Erasure – The Neon

Mit „The Neon“ veröffentlicht das britische Pop-Duo Erasure um Sänger Andy Bell und Synth-Mann Vince Clarke bereits sein 19. Album. „The Neon“ diene als imaginierter Ort, den der Hörer in einem Nachtclub, einem Shop, einer Stadt, einem Café oder irgendwo sonst verorten könnte, so Bell. Es sei „ein Platz der Möglichkeiten in warmem, glühendem Licht“. Nun denn, das lässt wahrlich Raum.

Typische 1990er-Jahre-Erasure-Synth-Sounds

„Hey Now (Think I Got a Feeling)“ startet gleich unverhohlen im Pop-Single-Format, wie es Erasure seit 1985 geprägt hat: Ein dezenter Drum-Computer pluckert durch die Takte, darüber wabern warme Synth-Fahnen, untermalt von Stakkato-Elementen. Die Klangfarben erzeugen eine Reminiszenz an die 1995er-Single „Always“. Darüber singt Andy Bell in überzeugtem Brustton eine Aneinanderreihung aus Impressionen und Verlangen. Der Refrain wirkt mit etwas abgedroschenen Harmoniefolgen zunächst überambitioniert, bleibt aber schließlich irgendwie hängen. Zum Ende gesellen sich noch schrägere Lead-Synth-Sounds hinzu, die grob die frühe Depeche-Mode-Single „Just Can’t Get Enough“ im Kopf des aufmerksamen Hörers wachrufen.

Minimalismus als Stilelement

„Nerves of Steel“ ist minimalistischer gehalten, mit sehr dezenten, kurzen Rhythmusklängen. Auch hier gilt: Es herrschen gewohnte Harmonien vor, aufgebrochen durch einen interessanten Moll-Übergang zum Refrain. Letzterer klingt dann allerdings schablonenhaft, mit intensiv-lautem Gesang. Auch die Wiederholung kurzer Wortfolgen in der Strophe wirkt gewollt. „Fallen Angel“, ähnlich reduziert arrangiert, strotzt von Textzeilen nahe der Kitschgrenze („Almost Fell of a Cliff, I Had to Learn to Fly“) – am Ende bleibt ein brauchbarer Wohlfühl-Popsong. Das härtere „Shot a Satellite“ erscheint in einem Arrangement-Baukasten zusammengesetzt, mit abstrakt nebeneinander herlaufenden Elektro-Sounds und einem Refrain nach Schema F. Gelegentlich bricht die Nummer aus dem bekannten harmonischen Schema aus. Auch die kurze Synth-Melodie nach dem Refrain lädt zum Hinhören ein. Bei „New Horizons“ setzt die Produktion auf eine Ballade mit Pianoklängen, Song und Arrangement hinterlassen jedoch einen unfertigen, abstrakten Eindruck. „Kid You’re Not Alone“ schließt die zehn Songs ab, mit leicht angezerrten Synth-Sounds – hier klingen Erasure auf dem neuen Album zum ersten Mal wirklich der 1990er-Jahre-Ästhetik enthoben.

Ein Album zwischen zeitlosem Elektro-Pop-Sound und Schärfe

„The Neon“ dürfte besonders Fans gefallen: Das Songwriting erscheint solide, allerdings fehlt die Leichtigkeit früherer Songs von Erasure. Die demonstrative Eingängigkeit funktioniert meist nur kurzfristig. Die recht laut gehaltene Produktion bietet größtenteils gewohnte Elektropop-Klänge, die im Mix klar zu orten sind. Dabei bleibt der Eindruck einer ‚harten‘, sterilen Produktion: Das Höhenspektrum klingt scharf, das fordert den Hörer beim Durchhören. Regelmäßig sind Synth-Klänge sehr breit und außerphasig im Stereobild angelegt – etwa bei „Nerves of Steel“ oder „Diamond Lies“. Das strengt ebenfalls an und reißt aus dem Gesamtbild heraus. Das am 21. August erscheinende Album ist als Vorbestellung zudem in limitierten Versionen erhältlich: als Vinyl in Neon-Orange, als Kassette in Neon-Grün sowie als CD in Orange, mit aufklappbarem Text- und Fotobuch. Regulär wird „The Neon“ als schwarzes Vinyl und digital zu haben sein.

BEWERTUNG ERASURE – THE NEON

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 6
Klang 6
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