Bettye LaVette – Things Have Changed

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Die 72-Jährige Sängerin Bettye LaVette hat eine denkbar undankbare Karriere hinter sich; in Detroit aufgewachsen, nahm sie in den 1960er Jahren einzelne erfolgreiche Singles auf, ging unter anderem mit James Brown auf Tournee. Ganze Alben, die sie in den 1970ern aufnahm, wurden nicht veröffentlicht. Erst in den 2000ern kam die nachträgliche Veröffentlichung ihres ersten Albums durch einen französischen Sammler – und damit LaVattes Karriere schlussendlich doch noch in Schwung.

In Timbre und Energie erinnert LaVette an Tina Turner und Diana Ross, als Interpretin transportiert sie erzählerische Glaubwürdigkeit. Das hat ihr nach der neu belebten Karriere Popularität verschafft – beim letztjährigen Gedenkkonzert an Leonard Cohen war LaVette etwa eine der wenigen Performer, die sich einen Cohen-Interpretation zu eigen machen konnte. Auf dem aktuellen Album „Things Have Changed“ widmet sich die Interpretin Bob-Dylan-Songs und hat mit Schlagzeuger und Produzent Steve Jordan (der als Drummer ebenfalls mit Bob Dylan gearbeitet hat, dazu Neil Young und B.B. King), Bassist Pino Palladino (Phil Collins, Eric Clapton, John Mayer), Jazz-Posaunist Trombone Shorty und Gast-Gitarrist Keith Richards namhaftes Personal versammelt. Den Nummern – größtenteils unbekanntere Dylan-Songs – haucht sie teilweise neues Leben ein: Der Titelsong funktioniert als gleichmäßige, sich angenehm stoisch durchpflügende Midtempo-Bluesrock-Nummer.„It Ain’t Me Baby“ stellt eines der ersten Highlights dar, eine abgeklärte, gleichsam energetische Erzählung mit Platz für geschmackvolle Tremolo-Gitarren-Linien von Larry Campbell, minimalistische Licks von Keith Richards und Rhodes-E-Piano-Texturen.

„Political World“ überzeugt als Blues-Reggae-Mix, „Don’t Fall Apart On Me Tonight“ als Klavier-Ballade. Die minimalistische Akustik-Country-Ballade „Mama You Been On My Mind“ mit dezenten Pedal-Steel-Einwürfen ist ein weiteres Highlight, ebenso wie „Going Going Gone“. Das fast treibende „Do Right To Me Baby (Do Unto Others)“ wirkt hingegen unruhig geschäftig. Allen Songs gemeinsam ist dabei die selbstverständliche, eigene Interpretation Bettye LaVettes, die keinen Gedanken an eine Cover-Version aufkommen lassen, ohne den Versuch einer angestrengten Profilierung.

Klanglich überzeugt die Produktion mit direkten, präsenten Signalen, atmosphärischem Stereobild und Tiefenstaffelung. Lediglich minimale Andeutungen klanglicher Schärfe bei HiHat oder in lauteren Gesangspassagen sowie deutliche Lautstärke bei „kräftigeren“ Songs lassen Artefakte einer „modernen“ Produktion anklingen. Davon abgesehen, bleiben Gitarren, Gesang und Schlagzeug immer klar ortbar, die Arrangements fließen scheinbar mühelos zu einer Einheit zusammen. Und der Gesang ist in den meisten Songs ähnlich wie bei einer Band-Performance „geerdet“ in die Musik eingebettet, statt weit darüber zu thronen – ungewöhnlich für ein Album einer Sängerin. Das klingt nach jemandem, der nichts mehr beweisen will und muss. Als Grundlage für die Rezension dient ein 24 Bit/96 kHz-Download, der uns freundlicherweise von HIGHRESAUDIO zur Verfügung gestellt wurde.

BEWERTUNG BETTYE LAVETTE – THINGS HAVE CHANGED

TESTERGEBNIS Punkte
Interpretation  7
Klang  8

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