Goo Goo Dolls – Miracle Pill

Bereits 1986 gegründet, feierte die New Yorker Band Goo Goo Dolls um Gitarrist und Sänger John Rzeznik ihren Durchbruch Mitte der 1990er-Jahre mit der Pop-Ballade „Iris“. Seitdem veröffentlicht die Gruppe alle drei bis vier Jahre neue Alben – aktuell „Miracle Pill“.

Der erste Track, „Indestructible“, lässt keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht: in Richtung hymnischer Pop, eröffnet mit Klavierkaskaden, schließlich Akustikgitarren-Akkorden unter Bassdrum-Vierteltakt. Das erinnert an Coldplay und lässt stellenweise Latin-Pop-Einflüsse durchscheinen. „Indestructible“ wirkt indes getrimmt auf maximale Energie und Eingängigkeit – fast, als ob der Song nur auf den lautmalerischen Refrain hinauslaufe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Harmonien der unterschiedlichen Songteile identisch sind. Der Text erscheint positiv, gleichzeitig gefährlich nah an Klischees.

„Fearless“ beginnt leise mit Bassfigur und Claps, der Gesang ist mit interessanten Vocoder-Effekten unterlegt. Im breit aufgehenden, energetischen Refrain wird ebenso Hymnencharakter angestrebt – der Rhythmus immerhin lädt direkt zum Mitwippen ein – ein Hörtipp.

Der Titelsong erinnert durch Claps und Klavier und mit leicht angeshuffelter Rhythmik wie zeitgemäßer R&B entfernt an Hozier („Take Me to Church“). „Money, Fame & Fortune“ hingegen bietet eine erfrischende Abwechslung: Statt mit lauten, krachenden Drums beginnt der Song mit kompakter Produktion und leicht schrägen Synth- und Gitarreneffekten à la 1980er-Jahre. Typisch für die Band: Die Harmonien bleiben leicht voraussehbar grundtönig gehalten; trotzdem macht der eingängige Song dank der Synth- und Gitarrenriffs sowie der zurückhaltenderen Drums mit vereinzelten Motown-Fills Spaß – ein weiterer Höhepunkt.

„Step in Line“ beginnt mit gradlinigen Drums, dazu Sprechgesang in Richtung Alice Cooper. Der Refrain geht wie gewohnt auf, allerdings will die Gesangsrhythmik nicht wirklich mit dem Stück fließen. „Over You“ bietet eine vergleichsweise ruhige, interessante Komposition mit verschachteltem Rhythmus, ähnlich der 1990er-Jahre-Veröffentlichungen, dazu mit paukenartiger Bassdrum umgesetzt. Das lädt zum Zuhören ein – ein weiterer Hörtipp.

„Lights“ klingt deutlich ‚szenischer‘ produziert, mit ‚klatschend‘ komprimierter Snare und Akustikgitarren. Der Song bleibt leicht monoton, die gewünschte Eingängigkeit – später mit typisch lautmalerischer ‚Mitsingpassage‘ – will mitunter gefühlt mit der Brechstange zum Zuhörer durchdringen.

„Lost“, mit Achtelbassdrum-Linie, erinnert in Sachen Hymnen-Feuerwerk wiederum an die ersten beiden Songs – ein Schelm, wer im Arrangement den Coldplay-Song „Paradise“ als Blaupause erkennen mag. „Life’s a Message“, wiederum mit Sprechgesang à la Alice Cooper umgesetzt – ansonsten mit  ähnlich hymnischen Ansprüchen, untermalt mit gleißenden Gitarren-Licks im Refrain – will ebenso ohne Umwege in die Gehörgänge dringen.

Das ruhige „Autumn Leaves“ erscheint kompositorisch unverbrauchter und reizvoller, bevor auch hier ab der Mitte der große Hymnen-Gedanke zuschlägt. Allerdings bleiben die Harmonien hier vergleichsweise angenehm unvorhersehbar, auch der Text ist interessanter gehalten. „Think it Over“ schließt die elf Songs, mit Piano, Akustikgitarre und Streicher – was erwartungsgemäß in eine große, laute Hymne mündet, immerhin mit Überraschungsmomenten wie einem gelegentlichen Call-Response-Gospelchor, und praktisch unerwartetem Ende.

Die Produktion klingt von Beginn an ‚teuer‘: volle Klänge, zeitgemäße Sounds, stark komprimiert, allerdings ohne allzu große Artefakte. Dafür macht sich unterbewusst Hörermüdung breit, was auch den Arrangements geschuldet sein mag, die fast permanent nach den Sternen greifen – wodurch die dynamische Bandbreite nur selten ausgenutzt wird.

Wirklich deutlich unangenehme Klänge finden sich kaum, abgesehen von „Step in Line“, wo das Stereobild des Klaviers gewöhnungsbedürftig erscheint. Beim bewussten Hören stechen einzelne Songs interessant heraus, andere wiederum sind nahezu schablonenhaft arrangiert. Insgesamt bietet „Miracle Pill“ ein ideales Album für eine durchzufeiernde Nacht, bei der die Musik den Soundtrack liefert, ohne selbst als „Hinhör-Musik“ im Vordergrund zu stehen.

GOO GOO DOLLS – MIRACLE PILL

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 7
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