David Bowie – Changesnowbowie

David Bowie nahm in Proben zum Konzert im New Yorker Madison Square Garden anlässlich seines 50. Geburtstags 1997 einige weitgehend akustisch gehaltene Versionen auf. Das Material – im November 1996 eingespielt – diente zunächst für eine BBC-Ausstrahlung zu Bowies Geburtstag. Mittlerweile hat Parlophone daraus eine EP mit neun Songs und gut halbstündiger Spielzeit veröffentlicht. Der Titel „Changesnowbowie“ spielt dabei auf die früheren Compilations „Changesonebowie“ und „Changestwobowie“ an.

Experimenteller Akustik-Pop

„The Man Who Sold the World“ eröffnet das kurze Album nur mit Akustikgitarren, E-Bass und elektrischer Sitar, später gesellen sich Streicher-Sounds dazu. Durch das sparsame und trotzdem frische Arrangement mit Sitar-Melodien und unterlegtem Melodie-Bass bleibt David Bowie angenehm nahbar, seine Songwriter-Qualitäten werden in den Vordergrund gestellt. Zum Zeitpunkt der Einspielung war gerade die MTV Unplugged-Coverversion des Stücks von Nirvana bekannt – Bowies ähnlich ruhige Interpretation wirkt im ersten Moment weniger tragisch, schwermütig oder ‚punkig‘ kratzend – stattdessen lässt er die Erzählung wirken.

„Aladdin Sane“, im Duett mit Bassistin Gail Ann Dorsey gesungen, ist ähnlich sparsam instrumentalisiert, mit Akustikgitarren, dichtem Melodie-Bass und Keyboards. Bowies Gesang wirkt mit dem typischen Vibrato allerdings stellenweise übertrieben. Hier bleibt der Spannungsbogen über den gesamten Song weniger erhalten. Die recht künstlichen, leicht billig wirkenden Piano-Klänge von „Keytar“-Gitarrist Reeves Gabrels, der interessant-schräge Einwürfe beisteuert, erscheinen dabei gewöhnungsbedürftig.

Velvet-Underground-Cover

Mit „White Light/White Heat“ covert David Bowie den Velvet-Underground-Klassiker, den er bereits seit 1971 im Live-Programm hatte. Im Gegensatz zum brachialen Garagen-Sound des Originals wird hier eine ‚geordnete‘ Variante geboten, mit Viertel-Bassdrum, angezerrter Gitarre, Akustikgitarre und dem angenehm füllenden Bassspiel von Dorsey. Die Ästhetik erinnert grob an die Talking Heads, mit einem gelungenen Spannungsfeld aus psychotischer Botschaft und gradliniger Darbietung, ergänzt durch ein reizvolles Solo von Reeves Gabrels.

Die Tin-Machine-Nummer „Shopping for Girls“ breitet sich fast elegisch aus, mit Keyboard-Pad-Sounds und Slide-Gitarre. Das Arrangement ‚befreit‘ den Song vom abstrakten Klang der Studioaufnahme fünf Jahre zuvor, mit allzu glattem Pop-Schlagzeug. „Lady Stardust“, mit programmierten E-Drums hinterlegt, wirkt wiederum flach in Klang und Arrangement. „The Supermen“ und „Repetition“ hinterlassen einen ähnlich beliebigen Eindruck. Bei „Andy Warhol“ hingegen wird – ähnlich wie beim Opener – durch die reduzierte Performance aus Akustikgitarren und Melodien die Erzählung hervorgehoben, was die Qualitäten des Songs untermauert. „Quicksand“ schließt die EP ruhig und getragen, mit gelungenen Streichern.

Neue Perspektive auf Altbewährtes

Die Aufnahmen sind hochwertig, mit angenehm plastisch abgebildeten Instrumenten – auch Balance und Dynamik werden gelungen abgebildet, was zum Durchhören einlädt. Einzelne Instrumenten-Klänge erscheinen etwas belegt (beispielsweise die Konzertgitarre in „Quicksand“), dazu trüben die drahtig-dünnen E-Drum- und Piano-Sounds den Gesamteindruck. Trotzdem bleibt ein grundsätzlich wertiger, hörenswerter Einblick aus neuer Perspektive in einige Songs von David Bowie. Die neun Stücke sind zunächst als Download erhältlich und sollen ab dem „Record Store Day“ am 20. Juni 2020 als limitierte Auflage auch auf CD und Vinyl erscheinen.

BEWERTUNG DAVID BOWIE – CHANGESNOWBOWIE

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 8
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