James Morrison – You’re Stronger Than You Know

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Der 34-Jährige Brite James Morrison hat mit „You’re Stronger Than You Know“ sein fünftes Soloalbum veröffentlicht. Stilistisch war der Songwriter bislang von gradlinigem Pop mit Herzschmerz-Lyrik geprägt, untermalt von Akustikgitarren- und Pianoklängen. Seinen größten Erfolg stellte das Duett „Broken Strings“ mit Nelly Furtado, das 2008 in Deutschland Platz eins der Single-Charts erreichte.

Auf dem 2015er Album „Higher Than Here“ kamen zunehmend Soul- und R&B-Anleihen, Streicher und Bläser zum Tragen – ein Trend, den „You’re Stronger Than You Know“ fortsetzt. Beim Opener „My Love Goes On“, im Duett mit Joss Stone gesungen, rappelt fleißig ein Beat in strikter Drum-Computer-Ästhetik. Als „Mitsing-Element“ dienen lautmalerische Vocals, dazu ein leichtfüßiges Latin-Akustikgitarren-Lick. Zusätzlich werden im Refrain Klavier-Akkorde gehämmert, auch eine Hammond-Orgel und Bläser kommen prominent zum Einsatz. Die auf Radio-Eingängigkeit getrimmte Single wirkt durch die fast schreienden Vocals und das dichte Arrangement teilweise überfrachtet.

„Brighter Kind of Love“ ist in „traditionellem“ Songwriter-Stil gehalten – mit klassischem Schlagzeug und eingängigem Refrain, dazu betont rauchiger Gesang mit Soul-Phrasierungen. „So Beautiful“, eine zurückhaltende und zugleich ungezwungen eingängige Midtempo-Ballade, stellt eines der Highlights dar. „Feels Like the First Time“, wie die ersten beiden Stücke mit Soul-Elementen (Orgel, Bläser und E-Gitarren-Licks) ausgeführt, wirkt wiederum allzu kühl und austauschbar, mit scheinbar belanglosen Textphrasen und oft verwendeten Harmonien.

Der Song „Power“, der die Textzeile des Albumtitels enthält, erscheint hingegen als gelungene 1960er-Soul-Nummer im Motown-Flair – mit erfrischendem Groove und entspannter Atmosphäre. Ebenso interessant wirkt die leicht düstere Erzählung „Slowly“: Der Song beginnt zunächst ruhig und nimmt im Refrain Fahrt auf, mit interessanten rhythmischen Kontrasten. „Ruins“ ist dann das erste wirklich ruhige Stück des Albums. Als weitere Abwechslung offenbart „Don’t Wanna Lose You Now“ zackige, unterhaltsame Funk-Elemente.

Mit deutlicher Kompression scheint die Produktion vor allem auf zeitgemäße Vermarktung aus; das macht sich neben eingedampfter Dynamik, die beim Hinhören schnell ermüdend wirkt, vor allem durch Verzerrungen im Höhenbereich bemerkbar – deutlich zu hören im Song „Cross the Line“. Auch der Gesang erscheint auf dem gesamten Album leicht scharf.

Wie bereits „My Love Goes On“ wirken auch andere Songs im Arrangement überfrachtet: Das reduziert einen Teil des Albums lediglich auf musikalisches „Fast Food“ für Hintergrund-Beschallung, statt es für bewusstes Hören zu qualifizieren. Ausnahmen bilden „Power“ und „Ruins“, die mehr Raum lassen und klanglich gelungener wirken. „Slowly“ vereint beide Welten: in der Strophe reizvoll, im Refrain laut und im Höhenbereich verzerrt. Das spiegelt das Album gut wider, von dem eine Hälfte vielversprechende Ansätze vermittelt, die andere dagegen als kalkulierte Charts-Produktion erscheint.

BEWERTUNG JAMES MORRISON – YOU’RE STRONGER THAN YOU KNOW

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 6
So testet und bewertet mobilefidelity magazin.

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