Calexico and Iron & Wine – Years to Burn

Die siebenköpfige Indie-Band Calexico, Mitte der 1990er-Jahre in Tucson, Arizona gegründet, veröffentlichen regelmäßig anspruchsvolle Alben im Spannungsfeld zwischen Rock-, Folk- und Latin-Einflüssen. Bereits 2005 hat die Truppe die EP „In the Reigns“ mit dem Singer-Songwriter Sam Beam aufgenommen, der unter dem Künstlernamen Iron & Wine auftritt. Mit „Years to Burn“ folgt nun eine erneute Zusammenarbeit für ein Album mit acht Songs und gut einer halben Stunde Musik.

Der erste Song „What Heaven’s Left“ ist eine eingängige, tragende Midtempo-Folk-Ballade, bei der sich die Gesänge von Beam und Calexico-Frontmann Joey Burns wie selbstverständlich ineinanderfügen. Getragen wird der Song vom gewohnt „räumlich“ klingenden Calexico-Schlagzeug von John Convertino, dazu Akustikgitarre, dezente Trompeten-Untermalung und Pedal-Steel-Gitarre. „Midnight Sun“ erscheint ruhiger, fast beschwörend ätherisch mit Call-Response-Gesängen, zur Pedal-Steel-Gitarre gesellen sich schließlich angecrunchte Gitarren-Akkorde und interessante Piano-Harmoniewechsel – ebenfalls ein gelungener Song.

„Father Mountain“ klingt noch stärker nach einer in den 1970er-Jahren geprägten Hippie-Folk-Ballade, die geschmackvollen E-Gitarren-Licks könnten gut von Jonathan Wilson stammen. Das Ergebnis erscheint ebenfalls eindrucksvoll als gelungen tiefgründiges wie eingängiges Songwriting. „Outside El Paso“ erweist sich als kurze Geräusch-Collage zwischen düsterem Jazz und atmosphärischen Impressionen, irgendwo zwischen Miles-Davis-Soundtracks und Talk-Talk-Alben wie „Spirit of Eden“. Passend zum landschaftlichen Titel ziehen entsprechende Bilder vor dem geistigen Auge des Hörers auf. „Follow the Water“ ist stärker verhallt als die bisherigen Songs, lässt mehr Raum zwischen Gitarren und Gesang, und zieht den Hörer mit Beams Stimme unweigerlich entspannt in seinen Bann.

„The Bitter Suite (Pájaro / Evil Eye / Tennessee Train)“ beginnt mit Fingerpicking-Konzertgitarre und spanischem Gesang deutlich mexikanisch angehaucht, bevor bei „Evil Eye“ ein brachialerer Rhythmus mit Mariachi-Trompete einsetzt, mit sich stetig steigernder Dynamik. Zum Schluss beschränkt sich die Band zu Sam Beams Gesang bei „Tennessee Train“ auf Kontrabass und minimale Gitarrenkadenzen sowie einzelne Vibrafon-Einwürfe, Akkordeon und minimale Drums. Hier entsteht wieder der balladeske Sog, der bereits die vorangegangenen Stücke mit ausmachte. Der Titelsong „Years to Burn“, das langsamste Stück auf der Platte, exerziert eindrucksvoll das „Raum-Lassen“: Über das Harmoniegerüst aus sparsamen Piano-Akkorden singt Beam mit fast intimer Stimme, begleitet von getragenen Trompeten. „In Your Own Time“ schließt als grundtöniger, beschwingter Folkpop-Song die kleine Stücke-Sammlung.

Die Zusammenarbeit von Calexico mit Beam erscheint ähnlich selbstverständlich wie schon auf der 2005er EP. War „In the Reigns“ noch Blues-rockig gehalten, verlegt sich „Years to Burn“ ganz in Richtung eingängigen Folk-Rock. Klanglich erscheint das Album – statt in Tucson im legendären Studio von Cowboy Jack Clement in Nashville aufgenommen – bislang als die ausgewogenste Veröffentlichung von Calexico: keine übermäßige Dichte oder Kompressions-Artefakte, keine überzeichneten Höhen – stattdessen Raum für Atmosphäre, und ein beeindruckend weites Panorama, über das sich die Instrumente wie selbstverständlich verteilen.

Lediglich der Hall auf der Konzertgitarre in „The Bitter Suite“ wirkt etwas künstlich, im zweiten Teil des Stücks erscheint das Stereopanorama merkwürdig „verschoben“ – minimale Einschränkungen einer zu den Songs passenden Produktion, die sich manchem Pegel-Zeitgeist erfolgreich verwehrt. Einziger Wermutstropfen mag die geringe Spielzeit bei einer derart gelungenen Zusammenarbeit sein. Umgekehrt spricht auch für das Album, dass die Musiker auf zusätzliche „Füller“ zugunsten des Umfangs verzichtet haben.

BEWERTUNG CALEXICO AND IRON & WINE – YEARS TO BURN

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 9
Klang 8
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