James Blunt – Once Upon a Mind

James Blunt wurde 2004 mit der Single „You’re Beautiful“ weltweit bekannt. Mittlerweile hat der 45-jährige Brite mit „Once Upon A Mind“ sein sechstes Album veröffentlicht.

Der erste Song, das flotte „The Truth“, bietet mit Konzertgitarren-Akkorden, Bassdrum-Rhythmus, Harmoniegesängen, Steel-Drum-Melodie und Kastagnetten-Sounds eine scheinbar ungewöhnliche Kombination. Im Zusammenspiel mit dem auf Eingängigkeit getrimmten Refrain erinnert das Ergebnis an soliden Eurodance-Latin-Pop à la Coldplay „Viva la Vida“, nur ohne Synth-Kaskaden. Ebenso „Cold“, statt Steel Drum und Kastagnetten spielt ein Hammond-Sound im Hintergrund, und verstärktem Hymnengesang im Refrain. Allerdings erscheint hier Blunts Gesangs-Stilmittel von schnellen Wechseln in die Kopfstimme („Without your Arms around me / Without you on my Skin“) fast nahe der Karikatur.

Das langsamere „Champions“ bleibt dem Akustik-Dance-Sound treu, mit Halftime-Tempo, Claps, Bassdrum, interessant effektgeladen produziertem Steel-Drum-Sound und nahezu aufdringlichem Pfeifenorgel-Stakkato. Der Refrain wirkt nochmal eine Runde mehr auf Mitsing-Charakter getrimmt als „The Truth“ – das strengt mitunter an. Bei der soliden Klavierballade „Monsters“ klingt Blunts Gesang, mit alternierenden Kopf- und Bruststimmen-Einsatz, seltsam dünn. Ein piepsender Synth-Sound, der hinzukommt, erweist sich als leicht gewöhnungsbedürftig. „How it Feels to be Alive“ vermittelt mit Klavier, Streichern und kräftigen Drums, allesamt in ausladenden Hall getaucht, opulente Weite. Das Piano-Riff, das schnell und gleichmäßig tiefe bis hohe Akkorde durchsteppt, erscheint hingegen eher als Fingerübung denn als musikalisch reizvolles Element.

„Youngster“ kombiniert trocken groovende HipHop-Rhythmik, die zum Mitwippen einlädt, mit oft benutzten Akkordfolgen. Dadurch bleibt das Stück trotz aller Gefälligkeit nicht wirklich beim Hören hängen. Ähnlich „5 Miles“, das experimentell mit einer zweistimmigen Bassmelodie arbeitet, allerdings im Refrain mit einer ADHS-lastigen Keyboard-Melodie aufwartet. Bei „I Told You“ untermalt ein jeden Takt wiederkehrender, rumpelnder, klobiger Tom-Lauf einen so offensichtlich eingängigen Gesangs-Part, dass beides ebenso schnell in der Wahrnehmung ausgeblendet werden will. Immerhin erscheint der hohe Background-Gesangsteppich interessant – genauso wie eine cleane Gitarrenmelodie, die frische Klangfarben liefert. Die Ballade „The Greatest“ schließt die elf Songs, im Refrain wieder mit dem Blunt-typischen Stilmittel alternierender Kopfstimmen-Gesangssilben. Hier erscheint die Opulenz der Drums zusammen mit den Streichern im Hintergrund angenehm stimmig, auch entfaltet sich der Song mit weniger „aufdringlicher“ (und sich abnutzender) Eingängigkeit. In der Strophe verschwindet der Hall weitgehend, ein gelungener Kniff. Auch Blunts Stimme klingt hier angenehmer aufgenommen und gemischt als bei vielen der anderen Songs – ein Highlight und Anspieltipp.

Klanglich ist „Once Upon a Mind“ solide produziert – Pop-typisch sehr „laut“ komprimiert, allerdings mit noch ausgewogenem Klangspektrum. Lediglich das Klavier bei „How it Feels to be Alive“ wirkt merkwürdig verschoben im Stereo-Panorama.
Insgesamt bietet das Album einerseits zuverlässig funktionierende Pop-Songs, die oft schemenhaft komponiert wirken. Das lässt unverbrauchte Melodien oder Phrasierungen vermissen, wie Blunt sie beispielsweise auf seinem Debüt-Album „Back To Bedlam“ noch zur Genüge bot, neben „You’re Beautiful“ etwa bei „So Long Jimmy“. Dem gegenüber stehen teilweise interessante Experimente wie die Steel-Drum-Melodie in „The Truth“. Die Ansätze werden allerdings von den oft vorhersehbaren Songs nur selten aufgegriffen.

JAMES BLUNT – ONCE UPON A MIND

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 6
Klang 7
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