Graeme James – Old Storms in New Places EP

Der aus Neuseeland stammende Singer/Songwriter Graeme James lebt mittlerweile in den Niederlanden und produziert Folk-Songs, die er live als Ein-Mann-Band mit Loops darbietet. Inzwischen hat der Künstler bereits vier Alben veröffentlicht. Nun folgt mit „Old Storms in New Places“ die erste von vier EPs, die sich mit den Jahreszeiten beschäftigen. Hier steht – passend zum Veröffentlichungszeitpunkt – der Herbst im Vordergrund.

Graeme James bietet traurige, versöhnliche Folk-Atmosphären auf

Der Titelsong beginnt mit Gewittergeräuschen, Regen, darüber einzelne Klaviertöne sowie atmosphärisch verhallte Synthklänge, bevor Gitarre und ein gedämpftes Banjo einsetzen. Die helle Stimme von Graeme James – gedoppelt – erinnert entfernt an Anthony Hegarty (ohne Vibrato) und Beirut. Graeme James erzählt indes von Vergänglichkeit und nicht erreichten Zielen. Ruhige Folk-Drums setzen ein, langsam und behaglich pflügt sich der Rhythmus vorwärts. Das wirkt versöhnlich und empathisch, bei aller Traurigkeit, die seine Musik stellenweise verströmt – ein erster Anspieltipp.

Klangeffekte und Hall-Sounds

„Berlin, 1961“ beginnt mit einem virtuellen Suchlauf durch Radiostationen, bevor Klavier und eine melodische Violine einsetzen und Graeme James zu einem E-Piano von der Teilung der Stadt erzählt. Die Klangeffekte wirken stellenweise bemüht – der Gesang klingt leicht kratzig und dünn, beinahe wie in einer Grammophon-Ästhetik der 1930er-Jahre aufgenommen. Nach knapp drei Minuten ist die leicht spukende Zeitreise vorbei. „Fire in the Pines“ klingt nach ‚klassischem‘ Folk mit Akustikgitarre und gezupftem Banjo. „Bank of the Arrow“, ebenfalls langsam gehalten, setzt noch stärker auf Banjo, was die Musik von Graeme James noch spezieller und individueller klingen lässt, in langsamem Ragtime-Feel; bevor nach gut dreieinhalb Minuten eine flotte Popnummer daraus wird, mit Shaker und Bassdrum-Rhythmus – ein Höhepunkt der EP. „Death Defying Acts“ verbindet die Folk-Einflüsse mit bluesigem Memphis-Feeling – ein weiterer Anspieltipp. Mit „Trafalgar Square“ schließt eine langsame Akustiknummer mit Streichern die Veröffentlichung. Hier klingt Graeme James etwas überbetont dynamisch und nasal, trotzdem erreicht die Atmosphäre den Hörer grundsätzlich.

Angenehmes Klangbild

Der Klang von „Old Storms in New Places“ wirkt angenehm hochwertig; eine klare Produktion mit recht direkten einzelnen Instrumenten. Nur vereinzelt erscheinen Elemente im Stereobild irritierend und undefiniert (die Balance zwischen Banjo und Gitarre in „Fire in the Pines“). Zudem wirkt das leicht effekthaschende Arrangement von „Berlin, 1961“ mit etwas unglaubwürdigem ‚Sendersuchlauf‘ und dem übertrieben-nostalgischen, sehr trockenen Gesangs-Sound besonders ambitioniert. Davon abgesehen liefert Graeme James mit der vorliegenden EP einen wunderbaren Herbst-Soundtrack, der weit länger als nur eine Jahreszeit interessant bleiben dürfte…

GRAEME JAMES – OLD STORMS IN NEW PLACES EP

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 8
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