Eels – Earth to Dora

Eels Earth to Dora
Quelle: PIAS

Auch beim mittlerweile dreizehnten Album besinnt sich Eels-Chef Mark Oliver Everett auf die Analyse zwischenmenschlicher Probleme. Everett widersteht dabei dem Zeitgeist der 2000er Jahre, sich durch Ironie zu distanzieren; der 57-jährige Amerikaner blickt stattdessen empathisch und mit teils angenehm absurdem Humor auf sein Umfeld. Musikalisch mischt er zuverlässig leichtfüßig eingängige Melodien mit melancholischen Zwischentönen.

Zeitlose Pop-Songs mit charmanten Soul- und Folk-Anklängen

So beginnt dann auch das Album: „Anything For Boo“, mit poppig-krachender Snare-Drum produziert, vermittelt fast kinderlied-artigen Gute-Laune-Charme mit Glockenspiel-Einwürfen. Thematisch kombiniert Everett unbeschwertes Alltagsleben und emotionale Abhängigkeit. „Are We Alright Again“ greift unbeschwerte Soul-Ästhetik in Richtung Motown auf, zusammen mit Holzbläsern – das lädt zum Mitwippen ein. „Who You Say You Are“, mit gedoppeltem Gesang und teils leicht gebrochenem Timbre, stellt eine melancholische Ballade mit E-Gitarren-Picking und Streichern dar; Everett kommentiert Enttäuschungen in Erwartungshaltungen.

Balladen zwischen Anklagen und Akzeptanz

Der ebenfalls leicht melancholische Titelsong, eine Midtempo-Nummer, „Earth to Dora“ startet mit sich geschickt windenden, ungewöhnlichen Harmonien – bevor er schließlich eingängigen Charakter entwickelt; ein Höhepunkt. Die zwölfsaitige E-Gitarre lässt einen Hauch Byrds-Flair durch den Raum wehen, gleichzeitig bleibt das Ergebnis in Kombination mit Streichern und Everetts lakonischer, fast lebensüberdrüssiger Erzählhaltung gewohnt eigen. Das gesetzt-traurige „Dark and Dramatic“ bleibt weitgehend akustisch mit Mandoline, Klavier und Streichern. Das Stück setzt sich in behutsamer Folk-Ästhetik mit dem reibenden Widerspruch aus Liebe und einer eigentlich unpassenden Partnerschaft auseinander. „Are You Fucking Your Ex“ kommt im Titel auf den Punkt, gekleidet in süßliche Indie-Soul-Klänge mit Glockenspiel und teils melancholische Harmonien. Das behutsam gespielte „Waking Up“ schließt die zwölf Stücke mit fast demo-artigem Wohnzimmer-Charme einer leisen E-Gitarre, dazu gesungen in einem wohl kleinen Raum zwischen Erkenntnis und Akzeptanz.

Größtenteils gelungene Produktion

Wie bereits das 2018er Vorgänger-Album „The Deconstruction“ verzichtet „Earth to Dora“ auf überzogene Lautheit, auch Mark Oliver Everetts Gesang kommt ohne die bewusste Verzerrung auf früheren Alben aus, was ihn direkter, verständlicher und weniger nuschelnd erscheinen lässt. An die frühere Produktionsweise erinnert vereinzelt noch der mittig-dunkle Gesang in „The Gentle Souls“, „Of Unsent Letters“ und „I Got Hurt“. Einzelne Stücke – etwa die ersten beiden, „Anything For Boo“ und „Are We Alright Again“ – wirken leicht überpräsent im Höhenspektrum. Danach wandelt sich das Klangbild mit dezenterer Präsenz, auch deutliche Kompression fehlt. Umgekehrt erscheinen einzelne Elemente wie Gesang, Bass oder Gitarren teilweise dünn, auch im Tiefmittenspektrum fehlt Klangfülle. „Dark and Dramatic“ beispielsweise klingt durchweg dünn, die Mandoline kratzt dabei hart im Ohr. Der Titelsong stellt in Sachen klanglicher Direktheit eine Ausnahme dar.

Insgesamt hätte eine ausgewogenere Produktion über die einzelnen Stücke hinweg die Qualität des Songmaterials noch deutlicher unterstrichen. Letzteres fällt beim ersten Hören nicht spektakulär auf – und gerade das macht es reizvoll. Dabei schafft es Everett scheinbar mühelos Musik zu machen, die so klingt, als sei sie eigentlich immer schon dagewesen. Die Zeitlosigkeit nimmt ihr gleichsam ein Verfallsdatum.

EELS – EARTH TO DORA

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 7
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