Florence + The Machine – High as Hope

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Ausnahmestimme Florence Welch meldet sich mit „High as Hope“ zurück und ist reflektierter denn je. Statt orchestraler Grandeur lässt sie mehr Raum zum Atmen und Nachdenken.

Die Einsamkeit eines Rockstars, die Ersatzbefriedigungen Alkohol und Drogen – das ist kein neues Thema in der Popkultur, schließlich fallen immer wieder talentierte Musiker der Sucht anheim und müssen ihren Kampf dann teils in aller Öffentlichkeit austragen. Florence Welch hat den Kampf hinter sich, das Ergebnis ist „High as Hope“, das vierte Studioalbum ihrer Band Florence + The Machine. Das Album ist persönlich und schonungslos, mit klarer Stimme spricht sie vergangene Untiefen an und findet immer wieder den Bogen zurück zur Hoffnung.

Der Opener „June“ bereitet die Bühne. Das Stück startet als ruhiger Gospel um sich dann nach und nach in die von Florence + The Machine gewohnten epochaleren Stimmungen zu steigern. Die Single „Hunger“ ist ein kraftvoller Soul-Pop-Song, der von der inneren Getriebenheit der Menschen und der Suche nach Liebe um jeden Preis handelt. „Big God“ liegt irgendwo zwischen Bond-Song und experimenteller Jazz-Nummer – Jazz-Star Kamasi Washington, der gerade mit „Heaven and Earth“ selbst ein grandioses Album veröffentlicht hat, ist hier mit von der Partie.„No Choirs“ startet mit Welchs makelloser Stimme ohne jede Begleitung – eine der stärksten Stellen des Albums. „It’s hard to write about being happy cause the older I get I find that happiness is an extremely uneventful subject“ singt sie. In Momenten des Glücks aber könne sie alles Drama abstellen, das Glück als leise Melodie und nicht als epochale Symphonie.

Klanglich wird nichts dem Zufall überlassen. Welch schichtet ihre Stimme teilweise gefühlt 30 Mal in verschiedenen Harmonien und Tonlagen übereinander, bleibt aber auch deutlich häufiger etwas dezenter, als man es in der Vergangenheit kannte. Welch selbst schafft es, die Gefühle der Texte pointiert zu unterstreichen, mal säuselnd, mal voller Kraft, mit unglaublichen Phrasierungen ohne jemals gekünstelt zu wirken. Hier hat man wirklich das Gefühl, dass die Musikerin mit jedem Album immer noch besser wird. Während Welchs Stimme natürlich stets im Mittelpunkt steht, ist sie nicht übertrieben in den Vordergrund gemischt – sie braucht keine künstliche Aufmerksamkeit, um sich durchzusetzen. Stattdessen wird alles nahezu gleichberechtigt im Raum verteilt, teilweise scheinen Schlagzeugelemente lauter zu sein scheinen als die Stimme, ohne das diese verdeckt wird. Orchestrale Klänge wie Pauken sind fantastisch aufgenommen. Die Produktion ist deutlich minimalistischer als bei den Vorgängeralben, lässt zwischendurch viel Raum, selbst die orchestralen Stellen mit vielen Backingstimmen, Trompeten und Trommeln sind nicht zu dicht, sondern alles verteilt sich, und dank der erstklassigen Aufnahme und einem sehr gewissenhaften Umgang mit Effekten wie Hall oder Delay verschwimmt es nur, wenn es für die Wirkung so gewollt ist, wie am Schluss von „Patricia“, wo nach einem minutenlangen Aufbau der Song wie ätherisch zerfasert.

Florence + The Machine sind gereift, und „High as Hope“ ist ein wunderschönes Zeugnis davon.

BEWERTUNG FLORENCE + THE MACHINE – HIGH AS HOPE

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 8
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