Charlotte Dos Santos – Harvest Time EP

Die 30-jährige norwegisch-brasilianische Jazz-Sängerin Charlotte Dos Santos hat mit „Harvest Time“ ihre zweite EP veröffentlicht. Charlotte Dos Santos, die in Berlin lebt, hatte zuvor bereits im Jahre 2017 ihre Debüt-EP namens „Cleo“ auf den Markt gebracht.

Zwischen Jazz, Klassik und – Kunst

Der Titelsong der EP, „Harvest Time“, eröffnet als erste der fünf Nummern die zweite Veröffentlichung der Wahl-Berlinerin. Sanfte Klavierakkorde ‚tupfen‘ hier fast impressionistisch eine harmonisch halb-atonale Strophe, dazu leichte Percussion. Darüber singt Charlotte Dos Santos, die im hellen Timbre hier an Kate Bush oder Björk erinnert, verhallt und mit aufwändigen Background-Stimmen-Arrangements, bevor schließlich ein halb schräger, halb eingängiger Refrain folgt, mit betontem Rhythmus. Das alles bewegt sich zwischen Jazz-Experimenten, Klassik – und schlicht: ‚Kunst‘, nicht zu vergessen: Folk und Pop. Der zweite Song des Kurzalbums ist ebenfalls experimentell gehalten, mit Harfenklängen, die ein dichtes Musikbett unter die unerwarteten Tonsprünge im Gesang weben.

Pop-Elektro-Orchester-Experimente

Charlotte Dos Santos 3
Charlotte Dos Santos

„Helio“ erweist sich mit leicht angezerrten, dumpfen elektronischen Drums und Streichern als Pop-Elektro-Experiment. Charlotte Dos Santos erinnert mit dem etwas zurückhaltenderen Gesang hier grob an Feist. „The Snow Dance“ bleibt zunächst ebenfalls elektronisch, allerdings mit wattig-pulsierenden, blubbernden Synth-Sounds softer gehalten. Das Ambient-Ergebnis erinnert an eine Mischung aus Erasure, Bronski Beat und Brian Eno, dazu die sirenenhaften Gesangsmelodien der Künstlerin. Irgendwann gesellen sich Hörner und Streicher hinzu, die mit ihrem rhythmischen Muster schließlich ganz übernehmen – ein interessanter Kontrast. „Josef“ schließt das Album, bei dem Fagottklänge das Rhythmusbett legen. Hier erinnert Charlotte Dos Santos abermals an Feist – und dieser Song stellt den eingängigen Höhepunkt der vorliegenden EP dar. Das Stück zeigt bei aller ungewöhnlichen Instrumentierung das große Pop-Potenzial der Sängerin, verknüpft mit einem interessanten Text.

Charlotte Dos Santos legt mit „Harvest Time“ ausgereiftere Platte vor

Ungeachtet aller Diversität wirkt „Harvest Time“ künstlerisch geschlossener als noch die Vorgänger-EP „Cleo“, bei der die Experimente der jungen Charlotte Dos Santos weniger aufgingen. Klanglich erscheint die neue EP ebenfalls „‘reifer‘, mit hochwertiger Produktion, die nur vereinzelt in Ansätzen scharf in den Höhen wirkt, und etwa bei „Helio“ mit seltsam breitem Stereobild aufwartet. Beim Opener „Harvest Time“ wirkt Dos Santos‘ Stimme noch hintergründig und dünn gemischt, ansonsten erscheinen die Klang-Elemente durchweg gut ortbar gemischt. Gerade „Josef“, der Abschluss von „Harvest Time“, macht Lust darauf, was diese spannende Künstlerin wohl künftig noch veröffentlichen wird.

CHARLOTTE DOS SANTOS – HARVEST TIME EP

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 7
Klang 7
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