Huey Lewis & The News – Weather

Der heute 70-Jährige Pop-Sänger Huey Lewis setzte mit seiner Begleitband The News in den 1980ern starke Akzente, unter anderem mit den Hits „Hip to Be Square“ und „The Power of Love“. In den Folgejahren wurde es ruhiger um Huey Lewis: Er trat gelegentlich als Schauspieler auf, mit „Soulsville“ erschien 2010 das neunte Studioalbum der Band, mit Cover-Songs. Das zehnte, „Weather“, wurde kürzlich veröffentlicht, mit eigenem Material. Enthalten sind allerdings nur sieben Stücke, bei rund 26 Minuten Spielzeit: 2018 wurde Huey Lewis in Folge einer Krankheit taub, was weitere Arbeiten verhinderte. 

Fast minimalistischer R&B-Pop

„While We’re Young“ beginnt zurückhaltend, mit dezenten E-Piano-Licks, E-Gitarren-Einwürfen und E-Drum-artig exaktem Schlagzeug, dazu zackige Bläser. Darüber singt Huey Lewis mit nur leicht gealterter Stimme davon, die verbliebene Zeit ‚später Jugend‘ noch zu nutzen, selbst wenn frühere Stärken nicht mehr ganz in altem Glanz erstrahlen. Der Refrain lädt zum Mitsingen ein, das Arrangement ist angenehm übersichtlich gehalten. Nur das leichte ‚Computer-Feeling‘ der Drums und die klinisch glatt klingenden Bläser trüben das Gesamtbild. „Her Love Is Killing Me“ erinnert an die Rock-Funk-Stücke der 1980er-Jahre der Band – ein gelungener Upbeat-Song im Blues-Schema, mit tollem Refrain.

Huey Lewis & the News zwischen Blues, Funk und Country

„I Am There for You“ erinnert mit dem leicht geshuffelten Feeling entfernt an „Doing It All for My Baby“ – kurz vor der Kitschgrenze, trotzdem ein solider, eingängiger Song. „Hurry Back Baby“ ist ein geshuffelter Blues-Song, mit rauen Gitarren-Licks, teils überraschenden Harmonien, wie immer getragen von der charismatischen Präsenz von Huey Lewis. „Remind Me Why I Love You Again“ hingegen ist Funk-lastig gehalten à la Prince, mit knackiger Rhythmusgitarre und kurzen Bläser-Riffs – ebenfalls gut zu hören.

„Pretty Girls Everywhere“ kommt als 1950er-Jahre-Doo-Wop-Blues-Shuffle daher, samt Mundharmonika. Ob Ironie oder bewusstes Belagern der Kitschgrenze das Ziel war, bleibt offen – wirklich hängen bleibt der Song nicht. Ein ähnlicher Eindruck bleibt beim Country-lastigen, zähen „One of the Boys“: Trotz einer ungeahnten harmonischen Wendung bleibt die besonders cleane Steel-Gitarre wie ein Klischee im Raum hängen. Der abschließende Song des Albums selbst wäre wohl hörenswert, wäre er etwas weniger offensichtlich als Country-Abziehbild arrangiert worden.

Home-Recording-Feel mit leichter 1980er-Jahre-Ästhetik

Die sieben neuen Songs von Huey Lewis & the News sind solide bis gelungen eingängig, die Arrangements der Übergänge für heutige Verhältnisse ungewöhnlich vielschichtig. Allein das Klangbild fällt durchwachsen aus. Dabei bleibt der Eindruck einer mittelprächtigen Home-Recording-Aufnahme mit halb-klinischer 1980er-Jahre ‚Kälte‘ hängen: Die Drums erscheinen flach, stark bedämpft und in einem kleinen Raum aufgenommen. Die Bläser wirken abstrakt, als stammten sie Sampler. Dem entgegen steht eine ausgewogene Mischung ohne zu starke Höhen – und schlicht die professionelle Performance der Musiker; besonders von Huey Lewis. Als womöglich letztes Album der Band stellt „Weather“ zumindest in einigen Songs noch einmal die Klasse der Musiker und Songwriter unter Beweis.

HUEY LEWIS & THE NEWS – WEATHER

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 6
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