einen Wechsel.

Retro-Garagen-Folkpop

Eine angecrunchte Schrammelgitarre dominiert „God Knows Why“, dazu ein rumpelnd-schroffes Schlagzeug. Darüber thront die verhallte und gedoppelte helle Stimme von Jenny O. Im Laufe der drei Minuten wird das Stück durch verspielte Sound-Effekte unterstützt, dazu ein stellenweise doppeltes Schlagzeug, verteilt auf den linken und rechten Kanal, plus streicherartige Atmosphärenklänge. Im Vordergrund steht vor allem ein gelungener Song, der besonders in der zweiten Refrain-Stufe eingängig zündet – ein Höhepunkt. „I Don’t Want to Live Alone Anymore“ klingt introvertierter, wie ein bedämpftes Kleinod aus dumpfen 1970er-Jahre-Drums, Akustikgitarre und Mellotron-Flöten-Sounds. Im Text verkündet Jenny O. ein vorsichtiges Lamento gegen Einsamkeit. Auch hier geht der Refrain angenehm auf, der mehrstimmige Gesang hüllt ein. Atmosphärisch ruft Jenny O. Gilbert O’Sullivans Klassiker „Alone Again“ ins Gedächtnis.

Teils nachdenkliche Songs mit Experimentierfreude

Die Ballade „Color Love“ vertieft jene Nachdenklichkeit mit Perkussion und Gesang, unterlegt von deutlichen Hallräumen. Lediglich die betont sirenenhafte Gesangslinie im Refrain erscheint mit unerwarteten Tonhöhenschwankungen gewöhnungsbedürftig. In „Old Habits“ wirkt die belegte Gesangsstimme jugendlicher, stimmlich erinnert Jenny O. hier an Feist. „What About That Day“ wird als akustische Gitarrenballade eröffnet, bevor es durch behutsames Schlagzeug und Vintage-Streicher-Synthesizer „aufgebohrt“ wird – experimentell und einnehmend. Der Uptempo-Song „Even If I Tried“ nagt mit besonders gefälliger Melodie an der Kitschgrenze, „Psychedelic Love“ will mit seiner stoischen Monotonie über weite Strecken ebenfalls nicht recht begeistern. Das schleppende „Hard to Say“, mit einem dunklen Tom-Beat und Hallfahnen umgesetzt, stellt hingegen den absoluten Höhepunkt der zwölf Stücke dar – eine eingängige, zeitlos wirkende Ballade mit ergreifenden Melodien.

Lo-Fi-Retro-Charme mit „Spitzen“

Während das Songwriting weitgehend überzeugt, erweist sich die Qualität der Produktion im Vergleich mit den früheren Alben als durchwachsen: Statt dem „stabilen“ Folkpop-Country-Sound mit dreidimensionalen Klängen des Debüts „Automechanic“ und den raueren Rock-Sounds des Nachfolgers „Peace & Information“ setzt die aktuelle Veröffentlichung auf weniger transparente, dünnere Klänge. Im Flair entsteht eine Retro-Produktion, bei der die einzelnen Elemente eher als „rumpelndes“ Garagen-Chaos im Raum verteilt sind. Dabei wird das Stereobild breit ausgenutzt, was gute Ortbarkeit ermöglicht. Grundsätzlich transportiert das Ergebnis zwar angenehmen Indie-Charme, allerdings verbleiben in der Abmischung unangenehme Spitzen im Hochmitten- und Höhenspektrum. Die Stimmen-Doppelung wirkt gelegentlich als Stilmittel überstrapaziert, auch ist der Gesang deutlich belegter produziert als früher. Das lenkt von der mitunter fesselnden Stimme der Sängerin ab. Auch würden fülligere Einzelklänge bei Drums und Bass sowie aufgeräumte Arrangements die Wucht der Stücke noch mehr unterstreichen.

JENNY O. – NEW TRUTH

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 6
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