Bon Iver – I, I

Die 2007 gegründete Indie-Folk-Projekt Bon Iver um Sänger und Songwriter Justin Vernon hat mit „I, I“ das vierte Album veröffentlicht. Nach ursprünglich ‚traditionell‘ akustisch-folkigen Klängen war die Musik zuletzt elektronischer geworden, mit moderner R&B-Stilistik.

Das kurze Intro-Strück „Yi“ bietet abwechselnde Klangfetzen – so, als würde man den Frequenzbereich eines Radios absuchen. Der anschließende Song „iMi“ ist zunächst ruhig gehalten, mit minimalistischer Begleitung, darüber mehrstimmige R&B-Harmoniebegleitung – schließlich setzen ein softer Drum-Computer, leichte Claps und Vocodor-ähnliche Synth-Klänge ein. „We“ bleibt stilistisch ähnlich, mit mehrstimmigen Kopfstimmengesängen, verhallten Stimmen, hintergründigen Drums, dazu gelungene Bläser-Synth-Kaskaden – ein erstes eingängiges Highlight. „Holyfields,“ – absichtlich mit Komma geschrieben – bleibt ebenso wabernd, mit tremolierenden Synthesizer-Texturen, darüber wieder mehrstimmiger Gesang, allerdings mit leicht beliebig wirkendem Arrangement.

„Hey, Ma“, mit minimalen pulsierenden Synth-Sounds, Synth-Flächen und sanften Snare-Trommelwirbeln unterlegt, klingt wiederum eingängig und ‚marschiert‘ unaufdringlich voran. Im Gesangstimbre erinnert Vernon hierbei grob an Lenny Kravitz. „U (Man Like)“, mit Klavierakkorden untermalt, setzt wiederum stärker auf Kopfstimmengesänge. „Naeem“, ebenso eine Midtempo-Popballade, geht mit den gelungenen Harmonien und dem Gesangsrhythmus gut ins Ohr und schlägt einmal mehr die stilistisch interessante Brücke zwischen Pop, R&B und Hip-Hop, ohne den Fokus auf den Song selbst zu verlieren, ohne lyrische Nabelschau des Künstlers – ein Anspieltipp.

„Jelmore“ baut den Gesang über verfremdeten gepulsten Lo-Fi-Synth-Akkorden auf; ungewohnt im Ergebnis, aber auf eine bemerkenswert angenehme Weise. „Faith“ klingt zu Beginn nach „klassischerem“ Folk, mit Akustikgitarren, dazu der gewohnte Kopfstimmengesang und gleißend-hell aufgehende, schließlich verzerrte Synth-Sounds. In der zweiten Strophe setzt ein klassischerer, ebenfalls angezerrter Schlagzeug-Rhythmus ein – eine Ausnahme, denn ansonsten kommt das Album weitgehend ohne deutliche Drum-Rhythmen aus. „Marion“ bleibt größtenteils akustisch, mit Fingerpicking-Gitarre, Synth-Klängen in Richtung Violinen- und Bläser-Ästhetik und expressiven Harmoniegesängen – ein weiterer Höhepunkt und stilistischer Kontrast. „Salem“ bleibt mit pulsierendem Synth und flotterer Percussion zunächst statisch, wird dann von einem komplexeren, hintergründigen Drum-Beat und Streichern abgelöst. „Sh’Diah“ und „RABi“ beschließen das Album mit Synth-Texturen, darüber Gesang, zwischen rhythmischem Rap und melodischen Phrasen dargeboten.

Die Abkehr vom herkömmlichen ‚akustischen‘ Folk hatte bereits das Vorgängeralbum „22, a Million“ 2016 eingeläutet. Bei diesem waren die Songs allerdings gradliniger arrangiert, während „I, I“ eine ähnliche stilistische Mischung bietet, aber vergleichsweise skizzenhaft wirkt.

Klanglich bleibt „I, I“ unspektakulär: keine unangenehm hochgezogenen Höhen, allerdings auch keine direkten Bässe. Bis auf wenige Ausnahmen („Marion“) setzt die Produktion auf eher ‘entfernt‘ wirkende Klänge, auch die Gesangsstimmen erscheinen dünn. Das stört freilich nicht, allerdings wirkt das Album auch dadurch beliebiger.

BEWERTUNG BON IVER – I, I

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 6
Klang 7
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