Analog, digital, (un-)symmetrisch – Was Sie über Audiokabel wissen sollten

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Kabel sind ein wichtiger Bestandteil jeder Audiokette. Egal ob große Verkabelungen im Tonstudio oder eine einfache Verbindung des Kopfhörers mit der Stereoanlage respektive dem Smartphone oder Digital Audio Player – minderwertige Audiokabel mindern die Klangqualität. In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über Audiokabel wissen müssen.

Ein Audiokabel von guter Qualität sorgt für eine bessere Wiedergabe der Dinge, die wir uns anhören. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, in diesem Artikel alles Wissenswerte rund um das Thema Audiokabel zusammenzufassen. In den folgenden Absätzen werden symmetrische und unsymmetrische Verbindungen beleuchtet, analoge und digitale Typen aufgezeigt, diverse Steckertypen erläutert und Begrifflichkeiten erklärt.

Audiokabel – Symmetrisch oder unsymmetrisch?

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Mikrofonkabel mit XLR-Anschluss im Tonstudio

Diese Frage stellt sich in professionellen Tonstudios zumeist gar nicht erst. Hier werden, wenn möglich, symmetrische (balanced) Verbindungen eingesetzt. Im Hi-Fi- respektive Consumer-Bereich verhält es sich anders: Unsymmetrische (unbalanced) Verbindungen sind hier weit verbreitet. Doch wo liegt der Unterschied dieser Audiokabel eigentlich genau?

Ein unsymmetrisches Audiokabel besteht lediglich aus zwei Leitern (Adern). Einer von ihnen zeigt sich für die Schirmung und Masse verantwortlich, der andere überträgt das Nutzsignal. Ein Vorteil ist, dass unsymmetrische Audiokabel sehr kostengünstig sind und kurze Kabelstrecken meist problemlos ohne Störgeräusche realisiert werden können. Ein großer Nachteil unsymmetrischer Audiokabel besteht allerdings darin, dass besonders lange Kabelverbindungen sehr anfällig gegenüber Störgeräuschen sind. Ein Großteil der unsymmetrischen Audiokabel ist als Klinken- oder Cinch-Kabel ausgelegt. Übrigens sind auch S/PDIF-Verbindungen unsymmetrisch.

Over-Ear-Kopfhörer Sennheiser HD 820
Gleich drei verschiedene Audiokabel befinden sich im Lieferumfang unserer Redaktions-Referenz im Bereich geschlossener Over-Ear-Kopfhörer, dem Sennheiser HD 820: 1x XLR-4, 1x 6,3 Millimeter Klinke und 1x 4,4 Millimeter Kliniken (Pentaconn).

Besonders im professionellen Umfeld sind symmetrische Audiokabel weit verbreitet. So kommt es vor, dass beispielsweise unsymmetrische Kabelverbindungen einer E-Gitarre durch eine D. I. (= Direct Injection)-Box symmetriert werden, das asymmetrische Signal also in ein symmetrisches umgewandelt wird. Doch welchen Vorteil bringt diese Art der Übertragung? Fangen wir von vorne an: Neben den bereits erwähnten Adern für Masse und Nutzsignal (A) verfügt ein symmetrisches Audiokabel darüber hinaus über eine weitere Ader. Diese überträgt ebenfalls das Nutzsignal (B) – allerdings mit entgegengesetzter Polarität. Dabei ist die Verbindung so konzipiert, dass sich Störsignale gegenseitig aufheben.

Hier finden Sie alle Tests zu Studio-Kopfhörern.

Digitale Signale
Natürlich können Audiosignale auch digital – und damit nahezu frei von Verlusten – über Audiokabel übertragen werden. Hier wird eine Abfolge von Zahlenwerten in gleichmäßigen Intervallen abgegeben. Jede dieser Zahlen repräsentiert die Amplitude an einem bestimmten Zeitpunkt. Die sogenannte Sample-Rate legt die Geschwindigkeit der Abfolge fest.

Stecker für analoge Signale

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Klinkenkabel in verschiedenen Größen (6,3 Millimeter, 3,5 und 2,5 Millimeter)

Klinke
Der sogenannte Klinkenstecker ist wohl den Allermeisten ein Begriff. Als „große Klinke“ wird die 6,3-Millimeter-Variante umgangssprachlich bezeichnet. Sie wird zum Beispiel bei Instrumenten eingesetzt. Doch auch viele Kopfhörer werden mit einem Adapter auf dieses Format ausgeliefert, da im Lieferumfang meist eine kompaktere Version dieses Steckers verwendet wird; die 3,5-Millimeter-Klinke, um genau zu sein. Darüber hinaus gibt es auch noch die 2,5-Millimeter-Mini-Klinke. Und schließlich findet auch die 4,4-Millimeter-Variante (Pentaconn) immer mehr Verbreitung.

Klinkenkabel können verschiedene Arten der Signalübertragung ermöglichen – je nachdem, um welchen Stecker es sich handelt. Je nach Anzahl der Pole verfügen Klinkenstecker neben der Spitze (T = Tip) und dem Schaft (S = Sleeve) über eine unterschiedliche Anzahl an Ringen (R = Ring).

Hier ein kleiner Überblick der gängigsten Modelle:

  • TS: 
    • Mono, unsymmetrisch 
  • TRS: 
    • Mono, symmetrisch oder unsymmetrisch
    • Stereo, unsymmetrisch
  • TRRS:
    • Mono, symmetrisch oder unsymmetrisch
    • Stereo, unsymmetrisch
    • Eignet sich durch einen Zusatzkanal dazu, etwa Mikrofone an Smartphones anzuschließen
  • TRRRS (Pentaconn; 4,4 Millimeter):
    • mit freundlicher genehmigung von Nippon DICS Co., Ltd.
      Hier gut zu erkennen: der Tip-Ring-Ring-Ring-Sleeve (TRRRS)-Aufbau eines fünfpoligen Pentaconn-Steckers

      Aus Japan stammt dieser neue Standard für symmetrische Kopfhörerverbindungen. Sowohl für mobile als auch für stationäre Anwendungen kann dieser genutzt werden. Die Idee dahinter ist, dass anstelle einer symmetrischen Verbindung, die getrennte Stecker für den linken und rechten Kanal benötigt, ein einzelner Petaconn-Stecker verwendet werden kann („Penta“ = fünf, „conn“ = Stecker). Dieser eignet sich dank seiner 4,4 Millimeter besser für mobile Anwendungen als beispielsweise eine 6,3-Millimeter-Klinkenverbindung und kommt zum Beispiel bei unserer Redaktions-Over-Ear-Kopfhörer-Referenz Sennheiser HD820 vor. Ein entsprechender Anschluss zeichnet beispielsweise den zugehörigen Kopfhörerverstärker/DAC Sennheiser HDV820 sowie Digital Audio Player wie unseren Referenz-DAP Questyle QPM oder das Modell FiiO M11 aus.

Zusatztipp: Überprüfen Sie, ob die jeweilige Anschlussbuchse überhaupt in der Lage ist, den jeweiligen Stecker zu verarbeiten. Nehmen sie im Zweifelsfall die Anleitung ihres Geräts zur Hand.

XLR Audiokabel
Diverse XLR Audiokabel

XLR
XLR-Kabel übertragen das Signal mit großer Wahrscheinlichkeit symmetrisch. Drei Pole dieser Audiokabel, die als Pins ausgelegt sind („Male/männlich“) finden in einer mit entsprechenden Löchern versehenen Buchse („Female/weiblich“) ihren Platz. Da die Anschlüsse von einem Gehäuse umgeben sind, ist dieser Steckertyp besonders langlebig. 

Cinch (RCA)

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Cinch Audiokabel mit farbiger Seitenmarkierung

Wer eine Stereoanlage oder einen AV-Receiver besitzt, wird diesen Anschlusstyp kennen. Meist werden Cinch- (oder im amerikanischen Sprachgebrauch: RCA-) Audiokabel im Doppelpack verkauft, um sowohl das linke (schwarz) als auch das rechte Signal (rot) eines Stereosignals übertragen zu können. Mit diesem Verbindungstyp können ausschließlich unsymmetrische Signalübertragungen realisiert werden.

Stecker für digitale Signale

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Toslink Audiokabel im Close-up

Optisch (Toslink)
Das von der Firma Toshiba entwickelte Audiokabel-Format ist ein sogenannter Lichtwellenleiter, deswegen auch die Bezeichnung „optisches Audiokabel“. Da dieser Kabeltyp leicht zu beschädigen ist, sollte ein solches Kabel stets besonders vorsichtig verlegt werden.

Schnittstellen:

  • ADAT
  • S/PDIF
  • MADI
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Koaxiale Audiokabel im Querschnitt

Koaxial
Koaxial-Kabel übertragen digitale Signale per elektrischem Strom. Übrigens sind nur die Stecker mit denen von Cinch-Kabeln identisch. Sie sind zweipolig ausgeführt und der Aufbau ist konzentrisch. Das bedeutet, dass etwas symmetrisch um eine gemeinsame Mitte angeordnet ist. Koaxial-Kabel bestehen entsprechend aus einem Innenleiter, der in konstantem Abstand von einem hohlzylindrischen Außenleiter umgeben ist.

Schnittstellen:

  • S/PDIF
  • MADI

AES/EBU (XLR)
Bei der Übertragung von AES/EBU-Signalen kommen XLR-Verbindungen zum Einsatz. Für die Übertragung sollten Audiokabel mit einem Leitungswellen-Widerstand von 100 Ohm genutzt werden, da es sonst zu Signalreflexionen – und somit zu Synchronisations-Problemen der verbundenen Hardware – kommen kann.

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Audiokabel: Wir verschaffen Ihnen einen Überblick über den Kabel-Dschungel.

Schnittstellen
In der folgenden Übersicht zeigen wir auf, in welcher Qualität die verschiedenen digitalen Schnittstellen übertragen können:

  • AES/EBU: 24 Bit
    • 2 Kanäle mit 192 kHz
  • ADAT: 24 Bit
    • 2 Kanäle mit 192 kHz
    • 4 Kanäle mit 96 kHz
    • 8 Kanäle mit 48 kHz
  • S/PDIF: 16 Bit (optional auch mehr)
    • 2 Kanäle mit 48 kHz
  • MADI: 24 Bit
    • 16 Kanäle mit 192 kHz
    • 32 Kanäle mit 96 kHz
    • 64 Kanäle mit 48 kHz

Begrifflichkeiten

Warwick Acoustics Sonoma M1 Kabel
Auch so etwas gibt’s: Die Audiokabel des edlen Elektrostaten-Gespanns Warwick Acoustics Sonoma M1 sind hochwertig verarbeitete Spezialanfertigungen.

Leiterquerschnitt
Die Dicke der Adern, also der signalleitende Teil, ergibt den Leiterquerschnitt der Audiokabel. Die Fläche des Leiterquerschnitts wird für die Spezifikation gemessen. Die Angabe erfolgt in Quadratmillimetern. Je größer der Querschnitt, desto geringer ist der Leitungswiderstand. Das hat eine höhere Übertragungsleistung der Audiokabel zur Folge.

Kapazität
Eine Faustregel besagt folgendes: Die Kapazität des Kabels gibt an, wie stark die Höhen gedämpft werden. Je kürzer das Audiokabel, desto geringer seine Kapazität. 

Abschirmung
Um Einstreuungen von magnetischen und elektrischen Feldern möglichst gering zu halten, ist eine gute Abschirmung vonnöten. Auch eine Ausstreuung des Audiokabels soll so vermieden werden. Denn auch von Kabeln, die über eine nicht ausreichende Abschirmung verfügen, können Störsignale ausgehen, die Signale anderer Geräte oder Kabel negativ beeinflussen.

Vergoldete Stecker
Vergoldete Stecker der Audiokabel bieten vor allem einen Vorteil: Sie sind weniger anfällig für Korrosion – und somit langlebiger.

Fazit

Um eine hohe Klangqualität zu erhalten, sollte man auf möglichst hochwertige Audiokabel setzen. Achten Sie beim Kauf von Kabeln oder kabelgebundenen Audiogeräten also stets auf eine gute Verarbeitungsqualität und Abschirmung. Wenn möglich, sollten Sie dabei auch die Lötstellen überprüfen. Vergoldete Stecker sorgen zudem dafür, dass Audiokabel langlebiger sind und Ihnen länger Freude bereiten. Werden die genannten Kriterien nicht beachtet, wird auch die beste Ausstattung nicht den gewünschten Klang liefern. Oder anders ausgedrückt: Wenn der Klangleiter in der Kreisklasse spielt, wird er vermutlich nie gut genug für die Champions League sein.

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