Alice Merton – Mint+4

Im Januar 2019 veröffentlichte die deutsch-britische Indie-Sängerin Alice Merton ihr Debüt-Album „Mint“. Merton hat sich bereits in früheren Jahren einen Namen gemacht und gilt als musikalisch erfolgreiche Absolventin der Mannheimer Pop-Akademie, die eine eigenständige Mainstream-Karriere anstreben konnte und mit „No Roots“ einen Megahit hatte. 

Ende 2019 wurde nun eine Deluxe-Version des Albums veröffentlicht, mit vier zusätzlichen Songs. Das spiegelt die Umbrüche des Marktes im Zuge von Spotify-Veröffentlichungen und gleichzeitig der Auswertung von Zusatzversionen eines Studioalbums wider – in diesem speziellen Fall allerdings in ungewohnt schneller Abfolge. Nichtsdestotrotz bietet es eine gute Gelegenheit, die Platte an sich vorzustellen.

Mit „Learn to Live“ beginnt das Album denkbar flott – ein eingängiger Song mit kräftig knallendem Rock-Schlagzeug, interessanter Melodie und Gitarren-Atmosphären. Mit dem teilweise lautmalerischen Gesang und leicht abgehackten Phrasierungen erinnert Merton entfernt an Beth Ditto und frühe Gossip-Nummern. „2 Kids“ beginnt ruhiger, bevor der Refrain ebenfalls laut aufgeht, mit Kinder-Background-Gesang und eingängem Synth-Pattern. Hier erinnert Alice Merton an eine Mischung aus Katy Perry und Feist.

„No Roots“ ist dann der allseits bekannte große Hit, der bereits 2017 auf einer EP veröffentlicht wurde, zackig arrangiert zwischen Disco und Pop – ein Highlight. „Funny Business“, mit interessantem Bass-Riff und Clap-Rhythmus wirkt reizvoll, allerdings erscheint die schnelle Gesangsrhythmik leicht überladen. „Easy“, mit Vocoder-Background-Gesang unterlegt, bietet typische R&B-Stilistiken, kombiniert mit allerlei Instrumenten-Samples. „Homesick“, eine Uptempo-Ballade, erinnert in der Stimmung an Taylor Swift – ein weiterer Höhepunkt. „Lash out“ ist im trockenen Stomper-Rhythmus ähnlich wie „No Roots“ gehalten, ähnlich „Keeps Me Awake“ und „I Don’t Hold a Grudge“.

Der erste neue Song, „PHC“, ist offener produziert, mit höhenreicherem Klangbild und etwas atmosphärischerem Arrangement – wie eine „Chill-Out-Version“ von Merton. „Trouble in Paradise“, wenngleich an sich ein gelungener Song, wirkt hingegen wie ein schablonenhafter Aufguss von „No Roots“. „Why so serious“ stellt Mertons Nachfolge-Hit dar, der einmal mehr aufzeigt, wie gelungen ihr Songwriting grundsätzlich funktioniert. „Back to Berlin“, eine tolle Klavierballade mit Streichern, erinnert grob an Lana Del Ray, nur Mertons sehr direkte und gleichzeitig belegte Gesang irritiert im Arrangement leicht.

Klanglich erscheint das Album solide produziert, das Ergebnis kommt ohne überdimensionierte Kompression aus. Lediglich das Stereobild wirkt teilweise perspektivisch verwaschen, etwa bei „Easy“, „Honeymoon Heartbreak“ oder der Ballade „Back to Berlin“. Bei letzterer klingen die Sounds merkwürdig belegt und nach einem kleinen, bedämpften Raum. Bei den direkten, rhythmusbetonten Songs wie „Learn to Live“, „No Roots“, „PHC“ und „Why So Serious“ funktioniert der Klang am stimmigsten. Die vier neuen Songs ergänzen die elf ursprünglichen Tracks derweil interessant und untermauern das Potenzial der Singer-Songwriterin Alice Merton.

ALICE MERTON – MINT+4

TESTERGEBNIS Punkte
Musik 8
Klang 7
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