Gleb Kolyadin – Gleb Kolyadin

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Iamthemorning-Pianist Gleb Kolyadin veröffentlicht sein erstes Soloalbum und lotet die Grenzen zwischen Klassik, Jazz und Rock aus.

Das russische Progressive Rock Duo Iamthemorning ist in Prog-Kreisen eine feste Institution – Gleb Kolyadin und Sängerin Marjana Semkina veröffentlichen auf dem renommierten Kscope-Label, das unter anderem auch Porcupine Tree, Riverside und Anathema beheimatet, ihr letztes Album „Lighthouse“ war gespickt mit Gaststars aus dem Genre wie Colin Edwin und Gavin Harrison von Porcupine Tree.
Gleb Kolyadins selbstbetiteltes Solodebüt wartet mit noch mehr prominenter Unterstützung auf: Als Backingband fungieren Harrison am Schlagzeug, Nick Beggs (u.a. Steven Wilson, Steve Hackett) am Bass und Theo Travis (u.a. Robert Fripp, Steven Wilson) an Saxophon und Flöte. Steve Hogarth (Marillion) und Mick Moss (Antimatter) leihen dem Virtuosen aus Sankt Petersburg ihre Stimmen, und Dream Theater’s Jordan Rudess spielt zusätzliche Keyboards. Jeder Künstler nahm dabei seine Parts separat auf – eine echt internationale Produktion.

Trotz all der geballten Instrumentalistenpower setzt sich Gleb Kolyadin als Fixstern in den Kompositionen durch. Sein Klavier führt durch die Geschichte, die sein Album erzählen will, mit subtiler Leitmotivik und dem Spiel mit verschiedenen Stimmungen und Genres. Mit „Insight“ startet Gleb Kolyadin relativ Prog-typisch mit kleiner Besetzung, bettet später ein Moogsolo in seine treibenden Klavierharmonien, dann setzt ein Kammerorchester ein. Taktwechsel werden so unauffällig verpackt, dass man es nur durch die Unterbrechungen des automatisch einsetzenden Kopfnickens bemerkt. „Astral Architecture“ klingt zunächst nach verträumter Filmmusik, dann macht Mick Moss‘ vielschichtige Stimme die Ballade zu einem der besten Songs auf der Platte. Das melancholisch startende „White Dawn“ verwandelt sich im Mittelteil zu einem klassischen Klaviertstück, „Kaleidoskope“ greift dessen Hauptthema auf und denkt es verspielt-jazzig weiter.

Gleb Kolyadin schafft es auf dem Album, der Klangästhetik des jeweils gerade im Fokus stehenden Genres gerecht zu werden, ohne das es zerfasert klingt. In den Klassik-Passagen klingt der im renommierten Mosfilm Studio Moskau aufgenommene Flügel nach Kammermusiksaal, in den jazzigen Passagen gibt Gleb Kolyadin nur einen Hauch Hall dazu, in den progressiveren Stücken kann es etwas mehr sein, was den Klang etwas luftiger und „poppiger“ macht. Die Keyboards sind klanglich an alte Helden wie Emerson Lake & Palmer oder Rick Wakeman angelehnt und klingen daher absichtlich etwas altbacken, dabei aber stets sauber aufgenommen. Das Schlagzeug ist, wie man es vom Perfektionisten Gavin Harrison gewohnt ist, brillant und fein aufgelöst, seine harmonisch abgestimmten Becken und Toms passen perfekt zum Klavier – auch aufgrund der Tatsache, dass er der erste Musiker war, der zu Kolyadins Spuren aufnehmen durfte. Der virtuos gespielte Bass ist sehr tief, behutsam dosiert und räumlich etwas seitlich platziert, um die tiefen Klavierpassagen nicht zu überdecken. Überhaupt sind alle anderen Instrumente eher „Randfiguren“, dem Klavier wird meist die Mitte überlassen, während sich die anderen Instrumente auf die Seiten verteilen und sich mal zur „Wall of Sound“ auftürmen, mal nur vorsichtige Akzente dazu geben. Ausnahmen bilden natürlich die Auftritte der Gaststars, hinter denen Gleb Kolyadin bescheiden zurücktritt.

Das Ergebnis ist eine spannende musikalische Erzählung, die sowohl Klassik- als auch Jazz- und Progressive Rock Fans gefallen dürfte.
Diese Rezension basiert auf dem auf einen 24 Bit/ 96 kHz Download, der uns freundlicherweise von Highresaudio zur Verfügung gestellt wurde.

BEWERTUNG GLEB KOLYADIN – GLEB KOLYADIN

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 8
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