Jackson Browne – Downhill From Everywhere

Jackson Browne – Downhill From Everywhere

Der mittlerweile 73-jährige Singer/Songwriter Jackson Browne gilt als stilprägend für den Folkrock der Westküste. Auf dem Cover seines aktuellen Albums „Downhill From Everywhere“ ist im Vordergrund ein Schiffsfriedhof an einer Küste zu sehen; im Rest der Abendsonne zeigen sich gestrandete, einst erhabene Riesen, zerfressen von Rost. Hoffentlich kein bildlicher Vorgeschmack auf den Klang seines 15. Studioalbums.

Zeitloser Folkrock mit interessanten Melodien

„Still Looking For Something“ nimmt dem Albumtitel die Wucht des gefühlten Abgesangs: Der Ich-Erzähler erzählt, dass selbst nach dem eigenen „Verfallsdatum“ die sprichwörtliche Suche noch nicht abgeschlossen sei. Das wird untermalt von Midtempo-Songwriter-Rock samt Akustikgitarren und süßlichen E-Gitarren-Licks, dazu unaufdringliche wie eingängige Gesangsmelodien. „My Cleveland Heart“ ist rockiger, mit angecrunchten Gitarren, melodiösen Licks und dumpfem Schlagzeug. Das erinnert stilistisch an Sheryl-Crow-Songs aus den 1990er Jahren. Die Mitsing-Qualitäten sind gut austariert – ein kleines Juwel im Jackson-Browne-Katalog. „Minutes To Downtown“ bedient Zwischentöne neuer Hoffnung, einmal mehr mit geschmackvollen Gitarren-Licks und atmosphärischen Klängen. Die getragene Ballade „A Human Touch“, als Duett mit Leslie Mendelson gesungen, wird von Klavier, Percussion und Pedal-Steel-Sounds begleitet – ein weiterer Höhepunkt, gemeinsam geschrieben mit Steve McEwan und Mendelson. Die beiden Stimmen ergänzen einander ungezwungen, wobei Leslie Mendelsons Timbre an eine junge Emmylou Harris erinnert. Dabei fällt zudem auf, wie zeitlos „junggeblieben“ Browne klingt.

Atmosphärische Zwischentöne

Die Half-Time-Pop-Nummer „Love Is Love“ erinnert im Arrangement durch die Einflüsse von Karibik-Shuffle-Rhythmen und abgedämpften E-Gitarren-Licks an Brownes Hits „I’m Alive“ und „Everywhere I Go“, mit spannenden harmonischen Wendungen in den Zwischenteilen. Der Titelsong fällt zu den ersten fünf Nummern ab, scheint vergleichsweise farb- und belanglos, der Text behandelt eine Litanei des Abstiegs, dass alles schlechter wird – gipfelnd unter anderem in der Feststellung, dass es bei den Republikanern bergab geht. „The Dreamer“, mit spanischen Einwürfen und Call-Response-Backings, erzählt von der Deportation einer mexikanischen Einwanderin aus den USA. Getragen wird das über dem genügsam stapfenden Beat von spanisch anmutender Akustikgitarre und kräftig-glitzernder Tremolo-E-Gitarre. Das langsame „A Little Soon To Say“ bedient ebenfalls die Frage nach ewiger Suche. Die Gitarren gehen in Richtung Mark Knopfler und einmal mehr blitzen die textlichen Qualitäten Brownes auf: „I took a couple of wrong turns / It only takes you one / To send you down a lifetime / Of wondering what you might have done” – ein Höhepunkt. „A Song For Barcelona”, das lateinamerikanische Stilistik à la Calexico transportiert, schließt das Album, mit einer Liebeserklärung an die Stadt, in der Browne Anfang des Jahrtausends zwei Jahre lebte. Die zehn Songs, von denen sechs mit Koautoren entstanden, sind fast durchweg auf hohem Niveau gelungen. Das zeugt von einem reifen Alterswerk, das gleichzeitig überraschend ungezwungen und jung erscheint.

Guter Klang trotz belegtem Schlagzeug

Die Produktion beginnt solide in „Still Looking For Something“, mit leichter Härte in den Akustikgitarren und eher durchschnittlichem, weil seltsam belegtem Schlagzeug-Sound. So, als wäre es in einer kleinen, mulmig bedämpften Kammer statt in einem mittelgroßen Aufnahmeraum aufgenommen. Die E-Gitarren-Sounds hingegen schmiegen sich empathisch und dicht um den Mix, sodass gefühlt die Sonne aufgeht. Brownes Stimme klingt gut, würde allerdings ebenso noch von einer fülligeren Produktion profitieren. Klanglich sticht „A Human Touch” heraus, mit atmosphärischer Breite und stilvollem Hall. Am Ende bleibt immer noch ein gut anhörbares Album, das zwar nicht „audiophil“, aber ohne allzu störende Artefakte daherkommt.

JACKSON BROWNE – DOWNHILL FROM EVERYWHERE

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 10
Klang 8
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