Colleen – The Tunnel and the Clearing

Colleen – The Tunnel and the Clearing

Die französische Electronik-Musikern Cécile Schott veröffentlicht seit 2003 in regelmäßiger Folge experimentelle Alben. Aktuell hat Schott, zwischenzeitlich in Barcelona beheimatet, ihr siebtes Werk, „The Tunnel and the Clearing“ veröffentlicht, das unter den Eindrücken des Lockdowns und der Behandlung einer Erschöpfungskrankheit entstand. Bei der Produktion kamen ausschließlich analoge elektronische Klangerzeuger zum Einsatz, wie es heißt. Auf die Viola de Gamba, die Schott als akustisches Instrument sonst normalerweise spielt, hat die Künstlerin bei dem Album verzichtet.

Herbstliches Ambient-Flair

„The Crossing” beginnt minimalistisch, mit sanften Rhythmusmaschinen, Shakern, harmonischen Hammond-Kaskaden und einzelnen, in Echo getauchten Melodietupfern. Das instrumentale Stück erinnert atmosphärisch an eine melancholische Version der meditativen Nummer „Swing It Low“ des australischen Trios Morphine – oder auch an Post-Rock-Ambient-Bands wie Gregor Samsa. Die Stimmung markiert gefühlt einen Übergang der Jahreszeiten zwischen Sommer und Winter, irgendwo auf einer Veranda, umweht von erstem Herbstlaub. In „Revelation“ modulieren Synth-Pads und pluckernde Echo-Rhythmus- und Melodie-Schnipsel unaufdringlich eingängige Harmonien unter Schotts zurückhaltendem Gesang. Der ist hintergründig gemischt, dadurch steht auch hier die Atmosphäre im Vordergrund.

Winterlicher Space-Bossa

Bei „Implosion-Explosion” frohlockt der zeitlose Retro-Rhythmusautomat mit einem dezenten Bossa-Rhythmus, darüber verfremdete Hammond-Sounds und Stakkato-Einwürfe. Die teils wilden, verhallten Filter-Sounds verbinden Kälte und Behutsamkeit. Die instrumentalen Synth-Kaskaden des Titelstücks klingen wieder freundlicher und versöhnlicher, wie ein Auftauchen aus dem Tunnel des Winters. „Gazing at Taurus – Santa Eulalia“ ist ebenfalls minimalistisch gehalten, mit Sprechgesang und leichter harmonischer Untermalung. „Gazing at Taurus – Night Sky Rumba“ greift erwartungsgemäß mit der dezenten Rhythmusmaschine in Richtung Rumba. Die im Echo antwortenden Harmonien des Instrumentals mit dunklen Synth-Klängen variieren zwischen aufbauenden Dur-Licks und Moll-Variationen mit Minimal-Pop-Charakter. „Hidden in the Current“, das siebte und letzte Stück des gerade mal gut 35-minütigen Albums, ist mit das experimentellste: Die Synths sind in Federhall getaucht, der Gesang leicht in Effekte, komplexe Filter-Klangräume werden ein- und ausgeblendet. Trotzdem bleibt das Arrangement – wie auf der gesamten Platte – immer gut sortiert. Das schließt den Kreis des Albums und macht mitunter Lust, die „Ambient-Fahrten“ in einer Schleife zu hören.

Stimmungskino mit atmosphärischem Sound – und etwas „Härte“

Hit-Singles enthält „The Tunnel and the Clearing” erwartungsgemäß nicht, dafür bietet das Album gut durchhörbares Stimmungskino mit gelungenen Kompositionen. Die Klangfülle beeindruckt, gerade die fülligen, gut sortierten Tiefmitten transportieren die Sounds gut. Die Rhythmusmaschinen sind auch im Bass gelungen präsent gemischt. Das Stereobild erscheint aufgeräumt und klar ortbar – hier helfen die gut austarierten, minimalistischen Arrangements, der „roten Faden“ bleibt für den Hörer zu jeder Zeit greifbar. Minimale Anflüge von Schärfe und Härte im Höhenbereich nehmen der Produktion das „Sahnehäubchen“ – sonst wäre die wohlig-versöhnliche Tunnel- und Lichtungsstimmung zwischen gefühltem Sommer, Herbst und Winter ideal im Klang umgesetzt. Trotzdem bleibt das Ergebnis gut durchhörbar.

COLLEEN – THE TUNNEL AND THE CLEARING

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 8
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